Haspa weitet Videoberatung aus

Dr. Harald Vogelsang im Abendblatt-Interview.

Hamburg, 31. Dezember 2014 – Ein Gespräch mit Vorstandssprecher Harald Vogelsang über seine persönlichen Finanzen, den Bankenstresstest und die Pläne des Instituts für 2015 – Von Volker Mester, Oliver Schade.

2014 war ein herausforderndes Jahr für die Haspa: Die Niedrigzinsen belasteten das Geschäft, außerdem musste Deutschlands größte Sparkasse am aufwendigen Bankenstresstest der Europäischen Zentralbank teilnehmen. Das Abendblatt sprach darüber mit Harald Vogelsang, dem Vorstandssprecher der Haspa.

Hamburger Abendblatt:
Herr Vogelsang, wie erfolgreich war das Jahr 2014 für Sie als Privatanleger?

Harald Vogelsang:
Ich bin ein sehr konservativer Anleger, daher hatte ich keine großen Erwartungen an das Jahr – und war zufrieden. Da ich der Meinung bin, dass man um Aktien keinen Bogen machen sollte, habe ich auch seit mehreren Jahren Aktien im Depot. Wie wir gesehen haben, lagen die Haspa-Analysten mit ihrer Einschätzung vom Jahresende 2013, wonach sich der Deutsche Aktienindex 2014 in Richtung der Marke von 10.000 Punkten bewegen sollte, richtig. Zudem schlagen dividendenstarke Aktien auch im Hinblick auf die jährliche Ausschüttung die meisten festverzinslichen Papiere.

Die Sparzinsen tendieren gegen null. Was empfehlen Sie jungen Menschen, die jetzt für das Alter vorsorgen wollen?

Vogelsang:
Man sollte sich auf keinen Fall durch das Niedrigzinsniveau verleiten lassen, nichts zu tun. Private Altersvorsorge ist und bleibt wichtig. Für längere Anlagezeiträume sind Aktiensparpläne die beste Wahl, denn auf Sicht von mehreren Jahrzehnten kann man mit erfreulichen Renditen rechnen. Für meine Kinder habe ich solche Sparpläne schon vor vielen Jahren eingerichtet. Diese Form des Aktieninvestments hat den Vorteil, dass man auch von Kursabschwüngen profitiert, weil man dann zu den niedrigeren Kursen kauft.

Aber was kann man tun, wenn man das Geld früher wieder benötigt?

Vogelsang:
Wenn jemand weiß, dass er zum Beispiel in drei Jahren eine größere Anschaffung vorhat, dann sind Zielsparangebote mit festen Zinssätzen besser geeignet.

Wie lief das Jahr 2014 geschäftlich für die Haspa?

Vogelsang:
Ich sehe mit gemischten Gefühlen auf das Jahr. Natürlich haben wir gemeinsam mit unseren Kunden unter den niedrigen Zinsen gelitten. Außerdem haben wir für die Teilnahme am Bankenstresstest der Europäischen Zentralbank (EZB) erheblichen Aufwand treiben müssen; die Kosten dürften zwischen zehn und 15 Millionen Euro liegen. Auf der anderen Seite freue ich mich sehr über unser gutes Abschneiden. Von allen deutschen Banken hatten wir durch das simulierte Krisenszenario die niedrigsten Abzüge auf die Kernkapitalquote. Das typische, risikoarme Geschäftsmodell einer Sparkasse ist von der EZB zutreffend gewürdigt worden.

Wie sehr hat der Gewinn unter dem Niedrigzinsumfeld gelitten?

Vogelsang:
Man darf von einem ordentlichen Ergebnis etwa auf dem Vorjahresniveau von 75 Millionen Euro ausgehen. Dazu haben Kostensenkungen ebenso beigetragen wie die Tatsache, dass wir die Kreditrisikovorsorge sehr niedrig halten konnten. Dabei haben wir kräftig investiert – allein 2,5 Millionen Euro sind in die Modernisierung des Filialnetzes geflossen. Alles in allem sind wir mit dem Jahr 2014 nicht unzufrieden.

Wie hat sich die Mitarbeiterzahl im Jahr 2014 entwickelt?

Vogelsang:
Sie ist leicht gesunken und liegt jetzt bei rund 5000.

Hat sich das Wachstum in der Baufinanzierung fortgesetzt, ist der Run auf Hamburger Immobilien trotz der hohen Preise noch groß?

Vogelsang:
Im ersten Halbjahr war die Nachfrage nach Baukrediten zurückhaltend, in der zweiten Jahreshälfte hat sie aber wieder deutlich angezogen. Offenbar waren sich die Menschen zunächst nicht sicher, ob sie bei den inzwischen teils recht ambitionierten Immobilienpreisen noch kaufen sollten. Aber dann haben sie gesehen, dass die Preise für Wohnungen und Häuser stabil bleiben oder noch weiter steigen, während die Zinsen sogar gesunken sind.

Hat die Haspa weiter Kunden hinzugewonnen?

Vogelsang:
Wir gehen davon aus, etwa 50.000 bis 60.000 neue Kunden bis Jahresende gewonnen zu haben. Besonders freut uns, dass die Zahl der Joker-Konten um 15.000 auf rund 635.000 gestiegen ist, und beim Mäuse-Konto für Kinder, das wir mit 3,0 Prozent verzinsen, verzeichnen wir ein Plus von 10.000 auf 105.000 Konten.

Das Mäuse-Konto ist aber doch ein Zuschussgeschäft für die Haspa?

Vogelsang:
Der Zinsvorteil gegenüber den anderen Sparkonten ist höher als je zuvor und besonders attraktiv. Aber wir wollen damit vor allem den Sparsinn in der Bevölkerung fördern, wie es in unserer Satzung steht. In der Niedrigzinsphase ist es wichtiger denn je, den jungen Menschen zu zeigen, dass Sparen sinnvoll ist.

Die Menschen gehen immer seltener in Filialen und nutzen stattdessen stärker das Internet für ihre Bankgeschäfte. Wie reagiert die Haspa darauf?

Vogelsang:
Die Kunden wollen heute beides: die Beratung in der Filiale und die Erledigung ihrer Bankgeschäfte online. Etwa 20 Kollegen arbeiten daher an der Weiterentwicklung unserer digitalen Angebote sowie der Vernetzung mit den Filialen. Dabei ist eines klar: Wir wollen keine Direktbank, sondern die beste Multikanalbank in Hamburg werden. Wir wollen auch keinen Kunden davon abbringen, in eine unserer Filialen zu gehen – wir freuen uns schließlich über jeden, der dorthin kommt. Uns geht es darum, die neuen technischen Möglichkeiten sinnvoll mit dem Filialgeschäft zu kombinieren. Dazu arbeiten wir daran, dass sich Kunden über Produkte verstärkt online orientieren und abschließen sowie ihre Geldangelegenheiten bequem regeln können. Dabei sind wir schon weit gekommen. Zum Beispiel haben wir im Dezember den Kontowecker eingeführt, der den Kunden aktiv bei definierten Kontoständen oder Kontobewegungen benachrichtigt.

Wird man Verträge online günstiger abschließen können als in der Filiale?

Vogelsang:
Nein. Wir halten das nicht für den richtigen Weg. Bei uns soll der Kunde überall das gleiche attraktive Angebot erhalten.

Auch die Haspa arbeitet an der Videoberatung. Was genau tun Sie auf diesem Gebiet, und wie werden die Angebote von den Kunden angenommen?

Vogelsang:

Seit August gibt es die Möglichkeit, bei Serviceanfragen unsere Mitarbeiter bei der Haspa Direkt werktags zwischen 8.00 und 20.00 Uhr per Livevideoverbindung zu erreichen. Pro Woche wird das von durchschnittlich 25 bis 30 Kunden genutzt, was gemessen an den Erfahrungen von Wettbewerbern ein guter Wert ist. Das ist insbesondere für Menschen ideal, die keine Zeit finden, in die Filiale zu kommen, weil sie gerade nicht mobil oder unterwegs sind. Mittelfristig können wir uns vorstellen, dass unsere Kunden auch ihren persönlichen Berater aus der Filiale auf diesem Weg kontaktiert. Deswegen bauen wir die Videoberatung weiter aus und werden sie im nächsten Jahr in unserem Private Banking pilotieren, um hier weitere Erfahrungen zu sammeln.

Wird die Zahl der Haspa-Filialen weiter abnehmen?

Vogelsang:
In diesem Jahr ist sie leicht gesunken, wir haben aber noch immer mehr als 200 Standorte und damit das mit Abstand dichteste Filialnetz in Hamburg und Umgebung. Für 2015 ist keine Reduktion geplant. Im Laufe der nächsten zehn Jahre wird die Zahl der Filialen allerdings voraussichtlich weiter leicht abnehmen. Ich glaube, Menschen werden auch in Zukunft immer noch den persönlichen Kontakt wünschen. Aber wenn es für sie einfacher und bequemer ist, dann werden sie auch die Möglichkeiten der digitalen Zugänge zu uns nutzen. Darauf müssen wir reagieren.