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May-Day: „Brexit heißt Brexit“

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Aktuelles Interview und Hintergründe zum Brexit mit Chef-Volkswirt Jochen Intelmann

Es soll ein kompletter Brexit werden, also ein vollständiger Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union, dem Binnenmarkt und der Zollunion. In einem Markt mit rund 500 Millionen Menschen  bedeutet dies die Loslösung von sämtlichen europäischen Institutionen und Verträgen. Die britische Premierministerin Theresa May präsentierte in ihrer Grundsatzrede, wie sie sich die weitere Entwicklung vorstellt. Dabei strebt sie grundsätzlich kein Modell an, das bereits von anderen Ländern verwendet wird.

Folgende Punkte sind vorgesehen:

  • Nach dem Brexit möchte May ein umfassendes Freihandelsabkommen sowie ein neues Zollabkommen mit der EU schließen.
  • Die Premierministerin will die Zahl der Einwanderer deutlich begrenzen. Sie sollen nicht wie bisher ohne weiteres in Großbritannien leben und arbeiten dürfen.
  • Der Rechtshoheit des Europäischen Gerichtshofes will sich die britische Regierung nicht länger unterwerfen.
  • Kooperieren will May mit der EU in Zukunft im Kampf gegen Terrorismus.
  • Die britischen Beitragszahlungen zum EU-Haushalt sollen gestoppt werden. May schränkte jedoch ein, es könne "bestimmte EU-Programme" geben, an denen Großbritannien weiter teilnehme.
  • Das britische Parlament soll über das Verhandlungsergebnis mit der EU abstimmen.

Die verbliebenen 27 EU-Staaten stehen vor schwierigen Entscheidungen, es müssen neue Handelsverträge geschlossen werden. In den nächsten Tagen muss das britische Supreme Court darüber entscheiden, ob das britische Parlament an den Brexit Verhandlungen beteiligt werden soll. May sagte in jedem Fall zu, das das Parlament über das Verhandlungsergebnis abstimmen darf. Das wäre dann wahrscheinlich im Frühjahr 2019 der Fall. 

3 Fragen an Chef-Volkswirt Jochen Intelmann:

1) Was bedeutet der Brexit für Europa und vor allem Deutschland?

Politisch gesehen ist der Austritt Großbritanniens aus der EU ein Desaster für die Europäische Union (EU). Für Deutschland ist es insofern ein besonderer Verlust, weil man mit den Briten einen „geistigen Verbündeten“ verliert. Man war sich meist weitgehend einig, wenn es um grundsätzliche Dinge ging. Dies ist mit den südeuropäischen Partnern nicht immer der Fall. Wirtschaftlich gesehen bedeutet der Brexit eine Begrenzung der Nachfrage in allen beteiligten Ländern. Dabei dürfte Großbritannien allerdings deutlich schlechtere Karten haben als die EU. In der Theorie entstehen zwar britische Exportvorteile wegen der Abwertung des Pfundes. In der Praxis dürften diese jedoch wenig bringen, da Großbritannien nun mal keine klassische Exportnation ist.

2) Das Pfund Sterling erholte sich, der Wechselkurs verzeichnete den größten Tagesgewinn seit 3 Jahren – welche Auswirkungen hat dies auf deutsche Anleger?

Das Pfund hat seit dem Brexit-Votum im vergangenen Juni gegenüber dem Euro knapp 14 % verloren. Die jüngste Kurserholung dürfte darauf zurückzuführen sein, dass Großbritannien ein Freihandelsabkommen mit der EU anstrebt. Dies ist grundsätzlich zu begrüßen. Bei den entsprechenden Verhandlungen dürften die Briten jedoch die deutlich schlechtere Verhandlungsposition haben.
Die jüngste Erholung des Pfundes dürfte kaum von Dauer sein. Sobald die britische Regierung den formalen Antrag auf Austritt aus der EU gestellt hat, dürfte das Pfund noch „mehrere Gramm“ verlieren. Der Tiefstand wurde Ende 2008 erreicht, wo fast ein Pfund für einen Euro gezahlt werden musste. Aktuell sind es etwa 87 Pence. Für deutsche Anleger bleiben britische Investments mit einem Währungsrisiko verbunden, dass nur schwerlich durch Kursgewinne überkompensiert werden dürfte.

3) Wie geht es weiter bis Frühjahr 2019, wenn der endgültige Austritt aus der EU vollzogen ist? Wie sind die Auswirkungen auf die deutsch-britischen Handelsbeziehungen?

Zunächst einmal gibt es große Zweifel, ob die beiden Jahre überhaupt ausreichen, um die erforderlichen Verträge zu schließen. Dann ist völlig unklar, wie die Verhandlungen laufen. Die Übergangszeit, also die nächsten beiden Jahre, dürfte daher von einer wachsenden Unsicherheit geprägt werden. Unsicherheit führt meist zu rückläufigen Investitionen und einer Kaufzurückhaltung bei den Konsumenten. Darunter dürfte die britische Wirtschaft bereits in diesem Jahr leiden. Die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts (BIP) wird sich voraussichtlich ungefähr halbieren.
Die deutsch-britischen Handelsbeziehungen werden leiden, das Handelsvolumen sinken. Betroffen sein werden insbesondere zahlreiche mittelständische Unternehmen. Bezogen auf das BIP dürfen sich mögliche Brexit-Schäden in Grenzen halten, weil sich der Außenbeitrag wenig ändert, wenn sowohl Ex- als auch Importe abnehmen. Deutschland könnte letztendlich sogar vom Brexit profitieren, falls Finanzdienstleister aus der Londoner City nach Frankfurt wechseln sollten.

Fazit: Was bedeutet das für die Börse?

  1. Die Grundsatzrede der britischen Premierministerin hat den Markt gestern positiv beeinflusst, da sie die Unsicherheit beseitigte, ob der Brexit tatsächlich vollzogen wird. Mittlerweile dürfte der Brexit in den Kursen enthalten sein.
  2. Es gibt in den von uns empfohlenen global aufgestellten Produkten britische Werte, die wegen der Abwertung des Pfundes vom Brexit profitieren können. Das Wechselkursrisiko sollte dabei berücksichtigt werden.


Hamburger Sparkasse
Private Banking – Kapitalmarktstrategie -
18.01.2017