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Haspa-Studie: Hamburger Gesundheitswirtschaft droht Personalklemme.

Das Durchschnittsalter steigt, qualifizierter Nachwuchs stockt und viele Ressourcen bleiben ungenutzt.

Hamburg, 21. Oktober 2010 Hamburg muss seine Humanressourcen besser nutzen, wenn die Dynamik der Gesundheitswirtschaft in der Hansestadt auch in den kommenden Jahren erhalten bleiben soll. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Wachstumsmarkt in Not? Human Resources in der Hamburger Gesundheitswirtschaft", die das Hamburgische WeltWirtschaftsInsitut (HWWI) im Auftrag der Hamburger Sparkasse (Haspa) erstellt hat. Vorhandenes Potenzial wird nicht oder nicht ausreichend genutzt. Zudem fällt es in vielen Bereichen schwer, neue Arbeitskräfte zu rekrutieren und für den Beruf zu begeistern.

Die Forscher sehen eine breite Palette von Handlungsoptionen, mit denen die verfügbaren Ressourcen in Hamburg erschlossen werden können. Im Bereich der Arbeitsflexibilisierung hätte eine optimierte Vereinbarkeit von Familie und Beruf den größten Effekt. In Anbetracht des hohen Frauenanteils in der Hamburger Gesundheitswirtschaft (82 Prozent) und einer absehbar wachsenden Teilzeitquote (30 Prozent) werden beispielsweise familienfreundliche Arbeitszeiten zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor. Viele Hamburger Mütter und Väter geben an, aus familiären Gründen Teilzeit zu arbeiten ein Potenzial, das durch entsprechende Betreuungs- und Pflegeangebote ausgeschöpft werden könnte.

Das Qualifikationsniveau in den Gesundheitsberufen ist verhältnismäßig hoch: Jeder zweite Beschäftigte verfügt über eine abgeschlossene Berufsausbildung und jeder fünfte sogar über einen Hochschulabschluss. Um dieses Niveau halten zu können, sind langfristig angelegte Qualifikationsprozesse für Fachkräfte nötig. Dabei drängt die Zeit: Das Durchschnittsalter der Beschäftigten nimmt kontinuierlich zu. In den letzten zehn Jahren hat die Hamburger Gesundheitswirtschaft ihre im Bundesvergleich günstigere Altersstruktur heute eingebüßt. Zugleich besteht Bedarf an einer Neuordnung der Gesundheitsberufe mit transparenten Einstiegs- und Karrieremöglichkeiten insbesondere bei den durch die zunehmende Arbeitsteilung neu entstehenden Berufsbildern.

Handlungsbedarf sieht das HWWI auch in der Integration ausländischer Mitarbeiter. In Hamburg stellt die deutsche Bevölkerung 95 Prozent aller Erwerbstätigen in den Gesundheitsberufen. Ausländische Erwerbstätige sind mit 5 Prozent in Relation zu ihrem Bevölkerungsanteil (14 Prozent) deutlich unterrepräsentiert. Ihr Anteil ist in den meisten Gesundheitsberufen sogar rückläufig. Dabei werden gerade im Gesundheitswesen kulturell und ethnisch geprägte Leistungen und Services künftig eine zunehmende Bedeutung haben. Durch eine Stärkung der interkulturellen Kompetenzen könnte die Wettbewerbsfähigkeit in vielen Bereichen deutlich verbessert werden. Eine unnötige Hürde bildet häufig auch die behördliche Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationsnachweisen.

"Der Fachkräftemangel ist die zentrale Herausforderung der deutschen Wirtschaft und das Gesundheitscluster ist der Vorreiter. Es wird zuerst auf die Hürden stoßen und unter Beweis stellen müssen, dass die diskutierten Lösungsansätze nicht zu kurz springen, erläutert HWWI-Direktor Professor Thomas Straubhaar.

Haspa-Firmenkundenvorstand Frank Brockmann: "Bislang war die Mitarbeiterqualifikation ein eher weiches Kriterium in der Bonitätsbetrachtung. Dies ändert sich derzeit dramatisch. Gerade im Gesundheitswesen wächst sie zum zentralen Wettbewerbsfaktor heran. Jede Investition in Anlagen und Gebäude muss daher auch durch Investitionen in das Recruiting, in die Aus- und Fortbildung und Mitarbeiterbindung flankiert werden.

Weitere Teilergebnisse:

  • Jeder zehnte Beschäftigte in Hamburg (12 Prozent) arbeitet in der Gesundheitswirtschaft Tendenz weiter steigend. Allein in der Medizintechnik ist die Beschäftigtenzahl in den letzten zehn Jahren um 43 Prozent gestiegen. Zwei Drittel dieser Arbeitsplätze (80.000) sind dem Gesundheitswesen zuzuordnen, rund davon 30.000 an den Krankenhäusern der Stadt.
  • Da auch die Zahl der Vollzeitstellen ansteigt, geht das HWWI nicht davon aus, dass es zu einer Umwandlung von Voll- zu Teilzeitstellen in größerem Umfang kommt. Als Motiv für die Teilzeitarbeit sehen die Betroffenen somit auch weniger das fehlende Angebot an Vollzeitstellen (11 Prozent) als vielmehr familiäre und persönliche Gründe einschließlich Betreuungsnotwenigkeiten (50 Prozent).
  • Der Ausländeranteil ist insbesondere bei Ärzten und Zahnärzten entgegen dem Bundestrend rückläufig. Bei den Auszubildenden liegt der Anteil über alle Hamburger Branchen bei  lediglich 6 Prozent.
  • In der Vorleistungs- und Zulieferindustrie liegt der Frauenanteil mit 43 Prozent deutlich hinter dem Branchenschnitt.

Haspa-Studie – Hamburger Gesundheitswirtschaft
Hamburger Gesundheitswirtschaft droht Personalklemme

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