Pressemeldung

Haspa Studie

Hamburg nimmt Spitzenposition als „Digitale Stadt“ ein.

  • Große Potenziale durch Verkehrsoptimierung / Staus kosten bis zu 2 % BIP
  • 10 Prozent Energieeinsparung  bei Haushalten durch intelligente Netze möglich
  • Digitales Ideen- und Beschwerdemanagement würde weitere Potenziale heben

Hamburg, 16. Dezember 2015 – Hamburg nimmt bei der Digitalisierung des städtischen Lebens unter den deutschen Metropolen eine Spitzenposition ein. Der Umfang und die Vielfalt der "Smart City"-Aktivitäten ist bundesweit führend. Dies wirkt sich bereits heute sehr positiv auf die Attraktivität und die Wirtschaftsleistung der Region aus. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Hamburg auf dem Weg zur Smart City", die das Hamburgische WeltwirtschaftsInstitut (HWWI) im Auftrag der Haspa erstellt hat. Es gilt allerdings, das Investitionsklima für digitale Projekte weiter zu fördern und eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung sicher zu stellen. Die größten Effekte liegen dabei in den Bereichen Verkehr, Energie und Verwaltung.

"Die Digitalisierung der Lebens- und Arbeitswelt ist heute ein zentraler Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit von Metropolen", so Prof. Dr. Alkis Otto, der am HWWI die Studie erstellt hat. "Wenn Hamburg weiter wachsen will, muss es alles daran setzen, den erfolgreich eingeschlagenen Weg fortzusetzen."

"In Summe gehört Hamburg schon heute zu den am stärksten digitalisierten Städten Deutschlands", unterstreicht Haspa-Vorstandssprecher Dr. Harald Vogelsang. "Damit sollte sich Hamburg aber nicht zufrieden geben. Im Vergleich zu den internationalen Spitzenmetropolen, kann noch viel getan werden. Digitalisierung darf aber kein Selbstzweck sein, sondern sollte sich stets an den Wünschen und Bedürfnissen der Hamburger messen lassen."


Verkehr vermeiden und optimieren
Ballungsräume wie Hamburg können ihre Kapazitäten nicht beliebig erweitern. Das zeigt sich am deutlichsten bei der Mobilität. "Breitere Straßen und U-Bahnen sind hilfreich, aber besser wären weniger und kürzere Wege", so Otto. Digitale Informationsdienste, Verkehrs- und Parkleitsysteme werden zur Entlastung beitragen.  Aber Hamburg benötigt auch Quartiere, in denen das Arbeits- und Privatleben weiter zusammenrückt. Unternehmen sollten Pendlern neben Heimarbeit, auch Bürocenter am Stadtrand anbieten. "Die technischen Grundlagen sind alle da", unterstreicht Otto. Die volkswirtschaftlichen Effekte wären riesig. Würden die Hamburger arbeiten statt zur Rushhour im Stau zu stehen, könnte das Bruttoinlandsprodukt der Stadt um rund 2 Prozent im Jahr höher ausfallen. "Die Zahl von 320.000 Einpendlern ist schon heute hoch und wird weiter steigen, wenn nicht gegengesteuert wird." Auch Luftqualität und Lärmbelastung sind zentrale Faktoren für die Lebensqualität in Metropolen. Da der motorisierte Individualverkehr 70 Prozent der verkehrsbedingten CO2-Emissionen verursacht, ist jeder Schritt in Richtung "Smart Mobility" wichtig, so die Studie.

Einsparpotenziale durch Smart Energy
Neben dem Verkehr ist die Energieproduktion, ihre Verteilung und ihr Verbrauch für wachsende Metropolen ein kritischer Faktor. Hamburg stößt aktuell deutlich mehr CO2 pro Kopf aus als Berlin, Amsterdam oder Kopenhagen. Um das für 2030 selbst gesetzte Ziel einer 50-prozentigen Reduktion gegenüber 1990 zu erreichen, müssen von 2013 bis 2030 jährlich rund 4,5 % eingespart werden. Hierfür sind die Anstrengungen im Klimaschutz zu forcieren. Bei der Wärmedämmung hat die Hamburgische Klimaschutzverordnung bereits einen hohen Standard gesetzt. Mit der Digitalisierung kann nun eine weitere Stufe erreicht werden. Aussichtsreiche Ansätze sieht das HWWI bei der Vernetzung von Verbrauch und Produktion wie sie in vielen "Smart Home"-Technologien angelegt ist. Begleitend dazu sollte eine dezentrale, quartiersnahe, ökologische Energieerzeugung angestrebt werden, die Lastschwankungen ausgleicht und Leitungsverluste reduziert. Feldstudien haben gezeigt, dass Haushalte durch solche "smart grids" den Energieverbrauch um bis 13 Prozent jährlich senken können – im gewerblichen Bereich sogar noch mehr. "In der Smart Energy liegen noch riesige Potenziale, die sich langfristig auf die Lebensqualität in Hamburg auswirken. Eine intelligente Straßenbeleuchtung reduziert beispielsweise nicht nur den Energiebedarf und die Lichtverschmutzung, sondern erfasst im Idealfall auch das Verkehrsaufkommen und erhöht die Verkehrssicherheit", so Otto.

Lokale Wirtschaft und Bürger stärker einbeziehen
Digitale Innovationen benötigen eine breite Akzeptanz. Die Forscher des HWWI empfehlen, die Bevölkerung und die Wirtschaft bestmöglich in die Aktivitäten einzubeziehen. "Die Stadt braucht das technologische Know-how und die Investitionskraft der Unternehmen, um die smarte Infrastruktur bereitzustellen und zu betreiben, darf sich aber nicht von einzelnen Technologien oder wenigen Unternehmen abhängig machen. Ein ordnungspolitischer Rahmen und offen zugängliche Daten sind dabei zentrale Voraussetzungen für Wettbewerb und Effizienz." Jede Metropole muss selbst definieren, was Lebensqualität für sie bedeutet und welche Rolle dabei Technologie spielen soll. Mit dem Transparenzportal, über das Daten und Dokumente der Stadt veröffentlicht werden, und den Online-Diensten der öffentlichen Verwaltung (HamburgGateway) hat Hamburg beispielgebende Grundlagen für mehr Bürgerpartizipation und eine leistungsfähige Schnittstelle zwischen Bürger, Unternehmen und Behörden. Potentiale bestehen aber noch für ein digital gestütztes Ideen- und Beschwerdemanagement.

Hamburg FutureLab
Einen Beitrag zur Debatte um ein lebenswertes Hamburg soll künftig die Internetplattform "Hamburg FutureLab" leisten. Unter www.hamburgfuturelab.org bündeln die Haspa und das HWWI ihre Hamburg-Studien, stellen sie zur Diskussion und vernetzen sie mit weiteren Quellen.

Die vollständige Studie steht hier zum Download bereit.