Haspa Mittelstandsbarometer Exportwirtschaft 2011
Haspa Mittelstandsbarometer Exportwirtschaft 2011
Fette Jahre für Hamburgs Ausfuhrwirtschaft
- Hohe Wachstumsraten bis 2016
- Exportziel BRIC gewinnt an Gewicht / Europahandel stabilisiert
- Exportfinanzierungen durch Basel III unter Druck
Hamburg, Juni 2011 – Beste Aussichten für Hamburgs Exporteure: Die Zusammensetzung ihrer Güter und Zielmärkte verspricht in den kommenden Jahren satte Zuwachsraten. Bis 2016 werden die Exporte im Schnitt jährlich um annähernd 10% zulegen, prognostiziert die Analyse „Perspektiven für Hamburgs Außenhandel“, die das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) im Auftrag der Hamburger Sparkasse (Haspa) erstellt hat. Die mit Abstand wichtigste Säule, der Export von Luftfahrzeugen, profitiert langfristig von den expandierenden Fluggesellschaften insbesondere in China und den Arabischen Emiraten. Die übrigen Gütergruppen sind gesund gestreut und damit für den Standort ohne existenzielle Clusterrisiken. Auch bei den Zielmärkten halten sich die stabilen Handelsbeziehungen innerhalb der EU und die prosperierenden Märkte in Osteuropa und Asien in einem ausgewogenen Verhältnis. Aktuelle Krisenregionen, wie Japan, Nordafrika, Griechenland, Portugal, spielen für die Hamburger Ausfuhrwirtschaft nur eine untergeordnete Rolle.
Der Hamburger Export präsentiert sich wie ein gut strukturiertes Anlageportfolio“, freut sich Andreas Mansfeld, Bereichsleiter Unternehmenskunden der Haspa. „Wir haben eine solide Basis an Substanzwerten kombiniert mit chancenreichen Ertragspositionen. Die Luftfahrtindustrie als einziges potenzielles Klumpenrisiko nehmen wir gerne in Kauf, weil es auf absehbare Zeit seinen Wertbeitrag leistet.“ „Mit einem Wertschöpfungsbeitrag von 40% ist die Exportleistung für Hamburg gravierend“, so HWWI-Direktor Professor Thomas Straubhaar. „Der Anteil sollte in den kommenden Jahren aber noch ausgebaut werden, um die Position Hamburgs als Produktionshafen weiter zu stärken.“
Hamburger Produkte auf dem Weltmarkt
Obwohl Hamburg in erster Linie als Handels- und Dienstleistungsmetropole gesehen wird, steuert die Industrie einen wesentlichen Anteil zur Wertschöpfung und Beschäftigung bei. Große Teile der Industrieproduktion werden im Ausland abgesetzt. Die Bereiche Luftfahrt, Kupfer und Chemie sind stark durch einzelne marktführende Unternehmen geprägt. Allein die Luftfahrzeuge repräsentieren 51,2% der gesamten Exportleistung und sind größtenteils auf die Produktions- und Lieferverflechtungen des Airbus-Konzerns zurückzuführen. In den übrigen Gütergruppen (ohne Luftfahrzeuge) dominieren Maschinenbau- (10,5%) und Mineralölerzeugnisse (9,4%). „Die Mischung unterstreicht zum einen Hamburgs herausragende Rolle als wichtiger deutscher Raffineriestandort in Deutschland. Zum anderen zeigt sich, dass Maschinenbau kein süddeutsches Alleinstellungsmerkmal ist“, so Straubhaar. Herausragende Wachstumsraten verzeichnete in den letzten Jahren der Export von Medizintechnik, die in Hamburg von rund 30 mittelständischen Unternehmen produziert wird.
Düngemittel für Brasilien, Medizintechnik für Holland
Die Korrelation von Gütergruppen und Zielmärkten macht die wichtigsten Handelsrouten sichtbar. Neben Flugzeugteilen nach Frankreich dominieren Düngemittel nach Brasilien, Medizintechnik für die Niederlande, Mineralölerzeugnisse für die Niederlande und England, chemische Erzeugnisse für Polen. Ohne Luftfahrzeuge lautet die Rangfolge der wichtigsten Hamburger Exportziele Niederlande (9,1%), Großbritannien (8,3%), Frankreich (7%), Polen (6,3%), China (6,2%), USA (4,4%). Die traditionellen Handelspartner innerhalb der EU haben im Vergleich zu den Schwellenländern in den vergangenen zehn Jahren etwas an Gewicht verloren und weisen eine unterdurchschnittliche Wachstumsdynamik auf. Die Studie des HWWI unterstreicht allerdings die stabilisierende Wirkung dieser „Handelsschwergewichte“: „Das Risiko externer Schocks ist bei den gewachsenen, stabilen Handelsbeziehungen innerhalb Europas deutlich geringer, als in China oder den anderen BRIC-Staaten“, so Straubhaar. „Für den Hamburger Export sind daher beide Standbeine auch künftig unverzichtbar.“
Loco-Quote kann noch gesteigert werden
Der Exportstandort Hamburg profitiert in besonderem Maße von Synergieeffekten zwischen Produktion und Transport. Rund 25% der in Hamburg verschifften Waren werden in der Metropolregion produziert, bearbeitet bzw. umfangreich logistisch behandelt. Diese so genannte Loco-Quote ist im Vergleich zu anderen europäischen Häfen – neben Antwerpen – eine der höchsten. „Angesichts der Wachstumsaussichten für die Exportwirtschaft gehen wir davon aus, dass die Loco-Quote in Hamburg noch erheblich gesteigert werden kann“, so Straubhaar. „Voraussetzung ist natürlich die Verfügbarkeit von Flächen und Fachkräften. Hafen- und Stadtentwicklung müssen daher Hand in Hand gehen.“
Umfeld für Exportfinanzierungen wird schwieriger
Wichtige Stütze der Entwicklung ist ein breites Angebot an Exportfinanzierungen. Dieses droht allerdings in den kommenden Jahren unter Druck zu geraten. Auslöser sind die verschärften Eigenkapitalregeln des Regulierungspaketes „Basel III“, wonach künftig auch Hermes Kredite, Avale, Garantien und Akkreditive wie normale Kredite mit Eigenkapital unterlegt werden müssen. „Die Haspa beobachtet die Entwicklung mit Sorge“, so Mansfeld. „Wir werden aber alles daran setzen, dass es gerade in diesem wichtigen Segment in Hamburg zu keinen Engpässen kommt.“
Das Kompetenzcenter Handel der Hamburger Sparkasse
Die Haspa ist traditionell stark mit dem Hamburger Außenhandel verbunden und hat daher speziell für dieses Wirtschaftscluster ein Kompetenzcenter eingerichtet. Hier finden die Kunden Ansprechpartner für ihre branchenspezifischen Fragestellungen. Mehr als 100 Mitarbeiter sind mit der Planung, Koordination und Abwicklung von Auslandsgeschäften beschäftigt - unterstützt durch ein breites Auslandsnetzwerk mit mehr als 1.500 Korrespondenzbanken weltweit und flankiert vom Bereich S-International Nord, Schnittstelle aller internationaler Haspa Kompetenzen.


