Hamburgs grüne(re) Dächer
Hamburg soll noch grüner werden und hat deshalb als erste deutsche Großstadt eine Gründachstrategie entwickelt. Insgesamt sollen stadtweit 100 Hektar Dachfläche begrünt werden – das wäre mehr als zweimal „Planten un Blomen“. Um dieses Ziel zu erreichen, erhalten alle Neubauten schon heute möglichst ein grünes Dach. Bei 40 Prozent der seit 2014 errichtete Gebäude sprießt und blüht es bereits. Sobald eine Sanierung ansteht, soll auch bei Bestandsbauten geschaut werden, ob ein grüner Dachgarten möglich ist. Ab 2027, so fordert es das Hamburgische Klimaschutzgesetz, sind 70 Prozent von geeigneten Dachflächen zu begrünen.
Klimaneutral bis 2040
Die Gründachstrategie passt gut zum „Hamburger Zukunftsentscheid“, der ein klimaneutrales Hamburg schon 2040 erreicht sehen will – fünf Jahre früher als ursprünglich geplant. Auf dem Weg zur Klimaneutralität spielen Hamburgs Dächer eine wichtige Rolle. Gründächer halten einen Großteil des Regenwassers zurück und entlasten damit die (ansonsten bei Starkregen überforderte) Kanalisation. Die muss dank der begrünten Dächer nicht ausgebaut werden. Darüber hinaus unterstützen Hamburgs Dächer die Energieversorgung: Bis 2035 sollen auf Dächern angebrachte Solaranlagen bis zu 1,5 Gigawatt Peak an Strom erzeugen – siebenmal so viel wie heute.
Solar war zuerst da
Schon heute kommt Photovoltaik (PV) auf die Hamburger Dächer. Die Pflicht zu Solarpaneelen gilt seit 2023 für Neubauten und seit 2024 für Bestandsbauten: Sobald wesentliche Umbauten oder Sanierungen anstehen, muss bei dieser Gelegenheit auf mindestens 30 Prozent der Dachflächen eine PV-Anlage montiert werden. Zu den Solarpaneelen kommt ab 2027 zusätzlich das Gründach. So entsteht zukünftig das Solargründach. „Diese Kombination ist tatsächlich neu“, sagt Bernd-Ulrich Netz, Amtsleiter in der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA). Netz empfiehlt, beides aufeinander abgestimmt zu planen und umzusetzen.
Bernd-Ulrich Netz, Amtsleiter in der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA)
Solar + Grün = Solargründach
Bei Neubauten sei die Planung von kombinierten Solargründächern kein Problem, sagt Silke Bainbridge Nott, Geschäftsführerin des VNW Hamburg. Der Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmer hadert eher mit den strikten Prozentvorgaben für die Gründächer. „Außer PV-Anlagen wird auch viel Gebäudetechnik auf dem Dach untergebracht, da ist die starre Prozentvorgabe von 70 Prozent Grün auf dem Dach selbst bei Neubauten nicht immer zu erreichen“, sagt Bainbridge Nott, die sich „mehr Flexibilität“ wünscht.
Es ist nicht die einzige Hürde, die die Wohnungsunternehmen umtreibt. Was etwa, wenn die Mieter den preiswerteren Mieterstrom von den Solarpaneelen auf dem Dach gar nicht haben wollen? „Die Netzbetreiber stellen sich quer, wenn wir ihn ins Netz einspeichern wollen“, sagt VNW-Geschäftsführerin Bainbridge Nott. Mal ganz abgesehen davon, dass es mitunter an der Technik zum Netzanschluss hapert.
Bernd-Ulrich Netz, Amtsleiter in der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA)
Mit Gründächern verbessert sich die energetische Leistung der Gebäude. Im Winter geht bis zu zehn Prozent weniger Energie über das Dach verloren, im Sommer schirmt das begrünte Dach die Hitze ab. Die Kosten für die Dachbegrünung würden andernorts eingespart, sagt Netz, etwa durch den Verzicht auf Versickerungsflächen, Rückhaltebecken oder größere Rohren für die Regenentwässerung. „Durch den Rückhalt des Regenwassers zahlen Eigentümer für das Gründach eine 50 Prozent niedrigere Niederschlagswassergebühr.“ Der BUKEA-Amtsleiter weist darauf hin, das Gründächer wertsteigernd für die Immobilie seien. „Außerdem sind Solargründächer gut fürs Image, denn sie machen nachhaltiges Engagement sichtbar.“ sagt Netz.
Solargründächer halten länger …
Die wurzelfeste Dachhaut auf einem Solargründach hält problemlos 40 Jahre, doppelt so lange wie üblich. „Es kann passieren, dass die übliche Dachhaut schneller ausgetauscht werden muss als die PV-Anlage, die darauf steht,“ sagt Hanna Bornholdt. „Dieses Risiko entfällt bei Solargründächern.“ Die BUKEA-Expertin rät dazu, Solargründächer zweimal im Jahr zu warten, damit nicht in Höhe strebende Pappeln und Birken die Paneele verschatten. Ebenso wie Amtsleiter Netz empfiehlt Bornholdt, erfahrene Büros und Fachleute wie etwa die Energielotsen frühzeitig in die Planung zu integrieren, um Synergien zu nutzen und Kosten zu sparen.
… wenn es nicht knirscht
Sonst kann es schon mal knirschen, wenn eine PV-Anlage auf ein Gründach montiert oder umgekehrt ein Gründach um die Solarpaneele herum angelegt wird. „Falls die einzelnen Gewerke nicht richtig miteinander kooperieren, kommt es sowohl zu Effizienzverlusten als auch zu steigenden Kosten“, sagt Carsten Beckmann, Geschäftsführer von ETH Solutions. Um das zu vermeiden, hat sein Unternehmen ein Kompetenzteam aufgebaut. „Wir sind seit zwei Jahren im Austausch mit Spezialisten der verschiedenen Gewerke, weil die Unternehmen der Immobilienwirtschaft nicht mit einem Dutzend, sondern mit exakt einem Partner sprechen wollen“, sagt ETH-Bauleiter Jamsched Masud Bagha. Die Rolle des Ansprechpartners will ETH Solutions einnehmen, von der Analyse über den Betrieb bis zur Wartung.
2026: ein gutes Jahr für Förderung
„Die Wohnungsunternehmen sind dankbar, dass wir sie mit Informationen versorgen“, sagt ETH-Bauleiter Bagha, „doch mit der Umsetzung halten sie sich zurück.“ Dabei drängt die Zeit: Die Gründachverordnung soll zum Jahresbeginn 2027 greifen.
„Damit wird die Verordnung zur Pflicht“, sagt Carina-Natascha Dreyer, Expertin für Fördermittel der Wohnungswirtschaft bei der Haspa. Und was Pflicht ist, wird oft nicht mehr stark gefördert.
Wer bis zum Herbst wartet, bekommt Probleme
Wer die Pflicht zum Solargründach erst einmal ignoriere, weil andere Aufgaben dringlicher erscheinen, könnte in einigen Monaten unerwünschte Probleme bekommen, warnt Haspa-Expertin für Nachhaltigkeit und öffentliche Fördermittel Carina Dreyer: „Sollten die meisten Unternehmen erst im Herbst noch gefördert werden wollen, wird es rein zeitlich eng für die Planung und Beantragung von Fördermitteln.“ Ihr Tipp: Schon jetzt einen Termin mit den Fördermittelexperten und -expertinnen der Haspa abmachen.
Carina Natascha Dreyer, Expertin für Nachhaltigkeit und öffentliche Fördermittel
Fünf Schritte bis zum Solargründach
ETH Solutions geht die Aufgabe, ein Solargründach bei Bestandsbauten möglichst koordiniert, effizient und kostengünstig umzusetzen, in fünf Schritten an:
Der Bestand wird analysiert. Wo sind Solargründächer im Bestand überhaupt möglich? Wann stehen Sanierungen oder andere Dacharbeiten an? Wo rechnet sich die Umsetzung?
Eine Strategie wird entwickelt. Die Analyse gibt klare Vorgaben, wo es Handlungsoptionen oder sogar -verpflichtungen gibt. Diese Erkenntnisse werden in einer Solargründach-Strategie gebündelt.
Die Finanzierbarkeit wird überprüft. Nicht alles, was wünschenswert ist, kann sofort umgesetzt werden. Wohnungsunternehmen müssen die Einrichtung von Solargründächern in ihren Budgets vorsehen.
Der Plan: Was passiert wann? Wo kann mit dem geringsten Aufwand die meiste Wirkung erzielt werden? Wo stehen ohnehin Sanierungen an? Im Plan werden die Aufgaben priorisiert.
Die Umsetzung: Es geht los: Bei den vorbereitenden und Bauarbeiten werden die verschiedenen Gewerke koordiniert, um Zeit und Kosten zu sparen.
Mit der Analyse starten – jetzt
Wird nach Dringlichkeit, Wirksamkeit und Machbarkeit priorisiert, sorgt eine Klimarisikoanalyse für klare Sicht auf Verwundbarkeiten – und wie sie zu beheben sind. Damit legt die Analyse die Grundlage für ein systematisches Management dieser Klimarisiken.
Gemeinsam Richtung Zukunft: Mit den Lösungen der Haspa
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Haben Sie noch weitere Fragen zum Thema? Kein Problem. Wir sind für Sie da.
Unternehmensbereich Unternehmenskunden
Abteilung Nachhaltigkeit, Öffentliche Fördermittel und Leasing
Telefon: +49 40 3578 - 98646
E-Mail: zukunft-gestalten@Haspa.de
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