Experteninterview

Interview zur Niedrigzinsphase

Rentenexperte Professor Dr. Bernd Raffelhüschen im Gespräch

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Rentenexperte Professor Dr. Bernd Raffelhüschen: "Aktiv um die eigene Zukunft kümmern."

Raffelhüschen: "Bis 2024 werden in Deutschland 3,1 Billionen Euro vererbt. Das entspricht etwa 30 Prozent des Gesamtvermögens aller privaten Haushalte, so eine Analyse des Deutschen Instituts für Altersvorsorge. Doch die Erbschaften sind sehr ungleich verteilt und durch die steigenden Pflegekosten werden die vererbbaren Vermögen stark schrumpfen."

Interview

Redaktion: Was können wir von der staatlichen Rente künftig erwarten?

Raffelhüschen: Die staatliche Rente schützt zwar vor Altersarmut, das ist aber in Anbetracht des demografischen Wandels schon alles. Eine zusätzliche private- und/oder betriebliche Vorsorge bleibt damit unabdingbar. Die Frage heute ist nicht ob, sondern vor allem wie man vorsorgt.

 

Redaktion: Wir erleben ein historisches Zinstief. Welche Möglichkeiten haben private Vorsorger überhaupt noch?

Raffelhüschen: Die Zinsen sind im Keller und die Rendite auf die meisten Staatsanleihen wird auf absehbare Zeit auf niedrigem Niveau bleiben. Bei Aktien und Immobilien erleben wir aber eine Hochertragsphase, in der durchaus ansehnliche Renditen möglich sind.

Anleger schieben Entscheidungen auf die lange Bank

 

Redaktion: Warum werden diese in Deutschland so wenig ausgeschöpft?

Raffelhüschen: Zum einen fehlt es an Wissen. Viele Anleger sind in dieser Hinsicht immer noch „ökonomische Analphabeten“ und schieben Entscheidungen auf die lange Bank. Zum anderen berichten die Medien vor allem über das aktuelle Marktgeschehen und nur wenig über langfristige Trends, die es zu nutzen gilt.

 

Redaktion: Was können wir von der staatlichen Rente künftig erwarten?

Raffelhüschen: Die staatliche Rente schützt zwar vor Altersarmut, das ist aber in Anbetracht des demografischen Wandels schon alles. Eine zusätzliche private- und/oder betriebliche Vorsorge bleibt damit unabdingbar. Die Frage heute ist nicht ob, sondern vor allem wie man vorsorgt.

 

Redaktion: Wir erleben ein historisches Zinstief. Welche Möglichkeiten haben private Vorsorger überhaupt noch?

Raffelhüschen: Die Zinsen sind im Keller und die Rendite auf die meisten Staatsanleihen wird auf absehbare Zeit auf niedrigem Niveau bleiben. Bei Aktien und Immobilien erleben wir aber eine Hochertragsphase, in der durchaus ansehnliche Renditen möglich sind.

 

Redaktion: Warum werden diese in Deutschland so wenig ausgeschöpft?

Raffelhüschen: Zum einen fehlt es an Wissen. Viele Anleger sind in dieser Hinsicht immer noch „ökonomische Analphabeten“ und schieben Entscheidungen auf die lange Bank. Zum anderen berichten die Medien vor allem über das aktuelle Marktgeschehen und nur wenig über langfristige Trends, die es zu nutzen gilt.

 

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Redaktion: In anderen Ländern wie den USA ist die Aktienquote bei der Altersvorsorge deutlich höher. Was könnte die Politik tun, um den Anteil auch in Deutschland zu erhöhen?

Raffelhüschen: Grundsätzlich sind die staatlich geförderten Vorsorgeinstrumente hierzulande gar nicht so anders. Wir haben aber im Vergleich sehr strenge Vorgaben, was die Zusammensetzung von Vorsorgeprodukten angeht. Mit Blick auf die historischen Entwicklungen auf den Zins- und Aktienmärkten müssten diese Vorgaben dringend angepasst werden.

 

Redaktion: Wie könnte das denn konkret aussehen?

Raffelhüschen: Wir brauchen eine Vorsorgeform, die stärker auf Bevölkerungsgruppen mit niedrigeren Einkommen zugeschnitten ist. Geringverdienern mit geringem Aktien- und Immobilienbesitz fällt es derzeit besonders schwer, eine auskömmliche Rendite ihrer Ersparnisse für das Alter zu erzielen. Hier müssten die regulatorischen Anforderungen im Wertpapiergeschäft stärker an den Anlagezielen und am Anlagehorizont ausgerichtet werden.

 

Redaktion: Höhere Aktienquoten bedeuten aber auch mehr Risiko.

Raffelhüschen: Die Alternative wäre aber eine garantierte negative Realverzinsung der Ersparnisse. Das kann es kaum sein. Aber wer die grundlegenden Regeln berücksichtigt und kontinuierlich in kleinen Raten investiert, kann das Risiko angemessen begrenzen. In Bezug auf die Zukunft wissen wir nur, dass wir nichts wissen. Mit langfristigen, kleinteiligen und diversifizierten Investitionen kann dem am besten begegnet werden.

 

Redaktion: Kontinuierliches Sparen fällt vielen Menschen schwer. Müssen wir uns selbst überlisten und wenn Ja, was ist ein guter Weg?

Raffelhüschen: Niemand will sich permanent mit Vorsorge beschäftigen und sich fragen, ob gerade gespart oder konsumiert werden soll. Die Entscheidung für eine bestimmte Vorsorgestrategie mit definierten Laufzeiten und Zielen ist bereits der wesentliche Schritt. Feste Sparpläne sind dabei ein probates Mittel, um die Komplexität im Griff zu behalten.

 

Die junge Generation muss sich aktiv um ihre Zukunft kümmern.

Redaktion: Was würden Sie Ihren Kindern heute in Sachen private Altersvorsorge raten?

Raffelhüschen: Die junge Generation muss sich aktiv um ihre Zukunft kümmern. Dazu gehört, sich politisch eine Stimme zu verschaffen, Kinder zu bekommen, Zuwanderer zu integrieren und den Lebensstil heute mit den Bedürfnissen von morgen ins Gleichgewicht zu bringen.

 

Redaktion: Sie haben vor einiger Zeit die Rente mit 70 gefordert, um die Rentenkassen zu retten. Wo müsste das Renteneintrittsalter heute liegen?

Raffelhüschen: Das ist eine einfache Rechnung: Pro Generation, also etwa alle 30 Jahre, erhöht sich das durchschnittliche Lebensalter um etwa fünf Jahre. Entsprechend muss sich auch die Lebensarbeitszeit erhöhen. Spätestens 2060 brauchen wir die Rente mit 70, damit sie bezahlbar bleibt. Diese Frage wird in Deutschland leider sehr ideologisch diskutiert. In anderen Ländern betrachtet man das ganz nüchtern.