Mipim in Cannes:

"Euphoriker sind in der Minderheit"

Die Elbphilharmonie ist Hamburgs spektakulärstes Stadtentwicklungsprojekt und war deshalb auf der Immobilienmesse Mipim vom 15. bis 18. März das Vorzeigeprojekt.

Neuer Inhalt

Die geschäftlichen Gespräche drehten sich in der mondänen Atmosphäre des südfranzösischen Cannes jedoch darum, wo das viele internationale Kapital nachhaltig ertragreich und sicher angelegt werden kann. Mit Deutschland hat Hamburg hier aktuell eine hohe Reputation.

Während nach der Expo Real in München jährlich der Arbeitscharakter dieser deutschen Immobilienmesse betont wird – trotz Oktoberfest zuvor und Astra am Hamburger Stand nach 17 Uhr –, verdankt die Mipim in Cannes ihre internationale Resonanz ohne jeden Zweifel dem Flanieren auf der Croisette, den Champagner-Empfängen auf 100-m-Yachten im Alten Hafen und den angenehmen Frühlingstemperaturen an den Gestaden der französischen Mittelmeerküste.

Kann man die Elbphilharmonie kaufen?
Doch wenn sich die Augen sattgesehen haben an bunten Bildern von repräsentativen Einkaufszentren in Istanbul, Modellen von kilometerhohen Wolkenkratzern in Dubai und Visualisierungen der Shopping Mall "Wave in the desert" in Kairo, dann sind die Gespräche ganz schnell wieder bei grundsätzlichen Fragen – ähnlich denen im Oktober in München: Wann kommt die Zinswende? Wo gibt es mehr Rendite bei nur wenig mehr Risiko? Wo sind die Hidden Champions, die wirklich noch keiner kennt? Welches Immobiliensegment wurde noch nicht als Asset-Klasse identifiziert? Kann man die Elbphilharmonie kaufen?
Ja, auch Hamburg ist jährlich in Cannes präsent. In diesem Jahr ganz vorn mit der Elbphilharmonie, die zur Mipim 2017 bereits unter Volllast läuft.
Das Motto des diesjährigen Auftritts "Mehr Stadt an neuen Orten" bezog sich jedoch auf die Pläne zur Stadterweiterung im Hamburger Osten. Wie auf der Mipim zu hören war, werden aktuell u. a. Pläne für Gartenstädte des 21. Jahrhunderts entwickelt, deren Angebot sich im Besonderen an mittelständische Haushalte richten soll. Ebenfalls im Hamburger Osten soll das Industriegebiet Billbrook revitalisiert werden, um hier durch Profilierung und bessere stadträumliche Qualitäten mit modernen Unternehmen eine höhere Wertschöpfung zu erreichen.

"Wer Geschäft machen will, muss vom Ideal abweichen"
Die mit der Präsenz auf der Mipim gewünschte höhere Internationalität auf dem Hamburger Immobilienmarkt wurde im vergangenen Jahr erreicht. Ausländische Investoren kauften für 2,37 Mrd. Euro Hamburger Immobilien – 56 % des Umsatzes. Mit Deutschland steht auch Hamburg bei internationalen Anlegern ganz vorne auf der Liste. Der Wettbewerb um deutsche Immobilien führt zu steigenden Preisen und sinkenden Renditen.
"Ich habe keine Super-Party-Euphorie wahrgenommen", erklärt Wilfried Jastrembski, für die Haspa ebenfalls in Cannes. Und das habe nicht nur am diesjährig ausnahmsweise nasskalten Wetter gelegen. "Es gibt eine hinreichende Achtsamkeit bei den Investoren. Alle betonen: Wir wollen die Fehler nicht wiederholen. Euphoriker sind in der Minderheit, Profis in der Mehrheit." Allerdings: Es sei weiter sehr viel Kapital vorhanden und der Anlagedruck sehr groß. "Wer Geschäft machen will, muss vom Ideal abweichen, um Geschäft machen zu können."

Hausse hält an
Kontrovers wurde auf der Mipim diskutiert, dass viele Investoren ihr Glück und mehr Rendite inzwischen in B- und C-Städten suchen. "Wir empfehlen B-Städte durchaus, allerdings nur für den langfristig denkenden Investor."
Mit Blick auf den Status Deutschlands am internationalen Immobilienmarkt, die aktuelle europäische Zinspolitik mit der Folge einer weiter hohen Liquidität, die niedrige Arbeitslosigkeit und die wirtschaftliche Stabilität in Deutschland ist für Jastrembski aktuell keine unmittelbare Gefahr für die Fortdauer der Hausse am deutschen Immobilienmarkt erkennbar.