Trump ist Präsident. Was nun?

Interview mit Wilfried Jastrembski

Trump kommt nach Hamburg! Spätestens am 7. Juli 2017 wird der neue US-Präsident im Rahmen des G20-Treffen in der Hansestadt erwartet. Bis dahin wird die Welt besser wissen, wohin die Reise mit dem populistischen Immobilientycoon gehen wird.

Trump Building

Wilfried Jastrembski merkt kritisch an, dass die positive Reaktion der US-Börse Ausdruck für die aktuelle Neigung der Märkte sei, potenziell problematische Ereignisse positiv zu deuten.

Herr Jastrembski, Donald Trump wird am 20. Januar 2017 zum Präsidenten der USA ernannt – und die amerikanische Wirtschaft reagiert mit Euphorie. Im Wahlkampf hatten die Unternehmer sich deutlich trumpkritisch geäußert.


Jastrembski: Wir kennen das vom Brexit. Zuvor beschriebene und befürchtete drastische Auswirkungen ändern sich überraschend in eine neutrale bis positive Bewertung.

Die Wahl von Trump spielt für die wirtschaftliche Entwicklung keine Rolle?
Früher hat der Schwarze-Schwan-Effekt etwas ausgelöst. Heute reagiert die Wirtschaft auf schwarze Schwäne kaum noch. Positiv daran ist die Gelassenheit. Negativ, dass wir aufgehört haben, uns Gedanken zu machen, wie die Dinge zusammenhängen und glauben, es geht so weiter. Um das zu belegen, bemüht man einfache Bilder. Trump ist Businessman: Also wird er alles tun, damit die Wirtschaft wächst. Und er ist Immobilientycoon: Also wird er nichts tun, was dem Immobilienmarkt schadet – im Gegenteil. Man kann sich schon mal fragen, was eigentlich passiert, wenn lange Zeit nichts Außergewöhnliches passiert.

Was ist mit seiner zentralen außen-, aber auch wirtschaftspolitischen Botschaft: America first?
Das kann für uns teuer werden. Wenn sich die USA z.B. nicht mehr im bisherigen Maße für die NATO engagiert, kann das mittelfristig für Europa heißen, staatliche Investitionen umschichten zu müssen – mehr in Sicherheit z.B. und weniger in Infrastruktur. Die Diskussion um die Anhebung des Wehretats hat bereits begonnen.

Das wären dramatische Konsequenzen.
Im Moment ist überhaupt nicht absehbar, welche Schwerpunkte Trumps Regierung tatsächlich setzen wird. Aktuell suchen die Menschen nach Anhaltspunkten, dass es nicht so schlimm wird: Die Antrittsrede, der Besuch bei Obama und die Hoffnung auf die Vernunft in der republikanischen Partei.

Wie ist diese Wahrnehmungswende erklärbar?
Gerade noch dachten viele, Trump sei psychisch instabil. Jetzt entsteht sogar Euphorie. Jetzt holt man sich die Aussagen, die man glauben will. Es gibt ein Allzeithoch beim Dow Jones, nur weil sich eine rechtspolitische Kraft durchgesetzt hat. Dafür fehlt jede Legitimation. Aber es gibt eine Story – staatliches Investitionsprogramm und Steuersenkungen – und die Menschen kaufen. Wir sind dort angekommen, aus schwarzen Schwänen was Schönes zu machen.

Was, wenn er seine protektionistischen Versprechungen wahrmacht?
Wenn Trump sich mit China anlegt, wird das einen Tsunami für die Weltwirtschaft geben. Zudem ist China größter Gläubiger der USA. Aber tatsächlich können und wollen sich die meisten Investoren nicht vorstellen, dass Trump wirklich versucht, die Globalisierung zurückzudrehen. Sollte er es doch anpacken, werden es am Ende auch die USA selber spüren. Für Deutschland ist die USA seit 2014 der größte Handelspartner. Im vergangenen Jahr lag das Handelsvolumen bei 173 Mrd. Euro – vor Frankreich (170 Mrd. Euro), den Niederlanden (168 Mrd. Euro) und China (163 Mrd. Euro). Für Hamburg – etwa mit Produkten aus Maschinenbau oder Elektrotechnik – selbst sind die USA weltweit der fünfwichtigste Handelspartner. Und natürlich ist Hamburg Deutschlands größter Hafen.

Welche Folgen sehen Sie für den deutschen und den Hamburger Immobilienmarkt?
Sollte Trump den großen amerikanischen institutionellen Investoren und Versicherungen Druck machen, ihr Geld in den USA anzulegen, hat das natürlich Auswirkungen auf die Preise. Mit der Erwartung steigender Preise in den USA werden auch internationale Anleger ihre Investitionen umschichten. Mit Blick auf die in Aussicht gestellten staatlichen Investitionen bei gleichzeitigen Steuersenkungen ist bereits jetzt – ganz ohne Zwang – ein Zuwachs bei den Investitionen internationaler Kapitalsammelstellen in den USA zu beobachten. Das ist auch die größte Gefahr für den deutschen Immobilienmarkt. In Hamburg haben wir aktuell zwar nur 30% internationale Käufer, aber in Berlin oder Frankfurt sind es über 50%.

Ist das schon ein Trend?
Schwer zu sagen. Andere Investoren überlegen, mit Blick auf die Risiken der schwer zu kalkulierenden Regierungspolitik, ihr Kapital außerhalb der USA anzulegen – und hier steht Deutschland als sicherer Hafen ganz weit vorn, wie eine Anfang November – vor der US-Wahl – veröffentlichte PwC-Studie belegt. Grundsätzlich ist natürlich für den deutschen Immobilienmarkt die durch die US-Politik beeinflusste Weltwirtschaft ausschlaggebend – und damit die Entwicklung der deutschen Wirtschaft.

Trump will staatliche Investitionen anheben und gleichzeitig Steuern senken?
Die These ist, dass die anziehende und dann florierende Wirtschaft samt ausgabefreudiger, weil beschäftigter und entlohnter Verbraucher in der Summe zu höheren Steuereinnahmen führt. Allerdings ist mir kein Beispiel bekannt, wo das schon mal nachhaltig funktioniert hätte. Tatsächlich steigt die Verschuldung der öffentlichen Hand. Allerdings ist nicht zu erwarten, dass den USA in den nächsten vier Jahren eine Insolvenz droht, wie 2011 und 2013, als sich das republikanisch regierte Repräsentantenhaus temporär weigerte, die Verschuldungsgrenze für den Haushalt von Barack Obama anzuheben. Repräsentantenhaus und Senat sind aktuell republikanisch regiert.