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Interview mit der Fondsmanagerin des Hamburger Nachhaltigkeitsfonds Tina Hecking: Nachhaltigkeit ist ein wichtiger Indikator für solides Management.

Nachhaltigkeit ist in aller Munde, auch wenn es um die Geldanlage geht. Aber was genau bedeutet das? Die Volkswirtin Tina Hecking, früher Analystin und jetzt Fondsmanagerin des Hamburger Nachhaltigkeitsfonds bei der Haspa über nachhaltiges Investieren.

Was bedeutet Nachhaltigkeit im Zusammenhang mit Investments?

Neben den klassischen Größen Rendite, Sicherheit und Liquidität steht beim nachhaltigen Investieren auch die Frage im Raum, welche sonstigen Wirkungen mit der Kapitalanlage verbunden sind. Im Allgemeinen bedeutet es, Kapital so anzulegen, dass negative Effekte vermieden werden oder besonders gewünschte Wirkungen erreicht werden.


Wie wird das gewährleistet?

Da gibt es einen ganzen Instrumentenbaukasten. Ein klassisches Instrument stellen Ausschlusskriterien dar: Man investiert nicht in bestimmte Wirtschaftszweige, etwa Atomkraft, Tabak oder Rüstung. Ein weiteres Instrument ist eine Auswahl nach dem Best-in-Class Ansatz, bei dem dann in die jeweils Branchenbesten investiert wird. Hier erfolgt die Beurteilung auf der Basis von ESG- Kriterien – das bezieht sich auf „Environmental, Social and corporate Governance“, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Mit ihnen kann man bewerten, ob und wie Unternehmen ökologische und sozial-gesellschaftliche Aspekte beachten. Diese drei Faktoren sind zentral bei der Beurteilung von Nachhaltigkeit. Darüber hinaus gibt es weitere Instrumente wie zum Beispiel Impact Investment. Dabei wird das Ziel verfolgt, mit der Kapitalanlage auch Einfluss auf die Unternehmensführung zu nehmen.


Und wer legt die Nachhaltigkeitskriterien fest?

Die Entscheidung darüber, wer besonders nachhaltig ist, treffen Anleger und Institute nicht selber. Dazu gibt es spezialisierte Agenturen, etwa VigeoEiris, Sustainalytics oder auch MSCI ESG Research. In Deutschland sind imug als Kooperationspartner von VigeoEiris oder auch ISS ESG, früher oekom, aktiv. Diese Unternehmen beurteilen die Nachhaltigkeit einzelner Unternehmen oder auch Länder, basierend auf internationalen Normen. Unser Partner Imug bewertet in Kooperation mit VigeoEiris dazu etwa 330 Indikatoren, die letztlich in den sechs Bereichen Menschenrechte, Mitarbeiter, Wirtschaftsethik, Corporate Governance, Umwelt und Gesellschaft zusammengefasst werden. Daraus ergibt sich ein Rating auf einer Skala von 0 bis 100. Das Ergebnis wird schließlich in vier Kategorien eingestuft: schwach (0 - 29 Punkte), begrenzt (30 – 49 Punkte), robust (50 – 59 Punkte), fortgeschritten (ab 60 Punkte). Das Gesamturteil basiert dabei auf den Ratings pro Themenfeld.

 

Wieviel Greenwashing ist bei dieser Anlageform dabei? Anders gefragt: Wie streng sind die Standards?

Um dies zu beurteilen, ist es zunächst erforderlich, das Verständnis der nachhaltigen Kapitalanlage näher zu konkretisieren, da der Begriff „nachhaltig“ an sich sehr weit greift und individuell sehr unterschiedlich interpretiert wird. Das heißt aber nicht, dass es keine Regeln gibt und jeder machen kann, was er will. Sehr hilfreich ist die Interpretation des Begriffs durch die ESG-Faktoren, die eine inhaltliche Beschreibung von Nachhaltigkeit liefern. Dazu kommen klare Definitionen der Ansätze der nachhaltigen Kapitalanlage wie Ausschlusskriterien oder auch Best-in-Class. Insofern werden strenge Standards angelegt. Daneben gibt es wirkungsvolle Instrumente, um Greenwashing zu entlarven.

Ein ganz wichtiger Faktor ist dabei Transparenz. Verantwortungsvolle Investoren stellen öffentlich Informationen darüber bereit, welchen Ansatz sie wählen. Ein Beispiel, wie Transparenz hergestellt wird, ist der Europäische Transparenzkodex, der von Eurosif, dem europäischen Zusammenschluss der nationalen Foren für nachhaltige Geldanlage, gemanagt wird. Es handelt sich dabei um einen umfangreichen Fragenkatalog, der detailliert über die Nachhaltigkeitsaspekte eines Investmentfonds informiert. Auf nationaler Ebene agiert in Deutschland das FNG, das Forum Nachhaltige Geldanlagen. Das ist der Fachverband für nachhaltige Geldanlagen. Darin sind Banken, Versicherungen und Investmentgesellschaften vertreten, aber eben auch NGOs. Das FNG lässt durch eine unabhängige Instanz, die Universität Hamburg, diverse Investmentfonds analysieren und vergibt für qualitativ hochwertige Nachhaltigkeitsfonds das FNG-Siegel, mit dem auch unser Hamburger Nachhaltigkeitsfonds ausgezeichnet ist. So hat Greenwashing keine Chance.

Dennoch begründen laut einer Studie 57 % der Anleger, die keine Nachhaltigkeitskriterien anwenden, ihre Entscheidung mit fehlenden Vorgaben und Richtlinien zu ESG. Wünschen sie sich bessere gesetzliche Regulierungen?

Bessere gesetzliche Regulierungen werden kommen, die brauchen wir uns nicht erst zu wünschen. In der Regel schaffen gesetzliche Festlegungen Klarheit. Basis werden die zehn Maßnahmen des EU-Aktionsplan vom März des letzten Jahres sein, die teilweise schon weit in die Regulierung eingeflossen sind. Was allerdings immer noch fehlt, ist die begriffliche Klärung. Im Aktionsplan der EU ist „Nachhaltigkeit“ vor allem ökologisch definiert. Auch die BAFIN wird in einem Merkblatt „Nachhaltigkeit“ und Maßnahmen zur Umsetzung näher beschreiben.

 

2018 stieg das verwaltete Vermögen von Nachhaltigkeitsfonds in Deutschland in nur einem Jahr um knapp die Hälfte: von 30,1 auf 44,7 Milliarden Euro. Ist nachhaltiges Investieren also mehr als ein Hype?

Anleger setzen sich auf jeden Fall intensiver mit dem Thema auseinander. Zudem wächst die angelegte Summe. 2018 legten unsere Kunden knapp 520 Millionen Euro in nachhaltigen Fonds an. Vor allem institutionelle Anleger steigen in den Markt ein. Das ist schon ein starkes Zeichen. Eines unserer Produkte, der Hamburger Stiftungsfonds, bei dem Ausschlusskriterien zur Anwendung kommen, ist ein gutes Beispiel dafür, dass es kein Hype ist. Seit 2013 lassen wir sein Nachhaltigkeitsprofil durch ISS ESG, früher Oekom, prüfen. Heute ist der Fonds über eine halbe Milliarde Euro schwer und begeht gerade sein zehnjähriges Jubiläum.

Nachhaltige Geldanlagen können eine ebenso hohe Rendite abwerfen, wie konventionelle Anlageprodukte – und sind oft sogar stabiler im Ertrag.

Dazu passt, dass diverse Studien zeigen, dass die meisten Finanzexperten keine Renditeeinbußen durch Nachhaltigkeit sehen.

Warum denn auch? Auch bei nachhaltigen Fonds ist die Rendite ein zentraler Aspekt. Und da steht ein nachhaltiger Fonds einer konventionellen Anlage in nichts nach. Das alte Narrativ, dass Nachhaltigkeit auf Kosten der Rendite geht, ist so am Markt nicht nachzuvollziehen.

Die Explosion auf der Deepwater Horizon im April 2010 hat BP knapp 60 Milliarden Euro gekostet. Der Aktienkurs des Unternehmens fiel in der Folge um gut die Hälfte – und hat sich bis heute nicht vollständig davon erholt. Neben einem Umwelt-GAU war es also auch ein finanzielles Desaster…


Es gibt Studien die klar zeigen, dass Unternehmen, die umweltgerecht und gesellschaftlich verträglich wirtschaften, seltener in eine Pleite rutschen oder ihre Schulden nicht zurückzahlen als der Rest. Nachhaltigkeit ist demnach ein wichtiger Indikator für solides Management. Nachhaltig gemangte Unternehmen haben stärker die Risiken im Blick.

 

Geht es nach dem Willen der EU, dann sollen private Investoren Jahr für Jahr mindestens 180 Milliarden Euro in nachhaltige Investments stecken. Ist das realistisch?

Natürlich ist 180 Milliarden Euro eine riesige Summe. Aber auf diese Höhe belaufen sich Schätzungen der EU-Kommission für den jährlichen Investitionsrückstand, der aufzuholen ist, um die EU-Klima- und Energieziele bis 2030 zu erreichen. Auch hier kommt es natürlich auf die entsprechenden Projekte und Maßnahmen an, die man mit dem Geld finanziert. Ich wiederhole mich da, aber das ist wirklich wichtig: Entscheidend ist, wie man den Begriff „Nachhaltigkeit“ am Ende deutet. Das Wort muss möglicherweise einmal entzaubert werden, damit es klare Richtlinien gibt. Sind die Regeln aber entsprechend gesetzt, ist das möglich.

 

Sind die Finanzmärkte das zentrale Element, um den Klimawandel noch abzuschwächen?

Nun, wenn die Finanzmarkt-Akteure ihr Tun stärker an Nachhaltigkeitsaspekten ausrichten, wird das sicherlich helfen. Bislang liegen rund 400 Milliarden Euro in nachhaltigen Finanzprodukten. Würden tatsächlich 180 Milliarden Euro pro Jahr dazukommen, würden gewaltige Kapitalströme umgelenkt. Dazu sollten weitere ökonomische Mechanismen genutzt werden. Der Preis für CO2, ob zu niedrig oder nicht, ist dabei ein erster Aufschlag. Externe Kosten zu internalisieren ist schließlich ein zentraler ökonomischer Ansatz. Am Ende wird es aber nicht am Angebot scheitern, nachhaltige Anlagen gibt es mittlerweile einige. Die Frage ist, in wie weit Kunden ihr Nachhaltigkeitsverständnis auch in der Kapitalanlage realisieren wollen.

Wo kann ich als Haspa-Kunde denn konkret investieren?

Wir bieten den Hamburger Nachhaltigkeitsfonds – Best in Progress an. Es handelt sich um einen reinen Aktienfonds, dessen Titel nach dem Best in Progress Ansatz ausgewählt werden. Dabei werden diejenigen Unternehmen ausgesucht, die besonders große Fortschritte in ihren Nachhaltigkeitsleistungen erreichen. Es sind nur Unternehmen gelistet, die Mindeststandards nachhaltigen Wirtschaftens erfüllen. Für Anleger, die Kapitalanlage und Nachhaltigkeit verbinden möchte, ist dieser Fonds eine gute Wahl.

 

Wieviel sollte als man Einsteiger denn investieren? Gibt es einen bestimmten Anteil am Portfolio, mit dem man idealerwiese in die Nachhaltigkeit startet?

Da gibt es keine allgemeingültige Empfehlung. Wir empfehlen ein persönliches Gespräch mit dem Berater über die optimale Aufteilung eines Portfolios, in dessen Rahmen auch die Aspekte der Nachhaltigkeit berücksichtigt werden.

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