Prof. Dr. Sebastian Heilmann strahlte Optimismus aus. „Wir erleben aktuell einen deutlichen Aufschwung. Ein Niedergang der deutschen Wirtschaft findet nicht statt“, ist er sicher. Die aktuellen Zahlen aus der Industrie stimmen den renommierten China- und Geoökonomieforscher positiv. Er ist Inhaber des Lehrstuhls für Politik und Wirtschaft Chinas an der Universität Trier sowie Gründungsdirektor des Mercator Institute for China Studies in Berlin. „Chancen liegen vor allem dort, wo neue Wertschöpfung entsteht“, sagt er. Künstliche Intelligenz, Infrastruktur, DeepTech, Verteidigung und Logistik seien wachsende Bereiche. Wie die Unternehmen hierzulande in den Krisen seit 2022 die Lieferketten gerettet hätten, sei fantastisch.
Rund 150 Gäste aus der Immobilienbranche lauschten am 26. August 2026 im GAGA-Club an der Reeperbahn den interessanten Ausführungen Heilmanns. Sein Vortrag fand im Rahmen des Veranstaltungsformats „Metropole im Gespräch“ statt, das die Haspa vor einigen Jahren geschaffen hat. Das jährliche Branchentreffen ist ein Get-together der Immobilienbranche. Neben dem Vortrag eines Experten, der über ein aktuelles Thema referiert, bietet das Event die Möglichkeit für Gespräche und Networking.
Prof. Dr. Sebastian Heilmann Foto: Catrin-Anja Eichinger
Heilmann: „Wir leben mittlerweile auf einem roten Planeten“
Nachdem Jennifer Eiteneyer (Haspa Bereichsvorständin für Private Banking und Immobilienkunden) sowie Jens Ole Heitmann und Birga-Maria Möller (Haspa Bereichsleitung Immobilienkunden) den Abend eröffnet hatten, startete Heilmann zu einem rasanten verbalen Ritt über das hügelige Gelände der geopolitischen Rivalitäten, Chinas Aufstieg und die Konsequenzen für Währungs- und Finanzmärkte. Die rhetorische Frage in der Überschrift seines Vortrags, ob die Welt sich „auf dem Weg ins post-amerikanische Zeitalter“ befinde, beantwortete Heilmann bereits nach wenigen Minuten: „Ja“. Der globale Einfluss der USA nehme rasant ab, ihre „Soft Power“ (Vertrauenswürdigkeit und Ansehen) schrumpfe und an den weltweiten Anleihemärkten sei mit Blick auf die Staatsverschuldung des Landes eine Vertrauenskrise erkennbar. Zwar erwartet Heilmann nicht, dass die Dominanz des US-Dollars auf den Währungs- und Finanzmärkten kurzfristig abgelöst wird, aber im Falle einer akuten US-Finanz- und Schuldenkrise werde Chinas Position weiter gestärkt. Das „Reich der Mitte“ stelle bereits jetzt mehr Waren her als die USA, Japan und Deutschland zusammen, ihr Anteil an der weltweiten Industrieproduktion werde weiter steigen und 2030 bereits rund 40 Prozent betragen: „Wir leben mittlerweile auf einem roten Planeten“, stellte der Referent mit Blick auf Chinas dominierende Flaggenfarbe fest.
Wie sollten Europa und Deutschland auf den ökonomischen Vormarsch Chinas reagieren? „Mit mehr strategischer Autonomie“, antwortete der Trierer Wissenschaftler. Es gelte, den Binnenmarkt und die eigene Industriebasis zu stärken, in Innovation zu investieren und die technologischen Abhängigkeiten zu verringern, zum Beispiel die von US-Konzernen bei der Cloud- und der Satelliten-Technologie. „Wenn wir das nicht schaffen, werden wir demnächst auf dem Zaun sitzen, zuschauen und opportunistisch reagieren müssen“, warnte der Professor. Von einem Handelskrieg gegen China rät er dringend ab: „Den würden wir verlieren.“
Haspa Bereichsvorständin Jennifer Eiteneyer begrüßt die Gäste. Foto: Catrin-Anja Eichinger
Der Immobilienbranche bieten sich neue Chancen
Als zentrale Risiken für die Wirtschaft und auch die Immobilienbranche benennt der angesehene Forscher innenpolitische Unsicherheiten und dauerhaft höhere Zinsen. Insbesondere die für langfristige Finanzierungen wichtigen Anleihemärkte gelte es im Auge zu behalten: „Für Immobilieninvestoren wird die Früherkennung von geoökonomischen Kräfte- und Strukturveränderungen in den kommenden Jahren noch wichtiger werden.“
Aber Heilmann macht auch Mut: Man müsse nur den Kopf heben. Deutschlands Wirtschaft bestehe schließlich nicht nur aus der in einer Strukturkrise befindlichen Automobil- und der kränkelnden Werkzeugmaschinen-Industrie, „sondern sie ist viel breiter und stark diversifiziert“. Der Forscher: „Viele Unternehmen stellen sich zurzeit für das veränderte wirtschaftliche und technologische Umfeld neu auf.“ Es gebe Rekordgewinne und eine Erholung bei Auftragseingängen in der Industrie. Das eröffne auch der Immobilienbranche neue Chancen: E-Commerce-Konzerne benötigten zusätzliche Lagerflächen, Logistik und Infrastruktur würden ausgebaut, es gebe Standorte mit starker Gründungsaktivität, Branchen und Regionen, „die von verstärkter Nachfrage nach deutschem Spezial-Know-how profitieren“.
Prof. Dr. Sebastian Heilmann mit Vorstandssprecher Dr. Harald Vogelsang, Bereichsvorständin Jennifer Eiteneyer sowie Birga-Maria Möller und Jens Ole Heitmann (Bereichsleitung Immobilienkunden) von der Haspa. Foto: Catrin-Anja Eichinger
Immobilien bleiben für die Haspa eine zentrale Assetklasse
Das vierte Get-together der Immobilienbranche bei der Haspa war ein Erfolg: Bis spät am Abend plauderten die Gäste bei lauen Sommertemperaturen auf der Rooftop-Terrasse des GAGA-Clubs angeregt über die Ausführungen des Referenten, die Situation in der Immobilienbranche und aktuelle Entwicklungs- und Bauprojekte. Haspa Bereichsvorständin Jennifer Eiteneyer unterstrich, dass die Hamburger Sparkasse trotz der konjunkturellen Schwäche mit dem bisherigen Geschäftsverlauf im Jahr 2026 „insgesamt zufrieden“ sei. „Die Immobilie bleibt für uns als Haspa eine zentrale Assetklasse“, so Eiteneyer. Und zu Gästen gewandt: „Wir wollen in der Zukunft gemeinsam mit Ihnen wachsen!“
Wir, als Ihre Sparkasse, verwenden Cookies, die unbedingt erforderlich sind, um Ihnen unsere Website zur Verfügung zu stellen. Wenn Sie Ihre Zustimmung erteilen, verwenden wir zusätzliche Cookies, um zum Zwecke der Statistik (z.B. Reichweitenmessung) und des Marketings (wie z.B. Anzeige personalisierter Inhalte) Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website zu verarbeiten. Hierzu erhalten wir teilweise von Google weitere Daten. Weiterhin ordnen wir Besucher über Cookies bestimmten Zielgruppen zu und übermitteln diese für Werbekampagnen an Google. Detaillierte Informationen zu diesen Cookies finden Sie in unserer Erklärung zum Datenschutz. Ihre Zustimmung ist freiwillig und für die Nutzung der Website nicht notwendig. Durch Klick auf „Einstellungen anpassen“, können Sie im Einzelnen bestimmen, welche zusätzlichen Cookies wir auf der Grundlage Ihrer Zustimmung verwenden dürfen. Sie können auch allen zusätzlichen Cookies gleichzeitig zustimmen, indem Sie auf “Zustimmen“ klicken. Sie können Ihre Zustimmung jederzeit über den Link „Cookie-Einstellungen anpassen“ unten auf jeder Seite widerrufen oder Ihre Cookie-Einstellungen dort ändern. Klicken Sie auf „Ablehnen“, werden keine zusätzlichen Cookies gesetzt.