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Pressemeldungen 2008

 

Kapitalmarktausblick 2009

Hamburg, 11.12.2008 Die Haspa-Analysten erwarten für das Jahr 2009 eine Kapitalmarktentwicklung, die von einer hohen Schwankungsbreite geprägt ist und Prognosen auf zukünftig zu erwartende Indexstände in Form eines Punktziels kaum zulässt. Die nach wie vor bestehenden Verwerfungen an den internationalen Finanzmärkten und die sich abzeichnende schwere Wirtschaftskrise bestimmen das Geschehen. Erst im zweiten Halbjahr 2009 sei eine Stabilisierung der Märkte zu erwarten. Bernd Schimmer, Chefanalyst der Haspa: Wir befinden uns in einer Zeitenwende. Es gibt massive staatliche Eingriffe in das Finanzsystem und eine 180-Grad-Wende in der Wirtschafts- und Fiskalpolitik. Die gewaltigen Rettungspakete für die Banken und die milliardenschweren Konjunkturprogramme zeigen einerseits den Ernst der Lage an, werden andererseits aber auch Wirkung entfalten.

 

Nicht von ungefähr dokumentiert der Analysebericht der Haspa ausführlich Ursachen und Verlauf der großen Depression in den 1930er-Jahren und die Japan-Krise in den 1990er Jahren. Bernd Schimmer: Die jetzige Lage weist unzweifelhaft viele Parallelen auf. In einem entscheidenden Punkt ist sie allerdings anders: Die Regierungen und die Notenbanken haben offenkundig aus diesen beiden Krisen gelernt. Vor allem die USA halten aggressiv dagegen.

Konjunktureller Abschwung hält an

Düsterer bewertet die Haspa die Konjunkturaussichten. Die Kreditverknappung werde sich trotz aller Stützungsmaßnahmen nur sehr langsam auflösen. Das führe automatisch zu starken Bremsspuren bei den Unternehmensinvestitionen. Das weltweite Wachstum, das 2008 noch bei knapp 4 Prozent gelegen habe, könne auf 1 Prozent absinken mit erheblichen regionalen Unterschieden. Einige Emerging Markets, allen voran China, werden noch ein deutliches Plus verzeichnen, wenngleich auch dort die Wachstumsdynamik abflache. Die Entwicklung der deutschen Wirtschaftsleistung werde 2009 negativ ausfallen. Chefvolkswirt Jochen Intelmann: Wir rechnen mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 1 bis 1,5 Prozent.

Leitzinsen dürften weiter sinken

Aber es gibt auch positive Signale. Die Rückkehr zur Preisstabilität eröffne der Europäischen Zentralbank Spielraum für weitere Zinssenkungen. Mit mehreren Schritten von insgesamt 1,75 Prozentpunkten ist die EZB bereits tätig geworden. Die Haspa-Analysten erwarten, dass schon Anfang 2009 der nächste Schritt folgen wird. Selbst eine 1 vor dem Komma beim Hauptrefinanzierungssatz für Banken könne bei aufkommenden Deflationsgefahren nicht mehr ausgeschlossen werden.

Dollarkurs zwischen 1,20 und 1,30

Bei der vor allem für die deutsche Exportwirtschaft wichtigen Dollarkursentwicklung erwarten die Haspa-Analysten 2009 Bewegungen im Spielraum zwischen etwa 1,20 und 1,30 US-Dollar pro Euro. Eine Dollarschwäche wie im vergangenen Jahr, als sich die Paritäten auf knapp 1,60 US-Dollar/Euro veränderten, sei trotz der enormen Haushalts- und Leistungsbilanzdefizite in den USA nicht zu erwarten, zumal die Finanz- und Wirtschaftskrise Europa jetzt mit fast ähnlicher Wucht getroffen habe wie die USA.

Rohstoffpreise bleiben unter Druck

Schon in den vergangenen Monaten hat der konjunkturelle Abschwung die Rohstoffpreise erheblich gedämpft. In der Rezessionsphase werden sie weiter unter Druck stehen. Für den Ölpreis (Brent) wird 2009 eine Preisspanne zwischen 40 und 60 US-Dollar pro Barrel erwartet.

Sinkende Unternehmensgewinne

Die sinkende Wirtschaftsleistung wird sich 2009 auch negativ in der Entwicklung der Unternehmensgewinne niederschlagen. Bereits für das laufende Jahr erwarten die Analysten, vor allem aufgrund der Wertpapier-Abschreibungen des Banken- und Versicherungssektors, einen Rückgang von rund 45 Prozent. Für 2009 gehen sie von einer erneuten Reduktion um 20 Prozent aus. Der Nachfragerückgang hat bereits vielfach zu Produktionseinschränkungen geführt. Im Kampf gegen erodierende Umsatzerlöse sind Kostensenkungsprogramme und Restrukturierungen zu erwarten. Auch Firmenwertabschreibungen dürften auf die Tagesordnung kommen. Aufpreise, die bei zahlreichen Übernahmeaktivitäten in den vergangenen Jahren gezahlt wurden, stellen heute bei deutlich verringerten Zeitwerten einen erheblichen bilanziellen Sprengstoff dar.

Punktprognosen für Aktienmärkte nahezu unmöglich

Die mit vielen Unsicherheiten behaftete Marktlage macht Punktprognosen für die Aktienmärkte, die auf klaren Eckwerten und soliden Berechnungen beruhen, nahezu unmöglich. So ist vor allem der Bankensektor, der im DAX und EuroStoxx50 über ein hohes Indexgewicht verfügt, im Hinblick auf den weiteren Konsolidierungs- und Abschreibungsbedarf sowie die möglichen staatlichen Einflussnahmen als extrem unsicher einzustufen. Hinzu kommt, dass Kurskapriolen wie jüngst bei der Volkswagen Stammaktie das Ansehen und die Repräsentativität von Indizes im Allgemeinen sowie des DAX im Besonderen erschüttert haben.

Anhaltspunkte auf Basis einer historischen Kennzahlenanalyse

Auch vor diesem Hintergrund haben die Haspa-Analysten ihren diesjährigen Kapitalmarktausblick nicht an Diskontierungsmodellen ausgerichtet, sondern auf die historische Kennzahlenanalyse mit Blick auf frühere weltweite Rezessionsphasen abgestellt. Basis der Berechnungen bilden die bekannten Indikatoren wie Kurs-Gewinn- (KGV), Kurs-Cashflow- (KCV) und Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV). Das Ergebnis dieser Kennzahlenanalyse sind DAX-Bewertungen in 2009 zwischen 3.400 und 5.200 Indexpunkten je nachdem, welchen Indikator man zugrunde legt. Das günstigste Szenario lässt sich aus dem Kurs-Buchwert-Verhältnis ableiten.

Marktentwicklungen im Jahr 2009

Aber auch der Blick in den Rückspiegel ist in Zeiten großer Verunsicherung alles andere als ein klarer Wegweiser in die Zukunft. Folgende Szenarien erscheinen aus heutiger Sicht realistisch:

  • Aktienmärkte: Stark schwankende Kurse zum Jahresauftakt, die von voraussichtlich enttäuschenden Quartalsberichten der Unternehmen geprägt sind. Aktienverkäufe von Hedgefonds und Investmentfonds könnten die Märkte zusätzlich unter Druck setzen. Sollte sich ab Sommer eine konjunkturelle Stabilisierung abzeichnen, könnte die Risikobereitschaft der Investoren wieder steigen. Eine DAX-Spanne zwischen 4.000 und 4.500 Punkten wäre dann realistisch. Die aus den oben genannten Indikatoren abgeleiteten DAX-Stände spiegeln einen möglichen DAX-Verlauf in 2009 wider, wobei die unteren Werte (3.400 Punkte) zu Beginn des Jahres ein Tiefstszenario abbilden und im späteren Jahresverlauf das obere Terrain (5.200 Punkte) angesteuert werden könnte.
  • Rentenmarkt: Weiter sinkende Leitzinsen, aufkommende Deflationsbefürchtungen und negative Meldungen aus dem Unternehmenssektor sprechen dafür, dass die Nachfrage nach Staatsanleihen nicht abreißen wird und zunächst für weiter steigende Anleihekurse sorgt. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe dürfte sich in diesem Umfeld zum Jahresbeginn nahe der Marke von drei Prozent bewegen. Spiegelbildlich zum Aktienmarkt könnten die Renditen in der zweiten Jahreshälfte wieder leicht anziehen.
  • Unternehmensanleihen: Corporate Bonds werden mit einem enormen Risikoaufschlag gegenüber Staatsanleihen gehandelt. Ausgehend von unserem Szenario, wonach sich das makroökonomische Umfeld im 2. Halbjahr 2009 stabilisiert, erscheinen die derzeit bezahlten Aufschläge zu Staatsanleihen lukrativ. Bei einem Investment in Unternehmensanleihen ist eine breite Streuung nach Unternehmen, Branchen und Laufzeiten unabdingbar. Anleger sollten nur finanzstarke Schuldner mit Investmentgrade-Rating, niedrigem Refinanzierungsbedarf, hoher Profitabilität und einem möglichst konjunkturbeständigen Geschäftsmodell in Betracht ziehen.

Alternativ-Szenario

Ist es möglich, dass doch alles ganz anders kommt und die Aktienmärkte sehr viel früher wieder anspringen? Das ist eher unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich, meint Bernd Schimmer. So sei nicht auszuschließen, dass die reichlich vorhandene, in Staatsanleihen geparkte Liquidität bei einer Stabilisierung der Märkte plötzlich beginnt, in den Aktienmarkt zu fließen. Dies könnte vor allem bei einer deutlichen Zunahme der Inflationsbefürchtungen der Fall sein. Der Sachwertcharakter, die Größe des Aktienmarktes und die tägliche Handelbarkeit sind Argumente, die kein anderes Anlagemedium gleichzeitig bieten könne. Dabei könnten sich die Investoren auch vorübergehend von den eher schwachen Fundamentaldaten lösen und zeitweise höhere Bewertungsniveaus akzeptieren. Die deutliche Untergewichtung, die große institutionelle Anleger der Anlageklasse Aktien derzeit einräumen, würde das Potenzial einer Aufwärtsbewegung erhöhen.

Haspa Anlagestrategie für 2009 

Angesichts der Marktlage ist die Aufteilung der Anlagemittel auf verschiedene Anlageformen (Asset Allocation) wichtiger denn je. Risikoreichere Anlagen wie Aktien sollten deutlich untergewichtet, Anleihen übergewichtet werden. Das Haspa-Wachstumsdepot z. B. enthält in einem normalen Umfeld einen Aktienanteil von 40 Prozent. Dieser Anteil ist jetzt auf 22,5 Prozent reduziert. Haspa-Chefanalyst Bernd Schimmer: Bei unseren Investments im Aktienbereich liegt der Schwerpunkt auf Substanzwerten mit einem zukunftsfähigen Geschäftsmodell und soliden Bilanzkennzahlen. Darüber hinaus berücksichtigen wir aus strukturellen und langfristigen Überlegungen einen Aktienfonds, der in Unternehmen aus den Schwellenländern (Emerging Markets) investiert. Im Bereich der festverzinslichen Wertpapiere favorisieren wir Pfandbriefe, Bank-Inhaberschuldverschreibungen mit Institutsschutz sowie Bundesanleihen. Kurzläufer werden dabei ergänzt von Anleihen mit längeren Restlaufzeiten. Letztere profitieren besonders vom aktuellen Trend sinkender Zinsen. Sehr attraktive Renditen sind derzeit bei ausgewählten Unternehmensanleihen zu erzielen.

Erfahrene Anleger sollten aus Sicht von Chefanalyst Schimmer ihre strategische Vermögensaufteilung durch eine taktische Asset Allocation ergänzen. Sie besteht darin, in der aktuellen Krisensituation Liquiditätspositionen dazu zu nutzen, flexibel zu reagieren und sich bietende Chancen wahrzunehmen. Schimmer: Starke Kursschwankungen bieten Trading-Möglichkeiten. Aber das Traden sollte nicht auf Wetten hinauslaufen. Selbst dann, wenn vieles für eine Wende spricht, sollte nie gegen starke Trends spekuliert werden.

 
 

 

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