Finanzierung für den Erfolg

Spieler und Gewinner

Computerspieler rund um den Globus schätzen die Headsets, Mäuse und Tastaturen der Hamburger Firma Roccat. Unternehmensgründer René Korte setzt bei seinem Wachstumskurs auf die Hamburger Sparkasse.

Unternehmensgründer René Korte

Wenn Kunden zu Fans werden und der Unternehmer wie ein Popstar gefeiert wird, hat er alles richtig gemacht. Fast schon beängstigend findet René Korte diese Verehrung, etwa wenn Fans sich sein Firmenlogo – ein stilisierter Tigerkopf mit scharfen Zähnen – tätowieren lassen oder wenn ganze Familien bei Geburtstagsfeiern vor Tigerkopf-Torten sitzen. Bilder wie diese aus der sozialen Medienwelt sieht der 42-jährige jeden Morgen als Tweets und Posts auf dem großen Fernseher im Foyer seines Unternehmens auf dem Gelände des ehemaligen Gaswerks Bahrenfeld.

Profi-Gamer der ersten Stunde

Korte zählte vor 20 Jahren zu den ersten Profi-Gamern hierzulande. Damit finanzierte sich der gebürtige Westfale sein Wirtschaftsinformatik-Studium. Zum Computerspielen kam er zufällig: Als er einen Studienfreund zu Hause besuchte, hatte dieser keine Zeit, weil er gerade mit Kai spielte, doch Kai saß an einem anderen Ort. Korte war so fasziniert von der Idee, mit Menschen rund um den Globus online spielen zu können, dass er sich umgehend die notwendige Ausstattung fürs Zocken kaufte. Die Prinzipien aus dem Sport konnte der ehemalige Leistungssportler auf das Computerspiel übertragen. "So waren wir relativ schnell eines der besten Teams in der Welt", erinnert er sich. Er spricht schnell und ist sehr fokussiert – zweifellos geschult durch die jahrelangen Strategiespiele.

Computerspiele sind heute ein milliardenschwerer Markt für Soft- und Hardwarekonzerne wie Microsoft, Razer oder Logitech. Gamer spielen nicht nur virtuell mit- und gegeneinander, sondern treffen sich auch in der realen Welt zu Profi-Turnieren. Die Stars der Szene verdienen Millionen Euro. Über Sieg oder Niederlage entscheidet nicht nur ihr strategisches Können, sondern auch die Präzision, Schnelligkeit und Qualität der Hardware wie Maus und Tastatur. Auf deren Entwicklung hat sich René Korte mit seiner Firma Roccat seit 2007 spezialisiert und kann sich mit seinen rund 110 Mitarbeitern erfolgreich gegen die Großen der Branche behaupten.

In über 80 Ländern präsent

Roccat ist in über 80 Ländern über Distributoren und Partner präsent. Die Kernmärkte sind Deutschland, Vereinigtes Königreich, Frankreich, Skandinavien, Spanien, Nordamerika, Kanada und China. Der Umsatz stieg in den letzten Jahren zwischen 20 und 40 Prozent pro Jahr, in diesem Jahr wird er die 27 Millionen Euro knacken. Da sei noch viel Luft nach oben, sagt Korte, "als eingefleischte Gamer wollen die Gegenspieler natürlich besiegen und ihnen mit neuen Ideen und Produkten immer einen Schritt voraus sein", verrät der Roccat-Gründer. Seinen Erfolg sieht er auch im gelungenen Markenaufbau. "Das Markenversprechen, und das Versprechen dann auch einzuhalten, ist ganz wesentlich." Das fing schon bei der Namensauswahl an, der sollte wild und aggressiv klingen. "Roccat klingt wie Rakete, oder rocken und hat eine Katze – unser Logo – drin", sagt er.

Die Prototypen werden in Hamburg entwickelt und in Taiwan produziert. Die Kreativen tüfteln an Headsets, individuell anpassbaren Mäusen und besseren Tastaturen, denn jeder Spieler hat seine eigene Anordnung von Tasten und Knöpfen. Erfolgreiche Produkte werden schnell kopiert, so auch die aus der Roccat-Schmiede. "Man kann alles kopieren, aber nicht uns selbst", gibt sich Korte gelassen. Daher setzt er auf Transparenz und Authentizität und gewährt seinen Fans und Kunden Einblick ins Unternehmen. Dafür arbeitet er mit YouTube-Stars und Bloggern zusammen. Profi-Gamer treten für das Unternehmen auf internationalen Turnieren an, die von zehntausenden Zuschauern rund um den Globus verfolgt werden.

Hamburger Gründerpreis 2016

In diesem Jahr zählt Roccat zu den Finalisten des Deutschen Gründerpreises und hat gerade den Hamburger Gründerpreis in der Kategorie "Aufsteiger" gewonnen. Seit sechs Jahren betreut Dr. Ina Licari von der Haspa am Adolphsplatz das erfolgreiche Unternehmen. "Es ist schon beeindruckend, wie sich ein Startup gegen große Konzerne mit ihrer ganzen Marketingmacht durchsetzen konnte", sagt sie anerkennend. René Korte schätzt nicht nur die kurzen Wege zu seiner Haspa: "Eine gute Bankerin muss in der Lage sein, das Business-Modell und die Prozesse zu verstehen, um zu erkennen, welches Potenzial das Geschäftsmodell hat", ist er zufrieden. Für die Zukunft hat er noch viele Pläne. Genaueres will er nicht verraten, nur so viel, dass das Unternehmen internationaler werden soll. Seine Kundenbetreuerin freut sich jedenfalls schon auf die neuen Aufgaben. "Wir haben vielfältige Möglichkeiten der Zusammenarbeit", sagt sie, "etwa im internationalen Zahlungsverkehr oder im Bereich der Außenhandelsfinanzierung."