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Interview mit Jochen Intelmann, Chefvolkswirt der Haspa, über Chancen und Risiken des Gold-Investments.

„Es spricht wenig dafür, dass der Goldrausch zu Ende ist“

Wer Gold erwirbt, stellt damit Unternehmen keine Mittel für Innovation, Expansion und Schaffung von Arbeitsplätzen zur Verfügung wie der Aktienkäufer. Er ermöglicht Staaten nicht Ausbau von Infrastruktur und Investition in Bildung, wie es bei der Anlage in Staatsanleihen geschieht. Warum wird überhaupt Gold gekauft?

„Als Wertaufbewahrungsmittel kommt Gold natürlich zum Einsatz – viele Menschen fühlen sich einfach wohl damit, es ist eben etwas Handfestes.“ –Jochen Intelmann

Zuerst einmal wird es als Absicherungsinstrument gegen Krisen aller Art gekauft. Politische Krisen, wirtschaftliche Krisen – es kann um Ängste gehen, wie sie jetzt durch Covid-19 aufgekommen sind. Wir haben genug Krisen in der Welt – der Konflikt USA-China wird zumindest bis zu einem gewissen Grad weiter schwelen, egal, wer US-Präsident wird. Hier in Europa haben wir zwar gerade eine Zerreiß-probe hinter uns gebracht, aber es bleibt der Brexit.Der Kauf von Gold ist in so einem Umfeld geradezu ein Reflex: Alles wird instabiler, riskanter … also kaufe ich mir Gold. Auch als Wertaufbewahrungsmittel kommt Gold natürlich zum Einsatz – und viele Menschen fühlen sich einfach wohl damit, es ist eben etwas Handfestes.Der zweite Grund ist sehr rational, dabei geht es um Diversifikation. Der Goldpreis bewegt sich ja zumeist nicht in dieselbe Richtung wie die Aktienmärkte, auch von Anleihen ist er weitgehend entkoppelt. Und weil es diese Korrelationen, diesen Gleichschritt in den allermeisten Fällen nicht gibt, kann derjenige, der vom Absacken von Aktien- und Anleihekursen ausgeht, eine Portion Gold kaufen – quasi als Stoßdämpfer, wenn es an den Börsen mal rauer zugeht. Fürs Ausbalancieren kann es durchaus eine sinnvolle Sache sein, Gold im Portfolio zu halten, pauschal empfehlen wir eine Dosis von fünf bis zehn Prozent. Den Anteil auf ein Drittel oder gar die Hälfte hochzufahren halten wir dagegen für wenig sinnvoll.

 

Wenn ich Gold horte, bekomme ich keine Dividenden, keine Zinsen, keine Ausschüttungen. Was entgeht mir, wenn ich in Gold investiere?

Sie sprechen die Opportunitätskosten an, ein wichtiger Aspekt. Gold an sich wirft keinerlei Erträge ab, es ist schlichtweg ein Metall. Auf der anderen Seite sind die Zinsen auf Sparguthaben oder Tagesgeldkonten, soweit es sie noch gibt, derzeit zu vernachlässigen – mit Gold stehe ich also in dieser Hinsicht kaum schlechter da. Beim Blick auf die Aktienmärkte sehen wir, dass Dividenden infolge der Pandemie stark gekürzt wurden oder sogar ausgefallen sind – auch hier ist der Abstrich, den man aktuell bei Gold machen muss, geschrumpft. Und Staatsanleihen? Wenn es um erstklassige Schuldner wie die Bundesrepublik geht, liegen da die Zinsen bei oder gar unter Null. Kurz gesagt: Die Opportunitätskosten des Goldbesitzes sind dramatisch abgesunken, und durch das Kaufen dieses Metalls, das nichts abwirft, verzichte ich auf wenig oder nichts.

 

Dass mir kaum etwas an laufenden Erträgen entgeht, wenn ich Gold kaufe, ist eine Sache. Eine andere ist die Frage: Wann stößt der Goldpreis an die Decke? In den vergangenen Monaten haben wir geradezu einen Goldrausch mit entsprechendem Preisanstieg erlebt. Aber folgt nicht auf jeden Rausch der Katzenjammer?

Der Anstieg des Goldpreises hängt derzeit maßgeblich vom Zinsumfeld ab. Sehen wir uns die aufsteigende Kurve des Goldpreises an, erkennen wir, dass sie gegenläufig zur fallenden Kurve der amerikanischen Realverzinsung ist. Bei letztgenannter fällt die Rendite unter Berücksichtigung der Inflation deutlich negativ aus. Im Umkehrschluss dürfte ein erneutes Ansteigen der Realverzinsung in den USA und auch bei uns in Europa zu einem Absinken des Goldpreises führen. Wenn die Renditen wieder steigen und auch Staatsanleihen guter Bonität etwas abwerfen, dann dürfte die Gold-Rally vorüber sein. Das dürfte aber unserer Einschätzung nach in den nächsten Jahren kaum passieren – dafür werden die Notenbanken sorgen, mit Leitzinssätzen nahe Null und weiterhin massivem Aufkaufen von Staatsanleihen, was deren Renditen nach wie vor drücken wird.

Selbst die Corona-Krise kann dem Goldpreis nichts anhaben, weil die Notenbanken die Marktgesetze weitestgehend aushebeln.

 

Eigentlich müssten die Renditen von lang laufenden Staatsanleihen ja jetzt gerade deutlich steigen, schließlich verschulden sich die Staaten wegen der Corona-Krise heftig.

Nur dass die Marktgesetze derzeit weitgehend ausgehebelt werden, weil die Notenbanken die Renditen „runterkaufen“. Und wir gehen nicht davon aus, dass sich daran in absehbarer Zeit etwas ändert. Das bedeutet, dass der Goldpreis in Hinblick auf diesen Faktor nicht gefährdet ist.


Und Gefährdungen aus anderen Richtungen?

Falls große neue Goldvorkommen entdeckt werden sollten, könnte der Preis natürlich unter Druck kommen – aber das ist sehr unwahrscheinlich. Es kommen tatsächlich jährlich nur knapp 3500 Tonnen Gold aus weltweiter Förderung dazu, und die werden problemlos durch Schmuckproduktion, industriellen Bedarf und Aufkäufe durch Notenbanken absorbiert.

 

Eine weitere Preisbremse …

… könnte ein staatliches Verbot von privatem Goldbesitz sein. Wir setzen immer in großer Selbstverständlichkeit voraus, dass dieses Vorrecht unantastbar ist, aber die Geschichte lehrt etwas anderes. In China wurde beispielsweise erst 1983 wieder der Erwerb von Gold erlaubt. Von 1933 bis 1973 war der Besitz von Gold in den USA nur gestattet, wenn es sich um Schmuck oder Münzsammlungen handelte – bis zu einer Obergrenze des Wertes von 100 US-Dollar im Jahr 1933. Noch 1973 war in mehr als 120 Staaten weltweit der private Goldbesitz verboten oder nur eingeschränkt erlaubt. Ich gehe keineswegs davon aus, dass wir von solchen Restriktionen betroffen sein werden, aber als theoretische Möglichkeit möchte ich es erwähnen.

Noch bis 1973 war der Goldbesitz in den USA stark eingeschränkt: Nur Münzen und Schmuck waren von den Restriktionen ausgenommen.

 

Sie machen sich keine Sorgen, sehen die Gold-Rally erst einmal intakt?

Im aktuellen Niedrigst-Zinsumfeld, das uns noch einige Zeitlang beschert werden wird, und auch angesichts der Schwäche des US-Dollar spricht wenig dafür, dass der Goldrausch zu Ende ist. Im Gegenteil, er dürfte sich noch weiter fortsetzen. Bleibt die Frage: Wie hoch kann der Goldpreis steigen? Es kursieren da teilweise völlig absurde Prognosen, die ich hier nicht einmal nennen möchte. Wir jedenfalls gehen davon aus, dass wir zum Ende des Jahres 2020 eine Goldnotierung oberhalb von 2000 US-Dollar pro Feinunze sehen werden.

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