Pressemeldung

Haspa-Studie: Digitalisierung setzt Handelsplatz Hamburg unter Druck.

Hamburg, 26. Juni 2015 – Die rasant fortschreitende Digitalisierung und -vernetzung der Wirtschaft wird den Handelsplatz Hamburg in den nächsten Jahren gravierend verändern.

  • Großhandel droht Stellenabbau.
  • Einzelhandel kann durch E-Commerce profitieren.
  • Gute Aussichten für die Versandlogistik.

Während der Einzelhandel gute Chancen hat, gestärkt aus dem Strukturwandel hervorzugehen, drohen dem Großhandel harte Einschnitte. Gewinner ist die Versandlogistik, die aber ebenfalls vor großen Herausforderungen steht. Dies ist ein Ergebnis der aktuellen Studie "Handel 4.0 – Auswirkungen der Digitalisierung auf Handel und Versandlogistik in Hamburg", die das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) im Auftrag der Hamburger Sparkasse (Haspa) erstellt hat.

"Wir beobachten seit Jahren, wie der Online-Handel dem stationären Handel zusetzt", so Andreas Mansfeld, Direktor Unternehmenskunden bei der Hamburger Sparkasse. "Nun aber erreicht die digitale Transformation eine neue Phase. Die Vernetzung von Produzent, Verbraucher und Produkt stellt ganze Handelsstufen auf den Prüfstand. Die Studie zeigt aber auch, dass der Handelsplatz Hamburg gut aufgestellt ist, um mit neuen Multikanalangeboten Umsätze und Arbeitsplätze in der Region zu halten."

"Ein Großteil der 76.000 Arbeitsplätze im Hamburger Groß- und Einzelhandel müssen sich im Tätigkeitsprofil deutlich verändern", so HWWI-Chef Christian Growitsch. "Durch die digitale Transformation entstehen zwar durchaus neue Jobs. Bei vielen besteht aber auch ein signifikantes Risiko, durch digitale Technologien ganz ersetzt zu werden." In Summe werde die Zahl der Arbeitsplätze im Handel zugunsten der Logistik zurückgehen.

Aderlass in Hamburgs Großhandel
Die deutlichsten Spuren hinterlässt der Strukturwandel im Großhandel. Dabei ist Hamburg mit seinen über 8.000 Betrieben und 55.000 Beschäftigten besonders stark betroffen. Zwischen 2008 und 2013 gingen hier bereits über 3.000 Arbeitsplätze verloren. Das entspricht einem Minus von 6,5 Prozent. Bundesweit waren es lediglich 1,1 Prozent. Da der Anteil des Online-Handels im mittelständisch geprägten Großhandel bislang nur eine untergeordnete Rolle spielte – 2012 wurden lediglich 3,5 Prozent des Umsatzes über das Internet abgewickelt – stehen die größten Veränderungen noch bevor. "Der Kampf um Marktanteile im Internet kommt bei Groß- und Zwischenhandel erst jetzt richtig im Schwung", prognostiziert Growitsch. Globale Player wie Ebay und Amazon seien auf dem Sprung, auch den deutschen Markt auch in diesem Segment aufzumischen. Wie im Online-Einzelhandel werde es dabei schnell zu Marktkonzentrationen kommen. Deutsche Großhändler sollten ihre Geschäftsmodelle schnellstmöglich darauf vorbereiten. "Spezialisierte und regional verankerte Multikanal-Anbieter haben gute Chancen, sich auch international gegen die reine Online-Konkurrenz zu behaupten", so Mansfeld.

Einzelhandel kann von neuer Handelsstruktur profitieren
Für den Hamburger Einzelhandel sehen die Autoren gute Chancen, sich auch auf den digitalen Märkten zu behaupten. Dabei kommt ihm zugute, dass sich der stationäre Einzelhandel zunehmend in den Innenstadtlagen von Großstädten konzentriert. Das zeigt sich auch in der Beschäftigung. Die Zahl der im Hamburger Einzelhandel Beschäftigten stieg zwischen 2008 und 2013 um stattliche 13,6 Prozent. Bundeweit waren es nur 7,6 Prozent. Auch zukünftig wird sich die Entwicklung in Hamburg positiv vom Bundestrend abheben, prognostiziert das HWWI. "Hamburg hat eine vergleichsweise hohe Kaufkraft und einen intensiven Einkaufstourismus. Eine gute Ausgangsposition für Digitalisierungsprojekte", so Mansfeld. "Voraussetzung ist eine intelligente Verzahnung der Vertriebskanäle, sowie neue Beratungs-, Service und Mehrwertleistungen in Abgrenzung zu reinen Online-Händlern."

Versandlogistik muss sich anpassen
Ein zentraler Faktor für die Zukunftsfähigkeit des Handels sind innovative Logistikleistungen. Der zunehmende Online-Handel erfordert deutliche Kapazitätserweiterungen und Optimierungen. Seit dem Jahr 2000 wächst der Bereich der Paket-, Kurier- und Expressdienste doppelt so schnell wie die Gesamtwirtschaft. Handel und Logistik müssen künftig noch stärker kooperieren, um die Anforderungen des Multikanalhandels und der Endverbraucher zu erfüllen. Wenn das Problem der "Letzten Meile" nicht schnell gelöst werde, drohen gravierende Verkehrsengpässe.

Die vollständige Studie steht hier zum Download bereit.