Pressemeldung

Haspa Frühjahrsprognose: "Liquiditätsrallye bei Aktien und Anleihen".

Hamburg, 16.5.2013 – Die Analysten der Hamburger Sparkasse sehen die Notenbanken als maßgeblichen "Treiber" der Aktien- und Anleihekurse. Konjunkturell gesehen könnte 2013 zum Übergangsjahr von der Krise zum "Normalmodus" werden.

Deutschland: Die Finanzrepression sorgt für niedrige Zinsen
Deutschland befindet sich nach wie vor fest im Griff der Finanzrepression. Die Renditen öffentlicher Anleihen sind derzeit in fast allen relevanten Laufzeitbereichen niedriger als die Inflationsrate. Die Analysten der Hamburger Sparkasse gehen davon aus, dass die Phase der Finanzrepression noch längere Zeit anhalten dürfte. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA , Großbritannien und Frankreich. Mittlerweile weitet sie sich sogar auf Krisenländer in Südeuropa aus.

Staatsschuldenkrise: Spürbarer Rückgang der Haushaltsdefizite
Im Zuge massiver Sparprogramme sind die Haushaltsdefizite in den meisten Ländern der Euro-Zone spürbar zurückgegangen. Es werden jedoch bisher keine Überschüsse erzielt, sodass weitere Kredite erforderlich sind. Im laufenden Jahr dürfte das gemeinsame Haushaltsdefizit aller 17 Euro-Länder von 3,7 Prozent des BIP auf 2,9 Prozent sinken. Da etwa die Hälfte aller Länder der Euro-Zone auch 2013 noch in der Rezession verharren dürfte, wird die Staatschuldenquote zunächst weiter steigen. Ein Rückgang vor 2015 ist kaum zu erwarten.

Rohstoffe: immer noch im Abwärtstrend
Die Seismographen für die Weltkonjunktur befinden sich preislich seit 2 Jahren in einem Abwärtstrend. Die Rohstoffpreise reagieren nicht auf die expansive Geldpolitik, sondern einzig auf die abgeschwächten wirtschaftlichen Frühindikatoren. Insbesondere eine weltweit abnehmende Nachfrage, vor allem aus China, kann hier als Ursache benannt werden.

Deutschland: bleibt auf moderatem Wachstumspfad, die Verbraucherstimmung ist gut.
Die jüngsten konjunkturellen Frühindikatoren haben Zweifel an der Erwartung eines nachhaltigen Aufschwungs in Deutschland aufkommen lassen. So ist der ifo-Geschäftsklimaindex im April zum zweiten Mal in Folge gesunken. Positive Signale hingegen kommen weiterhin vom GfK Konsumklimaindex. Ursächlich dafür dürfte vor allem die Entwicklung am Arbeitsmarkt sein. Die Konsumnachfrage erhält zudem Impulse durch das niedrige Zinsniveau, das die Sparneigung dämpft und die Bereitschaft zu konsumtiven Ausgaben erhöht. Zusammenfassend kann man sagen, dass Deutschland auf dem moderaten Wachstumspfad bleiben wird. Aufgrund des verhaltenen Jahresauftakts dürfte die Zuwachsrate des BIP allerdings nur bei etwa 0,5 Prozent liegen. Für 2014 rechnen die Forschungsinstitute mit einem ambitionierten Plus von 1,9 Prozent.

USA: Erholung am Arbeitsmarkt und Aufschwung am Wohnimmobilienmarkt
Die USA haben die zum Jahreswechsel drohende "Fiskalklippe" ohne größeren Schaden umschifft. Regierung und Opposition verständigten sich auf einen Kompromiss, wonach die diesjährigen staatlichen Einsparungen von 85 Mrd. US-Dollar flexibel gehandhabt werden.
Pluspunkte der US-Wirtschaft sind der Aufschwung im Wohnimmobilienbereich sowie die Erholung am Arbeitsmarkt. Säule des Wachstums bleibt der private Verbrauch. Für 2013 zeichnet sich insgesamt ein Zuwachs des BIP von knapp 2 Prozent ab.

Euro-Zone: Mitgliedsländer verharren auch 2013 in Rezession
Etwa die Hälfte der Mitgliedsstaaten wird auch in 2013 in der Rezession verharren. Einen maßgeblichen Anteil daran haben die "Statistischen Unterhänge" in Italien (1,0 %), Spanien (0,9 %) und Portugal (2,1 %). Da das BIP zudem in Südeuropa zu Jahresbeginn erneut geschrumpft ist, besteht für die Krisenländer so gut wie keine Chance auf eine positive Jahreswachstumsrate 2013. Unter den 4 großen Ländern der Euro-Zone dürfte in diesem Jahr lediglich Deutschland eine positive Wachstumsrate erzielen. Für die gesamte Euro-Zone prognostizieren die Haspa Analysten minus 0,3 Prozent.

US-Notenbank und EZB: Ein Ende der expansiven Geldpolitik ist nicht in Sicht
Die Europäische Zentralbank verhält sich im Vergleich zu der US-Notenbank und Bank of Japan noch relativ zurückhaltend. Sie erwirbt derzeit keine Staatsanleihen, sondern steuert die Geldmenge über Liquiditätsgeschäfte (Tender). Zudem hält sie den Hauptrefinanzierungssatz mit 0,5 Prozent immer noch über dem Leitzinsniveau in den USA und Japan. In der Annahme, dass die EZB keine weitere Leitzinssenkung vornehmen wird, könnte der 3-Monats-Euribor im weiteren Jahresverlauf eine leicht steigende Tendenz aufweisen.

Geringe Inflationsrate bei 1,5 Prozent
Eine Lohn-Preis-Spirale ist in absehbarer Zeit aus Sicht der Haspa Analysten nicht zu erwarten. Die Inflationsraten werden daher in Deutschland und der Euro-Zone in diesem Jahr voraussichtlich nur noch bei 1,5 Prozent liegen. Sollte sich im nächsten Jahr ein kräftiger Aufschwung einstellen, können die Teuerungsraten wieder über den Zielwert der EZB klettern.

Renditen: unter Druck
Die Renditen werden im Zuge der Finanzrepression von den internationalen Notenbanken unter Druck gehalten. Die 10-jährige Bundesanleihe rentiert derzeit mit 1,35 Prozent in Höhe der deutschen Inflationsrate. Selbst der gewichtete Durchschnitt 10-jähriger Staatsanleihen aus den 6 größten Euro-Ländern liegt nur noch bei 2,45 Prozent. Aus heutiger Sicht kann davon ausgegangen werden, dass die Phase ungewöhnlich niedriger Zinsen noch längere Zeit anhält.  Die 10-jährige Bund-Rendite dürfte sich daher zunächst weiter in ihrem Seitwärtskanal zwischen 1,20 und 1,70 Prozent bewegen. Zum Jahresende sind dann etwas höhere Renditen möglich, falls es im Nachgang zu den Bundestagswahlen zu einer Diskussion über die Einrichtung eines Altschuldentilgungsfonds kommen sollte.

Ölpreis: ermäßigte Entwicklung
Der Ölpreis hat sich nach einem kurzen Höhenflug im Januar wieder deutlich ermäßigt. Er reagiert damit auf das reichliche Angebot an Rohöl sowie die verhaltenen weltweiten Konjunkturerwartungen. Die Haspa Analysten halten an ihrer Prognose fest und rechnen beim Preis für ein Barrel (159 Liter) Nordseeöl Brent am Jahresende mit etwa 105 US-Dollar.

Goldpreis: kräftige Korrektur
Der Goldpreis erlebte Mitte April eine kräftige Korrektur. Angesichts des intakten Umfeldes sollte sich der Preis im Jahresverlauf wieder erholen können.

Aktien: verfügen weiterhin über eine "relative Schönheit"
Aktien verfügen weiterhin über eine ausgesprochen starke "relative Schönheit". Diese besteht darin, dass die Dividendenrenditen im Durchschnitt ein Mehrfaches der Renditen am Anleihemarkt ausmachen. Nachdem der DAX kürzlich die bisherige Rekordnotierung um 8.150 Zähler überwunden hat, sollte er zunächst bis in den mittleren 8.000er Bereich vordringen.

Aktienmarkt: keine Anzeichen von Euphorie, keine Überteuerung
Die niedrigen Renditen bei Anleihen bonitätsstarker Emittenten, die reichliche Versorgung des Marktes mit Notenbankgeld und der erwartete moderate globale Aufschwung stellen ein komfortables Umfeld für Aktienanlagen dar. Trotz der teilweise hohen Indexniveaus erscheinen die Märkte jedoch nicht überteuert. Zudem sind bisher keine Anzeichen von Euphorie erkennbar. Im Gegenteil: Viele Investoren "stehen an der Seitenlinie" und hoffen auf niedrige Einstiegskurse. Trotz Indexständen auf historischen Höchstwerten sprechen sowohl die fundamentalen Rahmendaten als auch die "weichen" Faktoren für eine anhaltend hohe Gewichtung von Aktien.

Anlagestrategie:
Im Rahmen der taktischen Asset Allocation liegt der Aktienanteil in unserem Wachstumsdepot derzeit mit 42,5 Prozent etwas oberhalb der Normalauslastung von 40 Prozent. Unter regionalen Gesichtspunkten haben die Haspa Analysten Deutschland, die Euro-Zone, die USA sowie Schwellenländer berücksichtigt. Neben den marktbreiten Standardwerten sind auch Werte aus der "zweiten Reihe" (mid caps) allokiert. Zudem bieten der japanische Aktienmarkt aufgrund der extrem expansiven Geld- und Fiskalpolitik Japans interessante Trading-Möglichkeiten.

Trotz der abnehmenden politischen Verunsicherung in der Euro-Zone bleiben Fremdwährungsanleihen unverändert interessant. Gleiches gilt für ausgesuchte Unternehmensanleihen sowie Bankschuldverschreibungen. Insgesamt haben die Analysten den Bereich festverzinslicher Anlagen in ihrem Wachstumsdepot mit 40 Prozent deutlich untergewichtet (neutrale Gewichtung: 60 Prozent).

Unter den alternativen Investments wird zusammengefasst, was nicht "rein Aktie" oder "rein Anleihe" ist. Im Bestand sind aktuell Index- und Aktienanleihen. Die "Alternativen" haben ein Depotgewicht von 7,5 Prozent. In der Liquiditätsposition befinden sich derzeit 10 Prozent der Anlagemittel.

Mehr Informationen unter www.privatebanking.haspa.de