Pressemeldung

Kapitalmarktausblick 2019

Spur halten - Chance nutzen

Konjunktur

Hamburg, 14. Dezember 2018 – Das Jahr 2018 hat dem Kapitalanleger einiges abverlangt: Weder auf der vermeintlich sicheren Seite der festverzinslichen Wertpapiere noch bei Aktien konnten positive Resultate erzielt werden. Wie geht es weiter? Deutschland befindet sich konjunkturell an der Kapazitätsgrenze mit einer Zunahme des BIP um + 1,2 %, Inflationsraten in Deutschland, der Euro-Zone und den USA im Zielbereich um 2 % und DAX-Kursziel bei 12.000 Punkten bis Ende 2019. Das Jahr 2019 wird ein anspruchsvolles Anlagejahr.

Wachstumsgipfel überschritten
Alle bedeutenden Volkswirtschaften haben den Wachstumsgipfel überschritten. Die Weltwirtschaft befindet sich im Übergang von der Hochkonjunktur - dem Boom - zum Abschwung. Die Wachstumsraten werden kleiner, sind aber positiv. Für das Abgleiten in eine Rezession gibt es bisher keine Anhaltspunkte.

Die Weltwirtschaft dürfte wegen des Handelskonflikts zwischen den USA und China einen Gang zurückschalten. Beim globalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) erwarten die Kapitalmarktexperten der Haspa 2019 ein Plus von 3,5 %. In den USA herrscht Vollbeschäftigung, das Verbrauchervertrauen ist auf einem sehr hohen Niveau. Vor diesem Hintergrund rechnen die Experten mit einer Fortsetzung des konsumgetriebenen Aufschwungs und einer Wachstumsrate des BIP von 2,4 %.

Chinas Aufschwung wird zunehmend durch US-Strafzölle gestört. Es ist daher anzunehmen, dass weitere Zinssenkungen und zusätzliche Wachstumsprogramme beschlossen werden. Beim BIP dürfte die Zielvorgabe für 2019 etwas geringer ausfallen, jedoch die Sechs vor dem Komma behalten.

In der Euro-Zone haben sich die konjunkturellen Frühindikatoren weiter eingetrübt. Für Verunsicherung sorgen vor allem das Ende März 2019 anstehende Ausscheiden Großbritanniens aus der EU ("Brexit"), das Vertragsverletzungsverfahren der EU gegen Italien sowie der Konflikt zwischen den USA und ihren Handelspartnern. Für 2019 rechnen die Experten mit einem Abschmelzen der Wachstumsrate des Euro-BIP auf 1,5 %.

In Deutschland leiden immer mehr Bereiche der Wirtschaft unter Fachkräftemangel und produzieren in der Nähe der Kapazitätsgrenze, die Wachstumsmöglichkeiten sind begrenzt. Zudem dürften die positiven Wachstumsbeiträge der Binnennachfrage vom Außenhandel gedämpft werden. Das deutsche BIP sollte 2019 um 1,2 Prozent zulegen.

Inflationsraten

Im Zielbereich
Die gute Wirtschaftslage, steigende Beschäftigungszahlen und höhere Löhne sorgten für steigende Verbraucherpreise. Die Inflationsraten liegen derzeit etwas oberhalb des Zielwertes der EZB, der bei "nahe, aber unter 2 %" verortet ist. In der Annahme, dass die Lohn-Preis-Spirale auch 2019 nicht in Gang kommt, werden sich die Teuerungsraten in Deutschland und der Euro-Zone weiterhin im Zielbereich bewegen. Im Jahresdurchschnitt 2019 rechnen die Kapitalmarktexperten sowohl in Deutschland als auch in der Euro-Zone mit Inflationsraten von knapp 2 %.

Notenbanken

USA suchen den neutralen Zins
Die Europäische Zentralbank (EZB) wird im nächsten Jahr nur noch die Portfolio-Rückflüsse bestehend aus Zinserträgen und Fälligkeiten reinvestieren, um die Bilanzsumme konstant zu halten. Da dieses jedoch im Monatsdurchschnitt rund 15 Mrd. EUR sind, bleibt sie auch weiterhin einer der bedeutendsten Akteure am Anleihemarkt und dürfte auch im nächsten Jahr ihre schützende Hand über den Euro und den europäischen Kapitalmarkt halten. Eine erste zaghafte Anhebung des Einlagesatzes ("Strafzins") kann Ende 2019 vorgenommen werden. Ein "richtiger" Zinsschritt in Form einer Anhebung des Hauptrefinanzierungssatzes sollte aber erst 2020 anstehen. Die im Zielbereich liegende Inflationsrate und der vollbeschäftigte Arbeitsmarkt erfordern von der US-Notenbank keine weitere übermäßige Straffung der amerikanischen Geldpolitik, sondern verlangen nach dem "neutralen Zins". Dabei handelt es sich um das Zinsniveau, das die Wirtschaft weder antreibt noch bremst. Der neutrale Leitzins wird meist zwischen 2,75 und 3,00 Prozent verortet. Dies dürfte auch die Zielzone der US-Leitzinsen im nächsten Jahr sein.

Fazit: Die internationalen Notenbanken haben die Geldschleusen weitgehend geschlossen, dürften aber auch weiterhin alles daran setzen, die Stabilität der Finanzmärkte zu gewährleisten.

Währungen

Bleibt der Dollar stark?
Die bisherigen Auftriebskräfte für den US-Dollar in Form einer boomenden Wirtschaft, steigender Leitzinsen und eines zunehmenden Renditevorsprungs dürften im Jahresverlauf 2019 an Kraft verlieren. Die den Euro belastenden politischen Verunsicherungen dagegen sollten nach der Europawahl abklingen.
Damit zeichnet sich für 2019 folgender Wechselkursverlauf ab: Im ersten Halbjahr profitiert der US-Dollar von den politischen Verunsicherungen in Europa. Er bleibt stark und steigt im Vorfeld der Europawahl in Richtung 1,10 USD pro EUR. In der zweiten Jahreshälfte erholt sich der Euro. Die politischen Schlechtwetterwolken über Europa lösen sich auf und lassen den Wechselkurs des Euro zum Jahresende in Richtung 1,20 USD tendieren.

Rohöl

Berg- und Talfahrt
Anfang Dezember beschlossen die Mitglieder der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) sowie weitere Ölförderländer einschließlich Russlands, die tägliche Ölproduktion um 1,2 Mio. Barrel (= 159 Liter) zu kürzen. Damit soll das derzeit sehr hohe Angebot wieder der Nachfrage angeglichen werden. Die Kapitalmarktexperten der Haspa gehen davon aus, dass der Preis für ein Fass Nordseeöl Brent in den kommenden Monaten wieder in die Bandbreite zwischen 70 und 80 USD manövriert wird.

Gold

"Starker Dollar - schwaches Gold"
Der Goldpreis profitiert erfahrungsgemäß von einem schwächeren Dollar, sinkenden Zinsen sowie als "Krisenmetall" von einer wachsenden Unsicherheit an den Märkten. Sollte die Einschätzung der Kapitalmarktexperten richtig sein, dass die US-Notenbank im nächsten Jahr tatsächlich weniger Leitzinserhöhungen vornimmt als sie bisher projiziert, dürfte das Gold Aufwind bekommen. Denn eine geringere Anzahl an Zinsschritten sollte sowohl den US-Dollar als auch die Renditen dämpfen. Richtig glänzen dürfte das Gold aber erst dann wieder, wenn der US-Dollar einen Schwächeanfall erleiden sollte.

Anleihemarkt

Begrenzte Chancen
Die Haspa-Experten rechnen im neuen Jahr bei der Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe mit einer Seitwärtsbewegung um die Marke von 0,5 %, die Schwankungsbreite dürfte dabei von 0,25 % bis 0,75 % reichen. Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen sollte am Jahresende 2019 auf einem Niveau um 3,0 % liegen.

Bund-Renditen ab 0,50 % können genutzt werden, um Bestände in ähnlichen Anleihen sehr hoher Qualität (AAA) und längeren Laufzeiten aufzubauen. Diese dienen im Depot als Absicherung gegen einen stärker als erwarteten Konjunkturabschwung.

Unternehmensanleihen leiden unter wachsenden Befürchtungen, dass mit nachlassender Konjunktur die Herunterstufungen und Ausfälle zunehmen. Diese Entwicklung sollte sich 2019 fortsetzen, so dass Unternehmensanleihen, besonders solche aus niedrigeren Bonitätskategorien, wenig attraktiv sein dürften.

Eine wichtige Rolle dürften im Anleihebereich weiterhin Fremdwährungen spielen. Dabei erwarten die Kapitalmarktexperten der Haspa für 2019 einen Favoritenwechsel: Stehen derzeit wegen der höheren Rendite und rückläufigen Zinssteigerungsrisiken bei Neuengagements noch US-Dollaranleihen sehr hoher Bonität im Fokus, sollte sich die Lage im Laufe des Jahres 2019 ändern. Sobald sich die Erkenntnis im Markt durchsetzt, dass der Zinsanstieg in den USA an ein Ende kommt und sich die US-Devise abschwächt, wächst die Attraktivität von (USD-)Anleihen aus Schwellenländern, da die Kapitalabflüsse in die USA geringer werden dürften. Im Teilbereich der eher sicherheitsorientierten Fremdwährungsanlagen dürften dagegen Währungen aus Nordeuropa erste Wahl bleiben.

Aktienmarkt

12.000 DAX, 3.300 Euro Stoxx 50
Der Deutsche Aktienindex (DAX) hat von seinen im Januar erreichten Höchstständen über 20 % abgegeben. Rein technisch betrachtet befindet er sich damit im Bärenmarkt. Hier gilt es nicht mehr, schwache Kurse für Zukäufe zu nutzen, sondern die Bestände bei Kurserholungen zu reduzieren.
Die Modelle zeigen an, dass der DAX auf Basis der 2019er Unternehmensgewinne im Durchschnitt bei knapp 12.500 Punkten, der Euro Stoxx 50 bei 3.400 Punkten angemessen bewertet sind. Anders als in den Vorjahren dürfte die Prognose 2019 der Kapitalmarktexperten allerdings tendenziell mit einem Abwärtsrisiko verbunden sein. Ob dieses schlagend wird, wird von der weiteren Unterstützung der Notenbanken sowie den kaum zu prognostizierenden politischen Unsicherheitsfaktoren (Italien, Brexit, Handelskonflikt) abhängen. Bleiben letztere existent, wird weiterer Druck auf den Gewinnrevisionen und damit auf dem Kursziel lasten. Vor diesem Hintergrund erwarten die Haspa-Experten auch im nächsten Jahr einen sehr volatilen Aktienmarktverlauf, der beim DAX eine Bandbreite von 9.800 bis 12.500 Punkte aufweisen könnte.
Zum Jahresende 2019 sehen sie den Deutschen Aktienindex bei 12.000 Punkten, den Euro Stoxx 50 Index bei 3.300 Zählern.

Anlagestrategie

Spur halten - Chancen nutzen
Mit Blick auf 2019 stellt sich die Frage: War das letzte Jahr eine Ausnahmeerscheinung, ein Atemholen in einem reifen Börsenzyklus oder markiert es eine Trendwende?
Eine für die Anlagestrategie nicht unerhebliche Trendwende zeichnet sich bei den Notenbanken ab. Insbesondere die US-Notenbank treibt den Ausstieg aus der extrem expansiven Geldpolitik voran. Die Liquiditätsflut geht zurück, auch mit dem Ziel, die Verzerrung bei den Vermögenspreisen wieder ins Lot zu bringen. Damit wird klar, dass 2018 kein Atemholen, sondern in diesem Punkt eine Trendwende eingeläutet hat.
Dadurch nehmen die Herausforderungen im Rahmen der Vermögensanlage deutlich zu. Das Jahr 2019 dürfte ein anspruchsvolles Anlagejahr werden. Das Motto "was steigt, das steigt und steigt daher weiter" gilt nicht mehr.
Vor diesem Hintergrund dürfte die Volatilität in 2019 situativ sehr hoch sein. Zudem werden die rückläufigen Anleihekäufe der Notenbanken sowohl Aktien als auch Anleihen tangieren, was die Möglichkeiten der Diversifikation grundsätzlich erschwert.

Das Motto der Haspa Anlagestrategie 2019 lautet deshalb: Spur halten - Chancen nutzen!

Die Priorität liegt auf dem Kapitalerhalt.
Zu diesem Zweck teilen die Kapitalmarktexperten das Vermögen in zwei Blöcke:

  • einen sicherheitsorientierten, der Anleger in der Spur hält,
  • und einen chancenorientierten, der eine Perspektive auf positive Wertentwicklung liefert.

Der Sicherheit bzw. Stabilität bringende Allokationsanteil stellt auf Anleihen bester Bonität, z. B. Bundesanleihen, Inhaberschuldverschreibungen, offene Immobilienfonds sowie Gold ab. Aus dem Anleihebereich erwarten die Experten damit einen leicht über der Nulllinie liegenden Wertbeitrag.

Einen weiteren "Sicherheits-Baustein" stellen für die Experten offene europäische Immobilienfonds dar. Ihre Wertentwicklung ist weitgehend abgekoppelt von anderen Anlageklassen, insbesondere Aktien, d. h. Immobilienfonds liefern einen Beitrag zur Diversifikation. Zudem werden gerade im Gewerbebereich meist sehr langfristige und an die Inflation gekoppelte Mietverträge abgeschlossen, so dass die Einnahmen gut kalkulierbar sind und die Anleger mit verlässlichen Ausschüttungen rechnen können. Ferner ergänzen die Experten diesen Portfoliobaustein um physisches Gold.

Fremdwährungsanleihen werden auch weiterhin berücksichtigt. Gefragt bleiben vor allem Anleihen mit hoher Schuldnerqualität, sei es in Form einzelner Papiere oder eines Fonds.

Strukturelles Wachstum: Soziale, ökonomische, politische, ökologische und technologische Veränderungen werden von langfristig verlaufenden übergeordneten Entwicklungen, sogenannten Megatrends, geprägt. An den Schnittstellen verschiedener Megatrends liegend profitieren Anleger u. a. von technologisch geprägten Teildisziplinen wie "Künstlicher Intelligenz", "Internet der Dinge" und "IT-Sicherheit" oder von demografisch geprägtem Innovationsdrang im Gesundheitswesen (z. B. "Medizintechnik").

Stabile Geschäftsmodelle der Unternehmen haben dazu geführt, dass die entsprechenden Aktien in den zurückliegenden 15 Jahren vergleichsweise niedrigere Kursschwankungen und eine höhere Wertentwicklung erzielten als stärker schwankende Aktien. Die Titel "stabiler Unternehmen" sind aufgrund guter Ertragsplanbarkeit und solider Bilanzen weniger schwankungsanfällig. Dazu zählen u. a. Titel aus den Sektoren Pharma, Telekommunikation und Versicherungen.

Chancen nutzen - unten kaufen: Sowohl der DAX als auch der Euro Stoxx 50 haben seit Jahresbeginn kräftig an Wert eingebüßt. Die Börse neigt gerade in Zeiten aufkeimender Konjunkturängste und ausgeprägter Nervosität immer wieder zu Übertreibungen. Hierin liegt eine Anlagechance: Sobald sich herausstellt, dass es nicht so schlimm wie befürchtet kommt, dürften diese gebeutelten Aktien wieder überproportional aufleben. Deshalb gilt es Unternehmen zu identifizieren, deren Geschäftsmodell grundsätzlich auf festen Beinen steht und deren Notierungen übertrieben scharf in den Keller gerutscht sind. Eine weitere Gelegenheit zum "unten Kaufen" könnte sich im Jahresverlauf 2019 bei Aktien und Anleihen aus den Schwellenländern ergeben.