Erschwingliche Immobilien
„Die Trendwende im Wohnungsmarkt ist da“, sagt Michael Voigtländer, und das spätestens seit Jahresbeginn. Der wichtigste Grund: Mit den Löhnen steigt deutschlandweit auch die Erschwinglichkeit einer eigenen Immobilie. In Hamburg und Berlin, auch das gehört zur Wahrheit, bleibt der Immobilienerwerb allerdings überdurchschnittlich teuer. Viel erschwinglicher werden Immobilien wohl kaum werden, prognostiziert Voigtländer, denn die Bauzinsen würden nie mehr auf das „1,9 Prozent“-Niveau sinken, das sie vor zehn Jahren hatten.
„Metropole im Gespräch“Die Haspa hatte Prof. Dr. Michael Voigtländer, den Leiter des Clusters Internationale Wirtschaftspolitik am Institut der Deutschen Wirtschaft (IW), eingeladen zu ihrem Branchentreff „Metropole im Gespräch“. „Wohnungen finanzieren wir am liebsten“, sagt Haspa-Bereichsleiter Jens-Ole Heitmann. Deshalb war er ebenso gespannt wie die mehr als 150 Gäste aus der Immobilienbranche, wie Experte Voigtländer den aktuellen Zustand und die Aussichten des Wohnungs- und generell des Immobilienmarkts einschätzt. Und der zeigte sich vorsichtig optimistisch – und wäre gern noch optimistischer.
Der Wohnungsbedarf wächst„Wohnungsbau ist eine gesellschaftliche Herausforderung“, sagte Voigtländer bei seinem Vortrag. Gerade in den wachsenden Städten fehle es an Wohnraum. In Hamburg werde nur 62 Prozent des Bedarfs gebaut, in Berlin sogar nur 52 Prozent. „Wenn wir auf die Zahl der Baugenehmigungen schauen, sieht die Zahl sogar noch schlechter aus.“
Bauzinsen fallen nicht
Was also tun? „Jedenfalls nicht auf sinkende Bauzinsen warten“, sagt Korbinian Dress, als Volkswirt bei der Haspa spezialisiert auf Zinsprognosen. Dress geht davon aus, dass das aktuelle Zinsniveau ökonomisch gerechtfertigt ist. Die Gründe für den Anstieg der Zinsen mit mindestens zehnjähriger Laufzeit sind weiterhin gegeben oder haben sich sogar verstärkt: Die europäischen Staaten – insbesondere auch Deutschland – nehmen mehr Schulden auf, um neben der Infrastruktur die Verteidigungsfähigkeit zu verbessern und weiterhin die Energiewende voranzutreiben. Investitionen in Digitalisierung werden weiter notwendig sein, verstärkt auch in Anwendungen für Künstliche Intelligenz. Ebenso investieren viele Unternehmen in neu zu knüpfende Lieferketten, um weniger anfällig für weltpolitische Turbulenzen zu sein. Außerdem führt der demografische Wandel zu einem geringeren Arbeitskräfteangebot, was Löhne weiter steigen lassen dürfte. All dies führt zu höheren Kosten, die über Preissteigerungen an Verbraucher weitergegeben werden.
„Die Inflation ist gekommen, um zu bleiben.“
Korbinian Dress, Senior Economist bei der Hamburger Sparkasse
Baukosten vs. Miete
„Die Inflation kriegen wir in den Griff“, zeigt sich IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer zuversichtlicher. Das größte Problem im Wohnungsbau sieht er bei der Schere zwischen Baukosten und Mieten. Wer heute Wohnungen baut, rechnet mit Baukosten, die pro Quadratmeter eher bei 5000 Euro als bei 4000 Euro liegen. „Um das zu refinanzieren, muss die Miete pro Quadratmeter über 20 Euro liegen“, sagt Voigtländer. Das empfinden die meisten Menschen als zu teuer. Sie orientieren sich an Mietspiegeln, in denen sich die Quadratmeterpreise oft noch im einstelligen Bereich befinden. „Diese Mietspiegel sind komplett unrealistisch“, sagt Voigtländer, „da brauchen wir realitätsnähere Werte.“
Neue Perspektiven für Büros und Einzelhandel?
Büros
Büros werden weiterhin gebraucht, allerdings gibt es eine starke Ausrichtung auf Qualität. Probleme sieht IW-Experte Michael Voigtländer vor allem für Büros am Stadtrand und bei älteren Gebäude. Ein Umbau solcher Büros zu Wohnungen sei allerdings keine Option: „zu teuer“.
Einzelhandel
Sorgen Online-Händler dafür, dass die Innenstädte veröden? IW-Experte Michael Voigtländer gibt Entwarnung: Der Online-Handel wächst nicht mehr, es entwickelt sich eine neue Balance zwischen Online und Offline. Davon profitiere insbesondere der wohnortnahe Einzelhandel.
Überregulierungen stoppen …
Parallel dazu möchte Voigtländer die Baukosten gesenkt wissen. „Unternehmen müssen produktiver werden, um ihre Preise senken zu können“, sagte der IW-Immobilienexperte auf seinem Vortrag. Leider sei die Produktivität seit den 1990er-Jahren nicht gestiegen. Das liegt laut Voigtländer weniger an den Betrieben als an den überregulierenden staatlichen Vorgaben. „Wir sind im Bau qua Regulierung innovationsfeindlich, das verhindert Produktivitätssteigerungen.“
… und auf serielles Bauen setzen
Voigtländer spricht sich für serielles und modulares Bauen aus, um Baukosten zu senken. Ein Blick über die Grenze in die Niederlande zeige, dass bei standardisierten Bauten durchaus Quadratmeterpreise von 2000 Euro möglich sind – in Deutschland ist Bauen mehr als doppelt so teuer. Er hoffe, sagte Voigtländer, dass in solchen Fragen „der Reformwille der neuen Bundesregierung noch kommt“.
Bauen nach dem Lego-Prinzip
Serielles Bauen spart Zeit und Kosten, weil industriell vorgefertigte Module einfach zusammengefügt werden. Gehört dem Bauen nach dem Lego-Prinzip die Zukunft?
Energetisch sanieren
Sichtbar ist dieser Reformwille schon bei energetischen Sanierungen. Sie werden laut Voigtländer „zu einem noch wichtigeren Geschäftsfeld für die Immobilienbranche“. Bei energetischen Sanierungen werden Heizungen auf fossilfreie Energieträger umgestellt. Türen und Fenster werden ausgetauscht, um die Wärme zu halten. Wände, Decken und Dach zu dämmen hilft ebenfalls, Energie und damit Kosten zu sparen. Jährlich wird in Deutschland fast doppelt so viel Geld in energieeffizientere Gebäude gesteckt als in Neubauten, sagte IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer. Wie gesagt: ein lukratives Geschäftsfeld.
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