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Haspa Halbjahresausblick - Kontrollierte Offensive
Hamburg, 29. Juni 2010 – Konjunkturaufschwung hält in der zweiten Jahreshälfte an, aber nachlassende Dynamik. Schwellenländer bleiben auf der Überholspur. Deutschland: anspringender Exportmotor und "Jobwunder" auf dem Arbeitsmarkt beflügeln; Preisstabilität bleibt erhalten, DAX bei 6.500 bis 7.000 Punkten für das Jahresende - lautet die aktuelle Halbjahresprognose 2010 der Haspa Analysten.
Konjunktur: Aufschwung hält an, wechselt aber auf langsamere Fahrspur
Nachdem in den USA in den Jahren 2008 und 2009 rund 8,4 Mio. Arbeitsplätze verloren gingen, werden seit März diesen Jahres wieder in größerem Umfang neue Stellen geschaffen. Die Wachstumshoffnungen ruhen daher vor allem darauf, dass der private Verbrauch die Rolle des Konjunkturmotors übernehmen kann, wenn die staatlichen Konjunkturprogramme "abgearbeitet" sind. Sollte dies nicht gelingen, bleiben die Wachstumsperspektiven eher verhalten. Die hohe Staatsverschuldung dürfte auch in den USA bald zu verstärkten Sparmaßnahmen führen, so dass beim staatlichen Konsum bestenfalls mit einer Stagnation zu rechnen ist. Vom Außenbeitrag sind angesichts des festen Dollar ebenfalls kaum Wachstumsbeiträge zu erwarten. Positiv sieht es dagegen im industriellen Sektor aus, wenn man den Signalen der Einkaufsmanagerindizes folgt. Zweifel an einem nachhaltigen Aufschwung am US-Arbeitsmarkt lassen uns annehmen, dass die US-Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte spürbar an Schwung verliert. Das starke erste Halbjahr und der beachtliche statistische Überhang aus dem Vorjahr sollten 2010 allerdings ein BIP-Plus von 2,5 bis 3,0 Prozent ermöglichen (2009: minus 2,4 %).
Die führenden Schwellenländer sind auch im 1. Quartal 2010 auf der konjunkturellen Überholspur geblieben. Obwohl die Dynamik im zweiten Halbjahr voraussichtlich abnimmt, dürften die Zuwachsraten des BIP mit 10 Prozent in China und 9 Prozent in Indien wieder außerordentlich hoch ausfallen. Insgesamt dürften die Schwellenländer in diesem Jahr um gut 6 Prozent wachsen (2009: + 2,4 %).
Der volkswirtschaftliche Datenkranz in Deutschland präsentiert sich in guter Verfassung. Die maßgeblichen konjunkturellen Frühindikatoren signalisieren eine Fortsetzung des Aufschwungs bei stabilen Preisen. Aufgrund der kräftigen Erholung des Welthandels sowie des spürbar gesunkenen Wechselkurs des Euro, der die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Waren und Dienstleistungen im internationalen Vergleich erhöht, sollte der deutsche Außenhandel wieder einen deutlichen Wachstumsbeitrag leisten. Die Zuwachsraten des deutschen BIP sehen die Haspa Analysten für 2010 am oberen Rand der Spanne von 1,5 bis 2,0 Prozent. Die staatlichen Konjunkturprogramme wirken weiter, werden aber im laufenden Jahr immer weniger Wachstumsimpulse aussenden.
Exkurs: Euro / Euro-Zone
Der Euro bleibt und geht gestärkt aus Krise hervor
Aus der Griechenland-Krise wurde die Krise der europäischen Währungsgemeinschaft, der mit einem starken Vertrauensverlust in den Euro einherging. Der Euro hat insbesondere gegenüber dem US-Dollar stark an Wert verloren (seit November 2009 rund 20 Prozent). Gemessen an der Kaufkraft liegt der angemessene Wechselkurs des Euro derzeit zwischen 1,15 und 1,25 US-Dollar. Sollte der Euro zuvor überbewertet gewesen sein, so ist er jetzt aus Sicht der Haspa-Analysten im Bereich des "fairen" Wertes.
Euro-Zone: Staatliche Sparprogramme dämpfen das Wachstum
In der Euro-Zone sind die meisten Länder mittlerweile wieder auf den Wachstumspfad zurückgekehrt. Lediglich Spanien, Griechenland, Irland und Zypern dürften auch 2010 in der Rezession verharren. Das gemeinsame Problem aller Euro-Mitgliedsländer sind dabei die hohen Haushaltsdefizite. Dies treibt die Länder in eine harte Haushaltskonsolidierungspolitik. Vor diesem Hintergrund dürfte die Wachstumsrate der Euro-Zone kaum über 1 Prozent hinausgehen.
FAZIT: Die Krise der europäischen Währungsgemeinschaft ist noch nicht vorüber, sollte aber mit den Maßnahmen der Regierungen und der Notenbank erfolgreich bekämpft werden. Die Haspa Analysten gehen davon aus, dass der Euro langfristig gestärkt aus der Krise hervorgeht und seine Position als Weltwährung Nummer zwei festigen wird.
Stabile Preise in 2010 und 2011 erwartet
Der Anstieg der Verbraucherpreise bewegt sich derzeit mit 0,9 Prozent in Deutschland und 1,6 Prozent in der Euro-Zone deutlich unter dem Zielwert der EZB („nahe, aber unter 2 %). Die Auslastung der industriellen Kapazitäten liegt trotz der konjunkturellen Erholung immer noch unter dem Vorkrisenniveau. Auch der Lohndruck ist weiterhin gering, obwohl der deutsche Arbeitsmarkt derzeit ein „Jobwunder“ erlebt. Die massiv geschaffene Liquidität wird vom Bankensystem gehortet und ist daher nicht nachfragewirksam. Im laufenden Jahr zeichnen sich Inflationsraten von 1,0 bis 1,5 Prozent in Deutschland und 1,5 bis 2,0 Prozent in der Euro-Zone ab. Angesichts der wachstumsdämpfenden staatlichen Sparprogramme dürften die Inflationsrisiken auch 2011 überschaubar bleiben.
Europäische Zentralbank: Keine Leitzinserhöhung mehr in diesem Jahr
Die Europäische Zentralbank (EZB) ist im Mai dem Beispiel der Notenbanken in den USA, Japan und Großbritannien gefolgt, und hat begonnen, Staatsanleihen zu kaufen. Insgesamt hält die EZB aber an ihrem markt- und konjunkturschonenden Ausstieg aus der extrem expansiven Geldpolitik fest. Eine Leitzinserhöhung ist angesichts der geringen Inflationsrisiken in der Euro-Zone und den zunehmend gedämpften Wachstumserwartungen nicht mehr in diesem Jahr zu erwarten. Die EZB hat betont, dass dieser Schritt erst vorgenommen wird, wenn eine nachhaltige Stabilisierung der Märkte erfolgt ist. Sollten daher keine nennenswerten Inflationsgefahren auftauchen, kann der Hauptrefinanzierungssatz noch bis weit in das nächste Jahr auf dem aktuellen Niveau von 1,0 Prozent verharren.
Bundesanleihen profitieren von Angst um Südeuropa
Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe hat sich im Zuge der Verwerfungen an den europäischen Rentenmärkten zeitweise bis auf 2,5 Prozent ermäßigt. Ängste vor einem Auseinanderfallen der Währungsunion sowie Befürchtungen, dass es bei südeuropäischen Staatsanleihen zu einem „Schnitt“ kommen kann, sorgten für Umtauschoperationen in bonitätsstarke Bundesanleihen. In diesem Umfeld extremer Verunsicherung konnten sich die Zinsauftriebskräfte (anhaltender Konjunkturaufschwung, langsam zunehmende Inflationserwartungen, hohe staatliche Emissionstätigkeit) bisher nicht entfalten. In der Annahme, dass die extreme Verunsicherung am Rentenmarkt nur langsam abflaut, kann das extrem niedrige Renditeniveau noch längere Zeit Bestand haben. Ein Renditeanstieg dürfte einsetzen, wenn nachhaltige Stabilisierungserfolge in Südeuropa sichtbar werden. Mit einer Normalisierung des Renditeniveaus rechnen wir erst in der ersten Jahreshälfte 2011, in der sich die 10jährige Bund-Rendite in Richtung 3,30 Prozent bewegen sollte.
DAX im oberen Bereich der Spanne von 6.500 bis 7.000 Punkten
Vor dem Hintergrund des skizzierten Konjunkturszenarios dürfte sich der positive Trend bei der Entwicklung der Unternehmensgewinne in diesem Jahr als auch (verlangsamt) im Jahr 2011 fortsetzen. Die Gründe hierfür sind die schnellere Rückkehr der meisten Schwellenländer auf den Vorkrisen-Wachstumspfad, die stärkere Entfaltung der deutschen Wachstumskräfte nach einem verhaltenen Winterhalbjahr sowie die Abwertung des Euro gegenüber einer Vielzahl von Währungen, die den Unternehmen "Windfall Profits" bescheren.
Auf Basis unserer aktuellen Gewinnschätzungen ist der DAX weit oberhalb von 7.000 Punkten angemessen bewertet. Dieses Potenzial kann allerdings erst zur Entfaltung kommen, wenn die extreme Verunsicherung wieder nachhaltig abflaut. Dies kann noch einige Zeit dauern. Vor diesem Hintergrund halten wir an unserer bisherigen Aktienmarkt-Prognose fest und erwarten den DAX Ende 2010 im oberen Bereich der Spanne von 6.500 bis 7.000 Punkte.
Anlagestrategie - "Kontrollierte Offensive"
Die Aufteilung der Anlagemittel auf die verschiedenen Anlageformen (Asset Allocation) hat derzeit einen relativ offensiven Charakter. Aufgrund der deutlich attraktiveren Bewertung - vor allem im Vergleich zu deutschen Staatsanleihen - bleiben Aktien auch in der zweiten Jahreshälfte unsere favorisierte Anlageklasse. Gründe:
Konjunkturerholung setzt sich fort - wenn auch mit einer verlangsamten Dynamik
Unternehmen haben die Krise als Effizienzprogramm genutzt und sind bestens präpariert für den Aufschwung
Unternehmensgewinne legen 2010 (kräftig) und 2011 weiter zu
Attraktive Bewertung - auch im Vergleich zu anderen Anlageklassen
Hohe Liquiditätsbestände suchen nach Anlage
Dabei werden die vorwiegend europäischen Titel um Engagements in Schwellenländern und den USA ergänzt. Eine außerordentliche Beachtung im Rahmen der Allokation finden deutsche Exportwerte, die in besonderem Maße vom Aufschwung des Welthandels, insbesondere vom starken Wachstum in den Schwellenländern, sowie von einem deutlich gesunkenen Euro-Wechselkurs profitieren und denen wir vor diesem Hintergrund überdurchschnittliche Kurschancen zubilligen. Ferner sollte auch in der zweiten Jahreshälfte die gezielte Auswahl einzelner Titel (Stockpicking) dem sogenannten Index Tracking überlegen sein.
Das Umfeld für Anleihen dürfte in den kommenden sechs Monaten herausfordernd bleiben, da sich die bonitätsstarken Bundesanleihen weiterhin durch niedrige Renditen und eine extrem hohe Bewertung auszeichnen. Dennoch dürfte die anhaltende Risikoaversion zunächst Unterstützung bieten. Die Aufstellung im Anleihesegment ist vor diesem Hintergrund breit gestreut und umfasst Anleihen bonitätsstarker Emittenten, Pfandbriefe und Unternehmensanleihen. Portfolioergänzungen stellen Engagements in inflationsindexierten Anleihen, Geldmarktpapiere der Schwellenländer sowie höher rentierende europäische Staatsanleihen dar.



