Pressemeldungen

Die Handelswege der Zukuft.

Anbindung ans transeuropäische Netz wird zum kritischen Wettbewerbsfaktor für Hamburg.

  • Entfernungen und Transportvolumen innerhalb der EU wachsen
  • Neue Wachstumsregionen erfordern Anpassungen bei Trassen und Kapazitäten
  • EU-Leitlinien könnten Hamburgs Wettbewerbsposition schwächen

Hamburg, 2. Mai 2012 – Die logistische Anbindung an das transeuropäische Transportnetz (TEN-T) wird in den kommenden Jahren zum kritischen Wettbewerbsfaktor für den Logistikstandort Hamburg.

Zu diesem Ergebnis kommt die neue Studie "Handelswege der Zukunft", die das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) im Auftrag der Hamburger Sparkasse erstellt hat. "Die geplanten Korridore durch Europa werden die Wettbewerbsposition Hamburgs maßgeblich beeinflussen", unterstreicht HWWI-Direktor Prof. Thomas Straubhaar. "Hamburg wird zwar von einigen TEN-T-Projekten wie der Fehmarnbelt-Querung direkt profitieren. Es gibt aber konkurrierende Hafenstandorte, die in den Planungen noch besser berücksichtigt sind und somit Wettbewerbsvorteile einstreichen", so Straubhaar. "Politik und Wirtschaft sind gut beraten, die verbleibenden strategischen Handlungsspielräume bestmöglich auszuschöpfen".

Das HWWI geht davon aus, dass sich die innereuropäischen Handelsbeziehungen mit zunehmender Harmonisierung noch weiter intensivieren. Bereits heute verbleiben 71 Prozent aller europäischen Exporte auf dem Kontinent. Die Wachstumszonen konzentrieren sich bisher vor allem auf die dicht besiedelten, zentralen Regionen Westeuropas. Durch eine verbesserte Erreichbarkeit, Bevölkerungsverdichtung und hohe Wachstumsraten werden aber die Ballungsräume in Osteuropa an wirtschaftlicher Relevanz gewinnen. Damit verlängern sich die Verbindungen zwischen den Wachstumsregionen und den Häfen der Le Havre-Hamburg-Range. Der Druck auf die Hinterlandanbindungen steigt.

Als prosperierende Wirtschaftregion, wichtigster Eisenbahnhafen Europas und Umschlagsplatz für den Intercontinentalverkehr hat Hamburg zwar eine gute Ausgangsposition, dennoch sieht das HWWI den zügigen Ausbau der Hinterlandanbindungen als wichtigste Aufgabe der nächsten Jahre. "Die Anbindung an die osteuropäischen Wachstumsregionen wird zum kritischen Erfolgsfaktor für die Westeuropäischen Häfen – im Wettbewerb untereinander aber auch in Konkurrenz zu den Häfen in Südeuropa und dem Baltikum", so Straubhaar. "Projekte wie die Y-Bahntrasse in Niedersachen, der Ausbau der Mittel- und Oberelbe oder die Autobahnprojekte A26 und A39 haben mindestens die gleiche Dringlichkeitsstufe wie die Elbvertiefung."

Die im Oktober 2011 von der EU-Kommission vorgestellten neuen Leitlinien für die Verkehrsentwicklung innerhalb Europas fokussieren auf ein Kernnetz mit zehn Korridoren, von denen sechs das Bundesgebiet durchlaufen. Hamburg berühren die Achsen Helsinki-Malta und Hamburg/Rostock-Schwarzes Meer. Bis 2020 will die Kommission 31,7 Milliarden Euro für den TEN-Ausbau bereit stellen, wovon rund 80 Prozent in das Kernnetz fließen sollen. Im TEN-Kernnetz befinden sich rund 80 europäische Häfen, deren Standortbedingungen durch die geplanten Investitionen neu definiert werden.

Der Wettbewerb des Hamburger Hafens mit den belgischen und niederländischen Häfen wird durch die Binnenwasserachse Rhein/Meuse-Main-Donau verschärft, welche Rotterdam und Antwerpen einen effizienteren Zugang nach Zentral- und Osteuropa bis zum Schwarzen Meer verschafft. Die Seine-Schelde-Wasserstraße und die Bahnachse Lyon/Genf-Basel-Duisburg-Rotterdam/Antwerpen verbessert zudem den Zugang zum Absatzmarkt Deutschland. Die polnischen Hafenstandorte Danzig und Gdynia profitieren von der Bahnachse durch Polen und Tschechien nach Wien. "Während die Standorte der Konkurrenzhäfen Hamburgs unmittelbar durch neue TEN-T-Verbindungen profitieren, lässt das TEN-T-Kernnetz Norddeutschland – von der Fehmarnbelt-Querung abgesehen – aus. Dabei wäre vor allem eine effiziente Verbindung Hamburgs nach Polen im Wettbewerb von großer Bedeutung, damit deutsche Unternehmen die polnischen Absatzmärkte noch besser erschließen können", so Straubhaar.

Auch im Haspa-Kompetenz-Center Hafen/Logistik beobachtet man die Entwicklung mit großer Aufmerksamkeit: "Bis die Elbe vertieft und die Kaianlagen ausgebaut sind, ist im nahen und weiteren Hinterland noch jede Menge zu tun", unterstreicht Andreas Mansfeld, Bereichsleiter Unternehmenskunden der Hamburger Sparkasse. "Gerade unsere mittelständischen Logistikkunden brauchen reibungslose Verkehrsströme in der Metropolregion, um erfolgreich am Standort arbeiten und von den internationalen Wachstumsimpulsen profitieren zu können."

Die vollständige Studie finden Sie hier.

Handelswege der Zukunft – Anbindung ans transeuropäische Netz wird zum kritischen Wettbewerbsfaktor für Hamburg
Entfernungen und Transportvolumen innerhalb der EU wachsen.

Download Studie (9,5 MB)