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Kapitalmarktausblick 2011 - Gesichert auf Gipfeltour

Hamburg, 9. Dezember 2010 - Die zentralen Annahmen des Kapitalmarktausblicks 2011 der Haspa lauten:

  • Die globalen Ungleichgewichte werden uns noch längere Zeit begleiten.
  • Die Genesung des Bankensystems kommt auch im neuen Jahr nur schleppend voran.
 

Vor diesem Hintergrund halten die Notenbanken in den großen Industrieländern an den extrem niedrigen Leitzinsen fest. Die Liquiditätsausstattung bleibt üppig. Die langfristigen Renditen legen etwas zu, bleiben aber historisch gesehen immer noch auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Die Staatsschuldendiskussion hält an. Die Inanspruchnahme des europäischen Rettungsschirms und die Verabschiedung des ab 2013 geltenden Europäischen Stabilisierungsmechanismus (ESM) sollten an den Märkten allerdings für eine gewisse Beruhigung sorgen. Der globale Aufschwung setzt sich fort. Die größten Impulse gehen wieder von den wachstumsstarken Schwellenländern unter der Führung Chinas aus. Deutschland bleibt die Wachstumslokomotive der Euro-Zone. Das "Jobwunder" hält an und führt dazu, dass der private Verbrauch zur Stütze des Wachstums wird. Der deutsche Konjunkturmotor läuft auf allen vier "Zylindern" (privater und staatlicher Konsum, Investitionen, Außenhandel). In den USA dämpft die Schwäche des Arbeitsmarktes das Wachstum. Gleichwohl fallen die Vereinigten Staaten nicht in die Rezession zurück.

Angesichts der insgesamt erfreulichen Rahmendaten geht das Analyseteam der Haspa davon aus, dass auch 2011 ein gutes Aktienjahr wird. Bernd Schimmer, Chefanalyst der Hamburger Sparkasse: "Deutschland hat auch an der Börse ein weiteres Aufschwungjahr vor sich. Bei den für 2011 erwarteten Unternehmensgewinnen gehen wir für die 30 im DAX notierten Unternehmen von einem Anstieg um rund zehn Prozent aus. Daraus lässt sich für das kommende Jahr beim DAX je nach Berechnungsmethode eine erreichbare Kursbandbreite von 7.500 und 8.000 Indexpunkten ableiten. Der Indexverlauf dürfte allerdings nicht geradlinig sein. In der ersten Jahreshälfte sollte sich die liquiditätsgetriebene Rallye fortsetzen. Beim DAX halten wir dabei einen Anlauf auf die historischen Höchststände für möglich. In der zweiten Jahreshälfte könnte sich die Erwartung verfestigen, dass die EZB im Jahr 2012 an der Zinsschraube drehen wird. Dies kann zu Gewinnmitnahmen führen. Am Jahresende 2011 kann daher der untere Bereich der DAX-Spanne zwischen 7.500 und 8.000 Punkten anvisiert werden. Alles in allem bleiben wir optimistisch für Aktien und starten mit einer relativ hohen Aktienquote ins neue Jahr. Wir raten den Anlegern allerdings, auf eine angemessene Absicherung des Erreichten zu achten.
Gegenwind droht dem Aktienmarkt durch steigende Rohstoffpreise und einer abnehmenden Gewinndynamik.

Die Projektionen basieren auf folgenden Einschätzungen und Erwartungen:

  • Konjunktur: Der globale Aufschwung wird sich in etwas abgeschwächter Form fortsetzen. Für Deutschland wird ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2 bis 2,5 Prozent erwartet, für die USA etwa 2 Prozent und für die Weltwirtschaft gut 4 Prozent. Spitzenreiter bleibt China mit knapp 10 Prozent.

  • Preisentwicklung: Die Inflationsrisiken halten sich weiterhin in Grenzen. In den USA befürchtet die Notenbank sogar deflationäre Tendenzen. In Deutschland wird ein Anstieg der Verbraucherpreise zwischen 1,5 und 2,0 Prozent erwartet, in den USA und der Euro-Zone zeichnen sich Inflationsraten von gut 2 Prozent ab. In den Jahren ab 2012 können die Inflationsimpulse zunehmen, sodass die Zielwerte der Notenbanken übertroffen werden.

  • Zinsen und Geldpolitik: In den USA ist keine Leitzinserhöhung zu erwarten. Die US-Notenbank wird zudem durch den Ankauf von Staatsanleihen das Zinsniveau auf niedrigem Niveau halten. Die EZB dürfte ihren markt- und konjunkturschonenden Ausstieg aus der extrem expansiven Geldpolitik fortsetzen. Eine Anhebung des Hauptrefinanzierungssatzes ist in 2011 jedoch wenig wahrscheinlich. Die Renditen werden aufgrund höherer Risikoprämien voraussichtlich leicht steigen. Die 10-jährige Bund-Rendite dürfte zur Jahresmitte bei etwa 3,0 Prozent und am Jahresende im Bereich um 3,50 Prozent liegen.

  • Währungen: Der US-Dollar sollte sich aufgrund der sehr expansiven Geldpolitik der US-Notenbank tendenziell abschwächen. Der Euro dürfte zunächst um 1,35 USD pendeln und im Laufe des Jahres 2011 die Marke von 1,40 USD überwinden.

  • Rohöl: Der Preis pro Barrel sollte sich im Korridor zwischen 70 und 100 US-Dollar bewegen.

Die Notenbanken stellen die Weichen am Kapitalmarkt

Während die Konjunkturkrise in fast allen Industrieländern "abgehakt" ist, hält das Analyseteam der Haspa die Krise des Bankensystems und der Staatsschulden nicht für überwunden. Das Vertrauen der Finanzhäuser untereinander ist noch längst nicht wieder hergestellt. Viele Kreditinstitute in den krisengeschüttelten Randstaaten der Euro-Zone hängen "am Tropf" der Europäischen Zentralbank, da sie sich kaum noch oder gar nicht am Kapitalmarkt refinanzieren können.

Dies ist der EZB ein Dorn im Auge. Sie versteht sich nicht als Hauptkreditgeber für bestimmte Banken und möchte diesen Zustand baldmöglichst beenden. Vor diesem Hintergrund hat sie die Bemühungen um das irische Rettungspaket stark unterstützt. Ihr Kalkül: Wenn die Krisen-Banken durch umfangreiche Kapitalspritzen wieder über markttaugliche Eigenkapitalquoten verfügen und die schlechten Forderungen ausgelagert sind, nimmt die Abhängigkeit von der EZB ab. In diesem Fall kann sich die Notenbank wieder dem Ausstieg aus der extrem expansiven Geldpolitik widmen. Dies bedeutet keinesfalls, dass eine Leitzinserhöhung vor der Tür steht. Aber die Zuteilung der Liquidität könnte weniger üppig ausfallen als zuvor. Ein Dilemma bleibt allerdings. Nehmen die Staaten den Rettungsfonds zur Stabilisierung der Banken in Anspruch, so geht es den Banken besser, aber die Staatsschulden steigen weiter.
Sollte die EZB im Laufe des Jahres ihr Hauptaugenmerk von den krisengeplagten Randstaaten auf die Wachstumslokomotive Deutschland richten, dürfte sich am Markt langsam eine gewisse Zinserhöhungserwartung aufbauen, denn die aktuellen Zinsen sind für die deutschen Rahmendaten eindeutig zu niedrig.

In den USA dagegen dürfte die Notenbank (Fed) nicht einmal an restriktive Maßnahmen denken. Im Gegenteil: Sollte der zusätzliche Liquiditätsschub von 600 Mrd. USD nicht die erhofften konjunkturellen Impulse bewirken, dürfte die Fed das nächste Geldpaket schnüren. Jochen Intelmann: "Die US-Notenbank hat zwei gleichrangige Aufgaben: Preisniveaustabilität und Vollbeschäftigung. Beide Ziele sind derzeit nicht erreicht. Während die Fed bei den Preisen mittlerweile sogar deflationäre Tendenzen befürchtet, ist das Arbeitsmarktziel massiv verfehlt. Vor diesem Hintergrund ist in den USA in 2011 keine Leitzinserhöhung zu erwarten. Die Politik des "Gelddruckens" durch die US-Notenbank dürfte zwei wichtige Nebeneffekte haben: die Schwächung des US-Dollar und eine massive Unterstützung für die Aktienmärkte. Es besteht zudem die Hoffnung, dass der dadurch bewirkte "Reichtumseffekt" die privaten Haushalte zu höheren Konsumausgaben animiert.

Orientierungsmarken für die Anlagestrategie im Jahr 2011

Die Rahmenbedingungen für deutsche Aktien bleiben erfreulich. Niedrige Zinsen, steigende Unternehmensgewinne, eine wachsende Wirtschaft und eine gute Liquiditätsausstattung stellen eine vielversprechende Basis für weiter steigende Kurse dar. Bernd Schimmer: "Der DAX kann in der ersten Jahreshälfte einen Anlauf auf die Höchststände im Bereich um 8.200 Punkte nehmen. Im zweiten Halbjahr kommt es auf die Signale der EZB an. Setzt sich die Erwartung durch, dass sie 2012 an der Zinsschraube drehen wird, dürfte es Gewinnmitnahmen geben. Ende 2011 sehen wir den DAX zwischen 7.500 und 8.000 Punkten".

Gesichert auf Gipfeltour: Als ein Gebot für das neue Jahr gilt die Absicherung des Erreichten. Unerlässlich ist daher eine angemessene Diversifikation. Diese kann im neuen Jahr nach unserer Einschätzung nicht nach dem klassischen Muster (Aktien plus langfristige Staatsanleihen) vorgenommen werden. Zielführend dürften dividendenstarke Aktien, Discount-Produkte sowie Gold sein.

Kennzeichen D: Unter regionalen Aspekten legen wir den Aktienschwerpunkt auch 2011 auf Deutschland.

Spezialitäten: Interessant bleiben auch die wachstumsstarken Schwellenländer. Gute Chancen rechnen wir uns bei exportstarken US-Aktien aus. Sie dürften von einer Abschwächung des Dollar profitieren, da die im Ausland erzielten Gewinne wertvoller werden.

Der Star ist die Mannschaft lautet die Botschaft im Bereich festverzinslicher Wertpapiere. Angesichts des erwarteten Renditeanstiegs sollten lange Restlaufzeiten gemieden werden. Die Haspa empfiehlt einen Mix aus Wandelanleihen, Unternehmensanleihen, inflationsgeschützten Anleihen und Kurzläufer aus den Schwellenländern. Die Restlaufzeiten sollten im kürzeren und mittleren Bereich liegen.

 
 

 

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