So wird das Handwerk digital und effizienter

So wird das Handwerk digital und effizienter

Alle reden über Bürokratieabbau, drei innovative Hamburger handelten. Zwar können sie nicht den Regelungswust von Gesetzgeber und Behörden reduzieren, aber den Büroaufwand für selbstständige Handwerker:innen.

“Jetzt macht die Büroarbeit Spaß.”

Das Hamburger Unternehmen Plancraft GmbH hat eine leicht zu nutzende Software für Handwerker:innen entwickelt, mit denen Selbstständigen und kleinen Betriebe viel Arbeit und Bürokratie abgenommen wird. Vorteil für die Kundschaft: schnelle Angebote und klare Kommunikation.

Der digitale Co-Worker fürs HandwerkMehr als 20.000 Nutzende in 11 Ländern gibt es inzwischen und die sind voll des Lobes für die Software, die Plancraft für zahlreiche Gewerke anbietet: vom kleinen Malerbetrieb über Zimmereien bis zu Bau- und Generalunternehmen. „Jetzt macht die Büroarbeit Spaß. Dank Erinnerungen und Push-Nachrichten wird auch nichts mehr vergessen“, frohlockt eine Dachdeckerin. Mit der Software werden Angebote, Rechnungen, Arbeitszeitnachweise oder die Planung von Baustellen und Mitarbeitenden in Windeseile erstellt. „Die Software reduziert Verwaltungsaufwand, spart Kosten und ist einfach zu bedienen“, lobt ein Malermeister. Nun arbeitet Plancraft daran, den ersten digitalen Co-Worker fürs Handwerk zu entwickeln – eine KI-gestützte Assistenz, die jeden Mitarbeitenden im Betrieb entlastet. Ob Büro oder Baustelle: Der digitale Co-Worker soll verstehen, mitdenken und Routinearbeit übernehmen – vom Schreiben von Bauberichten bis hin zu Kommunikation und automatisierten Angebotsvorbereitung. Ziel ist es, dass Handwerksbetriebe ihre Energie wieder voll in die eigentliche Arbeit stecken können, während Plancraft sich um die Büroarbeit kümmert.

Das Erfolgsrezept des Unternehmens: Die Anwendung ist bewusst einfach aufgebaut – ohne komplizierte Menüs oder Fachjargon. Damit richtet sich Plancraft nicht an große Baukonzerne, sondern an Betriebe, die bislang oft noch mit Stift und Papier, Excel-Tabellen, Word-Vorlagen und Formularen arbeiten. Durch die intuitive Bedienung können selbst weniger digitalaffine Nutzende schnell produktiv arbeiten. Die Kundschaft profitiert von einer klaren, strukturierten Kommunikation, schnellen Angeboten und zügigen Rechnungen. Darauf wird bei Kleinstunternehmen manchmal lange gewartet, weil den Einzelpersonen die Zeit zum Erstellen fehlt. Das wirkt sich nicht nur negativ auf die Liquidität des kleinen Betriebes aus, sondern nervt auch manche Kund:innen. 

Weniger Büro, mehr Handwerk

Wie kam es eigentlich zu der Idee? Julian Wiedenhaus und Alexander Noll hatten sich beim Studium an der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH) kennengelernt. „Schon damals hatten wir eine Gründungsidee zur Digitalisierung im Bau, aus der wurde aber nichts“, erinnert sich Wiedenhaus. Noll kannte umständliche Büroarbeit und komplizierte Software aus der Zimmerei seines Vaters. Bei seiner Ausbildung zum Softwareentwickler lernte der Bauingenieur und Energieexperte den IT-Spezialisten Richard Keil kennen. Das Trio mit der Mission „Weniger Büro, mehr Handwerk“ hatte sich gefunden.

Viele Handwerker, besonders Einzelunternehmer und Inhaber kleiner Betriebe, arbeiten fünf Tage die Woche von früh bis spät auf Baustellen. Samstag schreiben sie Angebote, Sonntag wird sonstiger Bürokram inklusive Stuern erledigt. Das ist nicht nur auf Dauer ungesund, sondern auch nicht gerade eine Perspektive für die Zukunft des Handwerks.

Julian Wiedenhaus, CEO und Gründer von Plancraft

 „Bisher dauerte das Erstellen von Angeboten recht lang. Und das heißt ja nicht, dass dies auch einen Auftrag gibt. Es müssen also einige Angebote geschrieben werden, um einen Auftrag zu bekommen. Das kostet viel Zeit, die nicht auf der Baustelle verbracht wird und deshalb kein Geld einbringt.“ Der Maschinenbauer und Fluggerätemechaniker, der als Projektmanager beim Flugzeugbauer Airbus gearbeitet hatte, wollte zusammen mit seinen Kollegen für Entlastung sorgen – durch gute Planung und Vorbereitung (Plan) fürs Handwerk (Craft), so wurde die Idee für das Projekt geboren. „2019 haben wir unsere Software auf einer Veranstaltung der Handwerkskammer präsentiert und sind mit Handwerkern ins Gespräch gekommen“, erinnert sich Wiedenhaus. Im Februar 2020 gründete das Trio die GmbH. Dabei wurden sie vom Startup-Port der TUHH unterstützt. Der bot ihnen ein erstes Domizil und half beim Antrag für ein einjährigen Exist-Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi). 

Als Bank stand und steht ihnen die Hamburger Sparkasse (Haspa) mit ihrem Startup-Center zur Seite. „Die Plancraft GmbH und ihre Software sind von großem Nutzen fürs Handwerk und so auch für viele unserer Kundinnen und Kunden. Mit ihrer Software trägt sie zur Steigerung von Effizienz und Attraktivität der Branche bei“, sagt Startup-Berater Matthias Hanßmann. „Deshalb sind wir froh und stolz, dass wir seit Beginn an der Seite der Gründer stehen und versuchen zu helfen, wo wir können.“ 

Die drei Plancraft-Gründer (v. li.): Richard Keil, Julian Wiedenhaus und Alexander Noll. Foto: Maria Feck

Von Gründer-Team zur Scale-up-Organisation

Noll (32) kümmert sich Chief Product Officer (CPO) um die App und ihre Weiterentwicklung. IT-Spezialist Keil (41) sorgt mit seinen jahrelangen Erfahrungen dafür, dass die technische Umsetzung klappt. Wiedenhaus (32) ist als Chief Executive Officer (CEO) für die Geschäftsführung und die strategische Weiterentwicklung zuständig. Im Juni 2020 führte die Ottensener Tischlerei Drei21 als erster Handwerksbetrieb die Software ein. „Wir sind bis heute in engem Kontakt“, sagt Wiedenhaus nicht ohne Stolz. Ein Jahr später waren es schon 100 Betriebe und die Software gab es nun auch als App fürs Smartphone und Tablet. Das besondere an Plancraft ist nicht nur die einfache und nutzerfreundliche Bedienung, sondern auch das Geschäftsmodell: Statt hoher Einstiegskosten für den Erwerb einer Lizenz, zu denen dann später noch Kosten für Updates kommen, gibt es ein günstiges Abo-Modell in drei Varianten je nach Bedarf bzw. Betriebsgröße (klein, mittel, groß oder wie es bei Plancraft heißt: Business, Pro und Premium). „Über unsere Webseite können Interessierte die Software kostenlos testen. Wenn sie gefällt, wechseln sie nach Ablauf der Probezeit in das Bezahl-Abo. Wenn nicht, war’s das einfach – also keine Abo-Falle, wie sonst bei manchen Anbietern üblich. Schließlich wollen wir eine überzeugte und zufriedene Kundschaft“, betont der CEO. Er gesteht aber lächelnd ein: „Manche unserer Investoren hätten lieber ein gängiges Lizenzmodell, weil damit schneller mehr Geld zu verdienen ist. Das lehnen wir ab. Wir wollen den Betrieben keine hohen Investitionskosten aufbürden. Das Abo-Modell passt einfach besser zu unserer Klientel.“

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Finanzkraft für die Zukunft des HandwerksLag die Bilanzsumme 2021 noch bei 200.000 Euro, hatte sie sich ein Jahr später bereits mehr als vervierfacht. Ein Jahr später war die Millionen-Grenze bereits deutlich überschritten. Auch die Zahl der Mitarbeitenden wuchs rasant: Allein von Juni 2024 bis Juni 2025 hatte sich die Anzahl von 40 auf 100 mehr als verdoppelt. Im Gespräch berichtet der CEO von weiteren Neueinstellungen: „Dann sind wir bei 130 Leuten.“

2022 gab es für das Unternehmen Zuschüsse aus dem Programm InnoFinTech, mit dem die Hamburgische Investitions- und Förderbank (IFB Hamburg) Startups fördert, die an innovativer Technologie für Finanzdienstleistungen arbeiten. Im selben Jahr ergab eine Finanzierungsrunde 1,9 Millionen Euro. 2024 sammelte Plancraft 12 Millionen Euro von großen Investoren ein, in diesem Jahr waren es noch einmal 38 Millionen Euro. Längst sind nicht nur deutsche Wagniskapitalgebende auf die Hamburger Firma aufmerksam geworden, sondern auch sehr große international tätige, wie z. B. Creandum aus Schweden (die u. a. bei Spotify und Klarna mitfinanziert haben) und Headline Global Growth aus den USA (die u. a. bei der Anlageplattform Raisin und bei der Digitalmarketing-Plattform Semrush beteiligt sind). Sie alle glauben an den langfristigen Erfolg der Digitalisierung im Handwerk – in Deutschland und Europa. Denn auch wenn der weit überwiegende Teil der Beschäftigten in Hamburg sitzt, gibt es längst Mitarbeitende in anderen deutschen Städten sowie in den Niederlanden, in Italien, Frankreich, Österreich und Polen. Der Kurs liegt auf weiterer Expansion. Schließlich sollen noch viel mehr Handwerker:innen in Deutschland und Europa die Büroarbeit erleichtert werden, damit sie sich besser um ihre eigentliche Arbeit kümmern können.

Vertrauenssache: Warum sich Gründer für die Haspa entscheidenDie Hamburger Sparkasse stand den Gründern von Beginn an zur Seite. Warum gingen sie zur Haspa? „Die Haspa ist eine Hamburger Institution und wir sind eine Hamburger Gründung. Das lag also nahe. Bei der Haspa wissen wir, dass Geld sicher und seriös verwahrt wird“, sagt Wiedenhaus. „Und wir schätzen es, bei Bedarf einen persönlichen Ansprechpartner zu haben.“ Aber es war auch klar, dass ihnen keine Bank – auch nicht die Haspa – das extrem große Finanzierungsvolumen zur Verfügung stellen würde, das sie für die schnelle und stetige Expansion benötigen. Schließlich können sie keine Sicherheiten in solchen Dimensionen vorweisen und schreiben noch Verluste. Andererseits sind bei den Größenordnungen an Einlagen von Investoren „für uns auch attraktive Zinsen wichtig, denn da entscheidet selbst eine Nachkommastelle über richtig viel Geld“, wie er erklärt.

 „Wir wachsen Jahr für Jahr: bei Kundinnen und Kunden, beim Umsatz und im Team. Wachstum frisst Kapital. Genau deshalb haben wir starke Investoren an Bord“, betont der CEO. „Die Tatsache, dass es neben deutschen auch internationale Investoren sind, zeigt deutlich den großen Glauben an einen Wandel im europäischen Handwerk – und damit an unsere Mission.“ 

Beziehungsmanagement auf C-LevelWie schafft man es, solche Summen (zuletzt 38 Millionen Euro) in Finanzierungsrunden einzusammeln? Wie kommt man an die Venture-Capital-Investoren? „Das erste Kapital haben wir 2021 über einen Pitch beim Business Angel Netzwerk Elbe-Weser e. V. einsammeln können. Für die Netzwerkarbeit sind wir dem BANEW bis heute dankbar“, sagt Wiedenhaus. Kontakte knüpfen, Netzwerke aufbauen und pflegen sei ein ganz wichtiger Teil der Arbeit als Gründer und CEO. „Unternehmen, die Jahr für Jahr starkes Wachstum zeigen können, bauen über die Zeit Kontakte auch mit internationalen Wagniskapitalgebern auf“, erläutert er. Deshalb führe er auch weiterhin regelmäßig Gespräche mit potenziellen Investoren.

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Haben Sie noch Fragen zum Thema? Kein Problem. Wir sind für Sie da.

Mieke Lindner

Leiterin der Haspa-Abteilung Nachhaltigkeit und öffentliche Fördermittel

Telefon: +49 40 3578 - 98646
E-Mail: mieke.lindner@haspa.de

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