Pressemeldung

Haspa Studie: Hamburger Bildungslandschaft mit Licht und Schatten

Die Wirtschaft der Hansestadt Hamburg ist durch wissensintensive und hochtechnologische Industrien und Dienstleistungsbranchen geprägt.

  • Hoher Betreuungsschlüssel bei Schulen, Investitionsstau an Hochschulen
  • Bildungsausgaben fallen mit 3,2 % des BIP vergleichsweise niedrig aus
  • Investitionen in Bildung zahlen sich auch für den Staat aus

Hamburg, 24. August 2016 – Die Wirtschaft der Hansestadt Hamburg ist durch wissensintensive und hochtechnologische Industrien und Dienstleistungsbranchen geprägt. Nicht zuletzt deshalb ist Hamburg auf ein leistungsfähiges Bildungssystem sowie qualifizierte und gut ausgebildete Erwerbspersonen angewiesen. "In Deutschland haben wir keine Ölfelder oder Goldminen. Daher  müssen wir unseren Wohlstand auf andere Weise sichern. Dafür ist gute Bildung das A und O. Unsere Schätze liegen in den Köpfen unserer Kinder und Enkel. Mit guter und besserer Bildung können wir sie heben", sagt Dr. Harald Vogelsang, Vorstandssprecher der Haspa. In der Haspa Hamburg Studie "Bildung in Hamburg" beleuchtet das HWWI Trends und Entwicklungen der Hamburger Bildungslandschaft und zeigt dabei Licht und Schatten auf.

Arbeitsmarkt im Wandel

Gegenwärtig dominieren in den meisten Berufsfeldern Beschäftigte mit anerkanntem Berufsabschluss. Lediglich jeder vierte Beschäftigte hat keinen bzw. einen unbekannten Abschluss. Akademiker sind mit rund einem Fünftel aller Beschäftigten heute noch deutlich in der Minderheit. Arbeitsmarktprognosen gehen davon aus, dass der Anteil akademisch vorgebildeter Erwerbstätiger weiter ansteigen wird, während der Anteil der Erwerbstätigen ohne Abschluss sinken wird.

Für diese Entwicklungen scheint Hamburg gut gerüstet. So ist der Anteil der Akademiker bereits in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten von knapp 25 % im Jahre 2000 auf rund 43 % im Jahre 2014 angewachsen und wird künftig noch weiter ansteigen. Insbesondere jüngere Hamburger verfügen deutlich häufiger als ältere über einen akademischen Abschluss. Aktuellen Daten und Trends zufolge ist somit in Hamburg in den kommenden Jahren nicht mit einem Mangel an Hochqualifizierten zu rechnen. Ein Engpass könnte sich eher, ganz ähnlich wie auch in anderen deutschen Regionen, bei nicht-studierten Fachkräften ergeben. Betroffen sein werden insbesondere das Verarbeitende Gewerbe, die Energie-und Wasserversorgung sowie das Baugewerbe, wo ein relativ hoher Anteil der Beschäftigten bereits heute in einem fortgeschrittenen Alter ist.

Ausgaben für Bildung niedrig

Bildung ist Ländersache. Auffällig in Hamburg ist, dass die Bildungsausgaben gemessen am Bruttoinlandsprodukt der Stadt relativ niedrig ausfallen. Hier belegt die Hansestadt mit einem Anteil von 3,2 % im Vergleich der Bundesländer den letzten Platz. Dies ist in wesentlichem Maße auf Hamburgs Rolle als wirtschaftsstarker Stadtstaat mit erheblichen Einkommensabflüssen ins Umland und relativ geringen Bundeszuweisungen für Bildungsausgaben zu erklären. Aber auch bei den öffentlichen Ausgaben für Bildung in Relation zu den öffentlichen Gesamtausgaben befindet sich Hamburg im Bundesländervergleich mit 16 % nur im oberen Mittelfeld. Der Anteil der Stadt Berlin liegt hier um fast 2 Prozentpunkte höher.

Ein hoher Anteil der Hamburger Bildungsausgaben fließt in den Schulbereich. Hier nahm Hamburg 2013 mit 8.900 Euro pro Schülerin und Schüler an allgemeinbildenden Schulen die Spitzenposition im Bundesländervergleich ein. Die hohen Ausgaben resultieren auch aus einem überdurchschnittlich hohen Betreuungsschlüssel aufgrund kleiner Klassengrößen, bedingt u. a. auch durch die Einführung der Inklusion. Das Hamburger Schulwesen glänzt mit einer niedrigen Abbrecherquote (2014: 4,8 %) und der zweithöchsten Studienzugangsberechtigungsquote (2015: 62,5 % aller Schulabsolventen) der Bundesländer.

Hochschulen

Hamburg ist mit über 95.000 Studierenden im Wintersemester 2015/2016 ein bedeutender deutscher Hochschulstandort. Ein im letzten Jahrzehnt besonders stark wachsendes Segment des Hochschulsystems sind die privaten Hochschulen: 13 % der insgesamt rund 15.500 Absolventen erhielten 2014 ihren Abschluss an einer Privathochschule. Im Jahr 2005 waren es noch 5 % aller Absolventen. Bei weitem nicht jedes Studium führt aber zu einem erfolgreichen Abschluss. So beenden lediglich 65 % der Studierenden ihr Erststudium mit einem Abschluss. Damit nimmt Hamburg den vorletzten Platz unter den Bundesländern ein. In Bremen und Berlin beträgt die Erfolgsquote hingegen 83 % bzw. 84 %. Dabei sind die Ausgaben der Hansestadt für Forschung und Lehre (ohne medizinische Einrichtungen) je Studentin oder Student überdurchschnittlich hoch. Dies zeigt sich allerdings nicht in einem überdurchschnittlichen Betreuungsschlüssel. Anders als die Personalausgaben fallen die Investitionen im Bildungsbereich gering aus. Bei den Schulen rangiert Hamburg im Vergleich der Bundesländer deutlich unterhalb des Durchschnitts. Auch im Hochschulbereich besteht ein erheblicher Investitionsstau. Das im Hochschulbereich bereits begonnene Sanierungsprogramm stellt daher einen wichtigen Schritt dar.

Investitionen zahlen sich aus

Studierende, Auszubildende und Arbeitskräfte sind deutlich mobiler als noch vor einigen Jahren. So hat der Anteil der Studierenden in Hamburg, die auch die Hochschulreife in der Hansestadt erworben haben, und der Anteil der in Hamburg Beschäftigten mit dem Ausbildungsort Hamburg in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen. Dennoch sind öffentliche Ausgaben für Bildung durchaus lohnend für die Stadt, da die Erträge der Bildung nicht nur den Arbeitnehmern in Form höherer Einkommen zugutekommen, sondern auch der Staat über höhere Steuereinnahmen und Sozialbeiträge profitiert. Hamburger mit einer höheren Bildung erzielen erwartungsgemäß höhere Einkommen als solche mit mittlerer Bildung. Allerdings gehen hiermit auch höhere Kosten, vor allem in Form entgangenen Einkommens aufgrund längerer Ausbildungszeiten, einher. Somit amortisieren sich die vergleichsweise hohen Kosten der Hochschulbildung für den Staat erst in der längeren Frist. In den ersten 15 Erwerbsjahren ist eine akademische Ausbildung in Büro- bzw. Verkaufsberufen für das Gemeinwesen weniger rentabel als eine mittlere Ausbildung (Lehre).

Dr. Christina Boll, Leiterin des Forschungsbereichs "Arbeit, Bildung und Demografie" am HWWI: "Neben den monetären Erträgen hat eine gute Bildung viele weitere wohlfahrtssteigernde Wirkungen wie bessere Gesundheit, geringere Kriminalität und einen höheren Informationsstand der Bürger. Aus diesen Gründen ist es wichtig, dass alle Hamburgerinnen und Hamburger von klein auf gleich gute Bildungschancen haben."

Bildungssparen als Anreiz

Um den Investitions-Anreiz in Bildung zu erhöhen, hatte die Haspa bereits im Jahr 2015 für die Idee des Bildungssparens geworben. "Wir dürfen nicht nur in Infrastrukturprojekte investieren, sondern müssen dies auch in Bildung tun. Unser Vorschlag sieht vor, dass Eltern, Großeltern oder Paten mit einer staatlichen Förderung als zusätzlichem Anreiz ganz gezielt in die Ausbildung der Kinder sparen", erläutert Vogelsang. "Die Finanzierung der Investition in Bildung sollte vom Staat – als größtem Profiteur der Niedrigzinsphase – sowie den Ersparnissen der Bürger aufgebracht werden."

 

Einen Beitrag zur Debatte um ein lebenswertes Hamburg leistet die Internetplattform "Hamburg FutureLab". Unter www.hamburgfuturelab.org bündeln die Haspa und das HWWI ihre Hamburg-Studien und stellen sie zur Diskussion.