Pressemeldung

Kapitalmarktausblick 2013: "Substanziell besser".

Hamburg, 6.12.2012: Das beherrschende Thema 2013 ist die Finanzrepression.

Deutschland: Fest im Griff der Finanzrepression
Unter dem Begriff der Finanzrepression wird die von staatlicher Seite ausgelöste Herbeiführung negativer Realrenditen verstanden. Dies kann über höhere Inflationsraten und/oder sinkende Renditen geschehen. Gleichzeitig werden die Kapitalsammelstellen  (Banken, Pensionsfonds, Versicherungen etc.) verpflichtet, verstärkt heimische Staatsanleihen zu erwerben. Gewinner sind die Schuldner, insbesondere der Staat, der sich günstiger refinanzieren und seine Staatsschuldenquote schneller reduzieren kann. Verlierer sind die Anleger, die einen realen Vermögensverlust erleiden, da ihre Renditen unterhalb der Inflationsrate liegen.

In Deutschland ist die fiskalische Repression bereits Realität, denn bei den öffentlichen Anleihen liegt die reale Rendite im negativen Bereich.

Euro-Zone: Der konjunkturelle Horizont bleibt stark eingetrübt
Die staatlichen Sparprogramme fordern ihren Tribut in Form einer rückläufigen gesamtwirtschaftlichen Nachfrage und dem Abgleiten in die Rezession. In der Annahme einer auch im 4. Quartal rückläufigen Wirtschaftsleistung dürfte das BIP im Gesamtjahr 2012 um 0,4 Prozent sinken. Für 2013 rechnen die Haspa Analysten für den Währungsraum beim Wachstum des BIP bestenfalls mit einer "schwarzen Null", da Frankreich voraussichtlich stagniert und mit Italien und Spanien zwei der vier großen Euro-Länder in der Rezession verharren werden.

Staatsschuldenkrise: Die rezessiven Kräfte haben immer noch die Oberhand
Die europäischen Staatshaushalte sind noch immer defizitär. Selbst Deutschland wird im Jahr 2013 voraussichtlich noch 17 Mrd. Euro neue Schulden am Kapitalmarkt aufnehmen. Dabei geht die Neuverschuldung insgesamt stark zurück. Das Haushaltsdefizit der gesamten Euro-Zone dürfte aus Sicht der Haspa Analysten im Jahr 2013 auf 2,6 Prozent des BIP sinken (2011: 4,1 Prozent, 2012e: 3,3 Prozent). Die gesamte Verschuldung aller 17 Länder der Euro-Zone wird jedoch voraussichtlich auf 94,5 Prozent des BIP ansteigen (2011: 88,1 Prozent, 2012e: 92,9 Prozent). Ursache für den Anstieg ist die anhaltende Rezession in mehreren Mitgliedsländern. Erst 2014 rechnet die EU-Kommission mit einem leichten Rückgang der Staatsschuldenquote.

In den vergangenen Monaten meldeten einige europäische Länder  erste bescheidene Erfolge ihrer Konsolidierungsprogramme, die sich auch in 2013 fortsetzen dürften. Und  Griechenland kann zumindest seitens der "Troika" ein "signifikanter Aufholprozess" mit einer im September wieder leicht überschüssigen Leistungsbilanz bescheinigt werden. Dennoch dürfte Griechenland angesichts des riesigen Altschuldenblocks auch nach einer konjunkturellen Genesung auf finanzielle Hilfe von außen angewiesen bleiben.

  • Portugal: Fortschritte bei der Umsetzung der Sparmaßnahmen
    2013 dürfte sich das Haushaltsdefizit auf 4,5 Prozent des BIP belaufen, die Staatsschuldenquote auf 124 Prozent des BIP steigen. Im Jahr 2013 wird Portugal weiterhin in der Rezession verharren.
  • Irland: Auf dem Weg aus der Krise
    Irland weist für 2013 erneut positive Wachstumsraten beim BIP (+1 Prozent) auf. Problematisch bleibt die hohe Verschuldung. Bei einem Haushaltsdefizit von 7,5 Prozent des BIP wird die Schuldenquote aus Sicht der Haspa Experten 2013 auf 123 Prozent des BIP steigen.
  • Italien: Positive Meldungen im Schatten der Parlamentswahlen
    Das Haushaltsdefizit liegt wieder unterhalb von 3 Prozent des BIP. Letzteres dürfte auch 2013 noch schrumpfen, jedoch ab dem zweiten Quartal leicht positive Quartalswachstumsraten verzeichnen. Die im Frühjahr 2013 stattfindenden Parlamentswahlen werden am Kapitalmarkt die Frage in den Vordergrund rücken, ob der harte Reformkurs der Regierung unter Ministerpräsident Monti fortgesetzt wird.
  • Spanien: Deutliche Produktivitätssteigerung
    Ob Spanien auch weiterhin den Gang unter den Rettungsschirm vermeiden kann, bleibt fraglich. Immerhin erhält Spanien 40 Mrd. Euro aus dem ESM für die Rekapitalisierung seines Bankensystems. Das Außenhandelsdefizit verringerte sich in den ersten acht Monaten 2012 um 25 Prozent auf 23,8 Mrd. Euro. Gleichwohl dürfte die konjunkturelle Talfahrt anhalten.

EZB übernimmt die Regie bei der Kriseneindämmung durch Anleihekaufprogramm OMT
Das Programm namens OMT ("Outright Monetary Transactions") sieht vor, unter bestimmten Voraussetzungen in unbegrenzter Höhe Anleihen mit Restlaufzeiten bis zu 3 Jahren zu erwerben. Voraussetzung: Das betreffende Land hat zuvor einen Hilfsantrag gestellt und die Rettungsschirme sind aktiviert. Mögliche Käufe sollen wie bisher umgehend "sterilisiert" werden, d. h. die dem Markt zufließende Geldmenge wird dem Kreislauf an anderer Stelle entnommen. Dadurch bleibt das Geldangebot insgesamt konstant, sodass hieraus keine monetären Inflationsimpulse ausgelöst werden.  Neben dem OMT-Programm dürfte die EZB den Markt mit einer weiteren Reduzierung des Hauptrefinanzierungssatzes (aktuell 0,75 Prozent) stützen. Damit setzt sie ihre extrem expansive Geldpolitik fort.

Deutschland: Konjunkturelle Erholung nach schwachem Winterhalbjahr
Europas größte Volkswirtschaft hatte einen guten Jahresauftakt 2012, verlor allerdings quartalsweise an Schwung. Die Rezession in der Euro-Zone machte sich bemerkbar. Für das Gesamtjahr zeichnet sich lediglich ein Plus von 0,7 Prozent ab. Der ifo Geschäftsklimaindex hat sich im November nach 6 aufeinander folgenden Rückgängen wieder verbessert, während der industrielle Einkaufsmanagerindex weiterhin unterhalb der Wachstumsschwelle liegt. Lediglich das Konsumklima bewegt sich trotz eines leichten Rücksetzers im Dezember  immer noch auf einem sehr hohen Niveau und signalisiert auch für 2013 einen klar positiven Wachstumsbeitrag des privaten Verbrauchs. Positive Impulse sind im neuen Jahr auch von den Bauinvestitionen zu erwarten, wo der Wohnungsbau als Wachstumstreiber fungiert. Er profitiert vom niedrigen Zinsumfeld und der höheren Nachfrage nach Sachwerten. Moderat steigende Exporte dürften von stärker zulegenden Importen begleitet werden und den Außenbeitrag (Export minus Import) gegenüber 2012 etwas reduzieren.

In der Annahme einer Erholung der industriellen Frühindikatoren sowie einer Belebung der Weltwirtschaft sollte dem schwachen Winterhalbjahr ein moderater Aufschwung folgen. Alles in allem zeichnet sich aus Sicht der Haspa Analysten für Deutschland jedoch auch für 2013 nur ein Zuwachs des BIP zwischen 0,5 und 1,0 Prozent ab.

Verbraucherpreise bleiben auch 2013 stabil
Die Inflationsraten dürften im nächsten Jahr in Deutschland und in der Euro-Zone bei etwa 2 Prozent liegen.

Aufwärtstrends am Aktienmarkt, der DAX hat Potenzial bis zu 8.500 Punkten
Für einen nachhaltigen Stimmungsumschwung unter den Investoren sorgte abermals die EZB. Ihre Ankündigung, Staatsanleihen in unbegrenzter Höhe zu erwerben, sorgte für eine deutliche Erleichterung. Die Wiederwahl von US-Präsident Obama und ein weiteres Ankaufprogramm der US-Notenbank flankierten die einsetzende Aufwärtsbewegung am Aktienmarkt. Während der DAX per Anfang Dezember Zugewinne von rund 26 Prozent zu verzeichnen hatte, lag das Plus beim Deutschen Midcap Index (MDAX) bei etwa 31 Prozent. Für den DAX sehen die Haspa Analysten ein Kurspotential von bis zu 8.500 Punkten.

US-Notenbank: Preisniveaustabilität und Vollbeschäftigung im Fokus
Die Strategie der Fed sieht vor, über niedrige Zinsen und eine höhere Kreditvergabe die gesamtwirtschaftliche Nachfrage anzukurbeln. Vor diesem Hintergrund wird sie noch bis Ende 2012 kurzfristige Anleihen in langfristige Staatsanleihen tauschen ("Operation Twist"). Seit Oktober kauft sie pro Monat für 40 Mrd. US-Dollar hypothekenbesicherte Anleihen.

USA: Gute Voraussetzungen für Wachstum
Eine kräftige Erholung verzeichnet der US-Immobilienmarkt. Am Arbeitsmarkt verläuft hingegen der Aufschwung eher schleppend. In den vergangenen Monaten ist die Anzahl neuer Arbeitsplätze spürbar gestiegen, während sich die Arbeitslosenquote nur moderat ermäßigte. Im November sind durch Hurrikan "Sandy" vermutlich deutlich weniger Arbeitsplätze entstanden.

Angesichts der ungelösten Frage der "fiskalischen Klippe" (zum Jahresende auslaufende Steuervergünstigungen und Sonderzahlungen mit einem Volumen von 607 Mrd. US-Dollar entsprechend einer Höhe von 4 Prozent des US-BIP) dürfte der Einkaufsmanagerindex die Wachstumsschwelle zunächst nicht nachhaltig überschreiten.

Anlagestrategie
Für 2013 erwarten die Haspa Analysten ein gutes Aktienjahr. Eindeutig für Aktien spricht derzeit die deutlich höhere Dividendenrendite gegenüber der Rendite von Unternehmensanleihen sowie bonitätsstarken Pfandbriefen und Staatsanleihen. Mit erfreulichen Kurssteigerungen im zweistelligen Prozentbereich ist in 2013 zu rechnen.
Für den Anleger ergeben sich weiterhin zwei Möglichkeiten: Entweder nimmt man den schleichenden Vermögensverlust hin (Stichwort: Finanzrepression) oder aber es erfolgt eine Umschichtung von "sicheren" Festverzinslichen in andere Anlageklassen, die allerdings größeren Schwankungen unterworfen sind. Favorisiert werden dabei Anlagen mit hoher Substanz und größtmöglichem Inflationsschutz. Hierzu zählen im liquiden Segment vor allem Aktien. Bei einer weiter gefassten Vermögensallokation sind es zudem die Immobilien. Positive Ergebnisbeiträge erwarten die Haspa Experten darüber hinaus von Engagements in Gold. Insbesondere aus Überlegungen der Depotstabilisierung, aber auch unter Qualitätsaspekten empfehlen die Analysten die Beimischung von fundamental starken Währungen.
Zur Verstetigung und Anhebung der laufenden Depotrendite gelten auch Discountstrategien und Aktienanleihen als interessant.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Segment der festverzinslichen Wertpapiere die eigentliche Herausforderung für den Kapitalanleger darstellt. Da eine positive Realverzinsung mit deutschen Pfandbriefen und Staatsanleihen nicht mehr realisierbar ist, empfehlen die Haspa Analysten eine Umschichtung in substanzstarke Anlagen.

  • Aktien:
    Der Anlageklasse Aktien kommt im Börsenjahr 2013 angesichts des beschriebenen Phänomens der Finanzrepression eine besondere Bedeutung zu. Dabei kommt es auf eine gesunde Mischung an. Einen weltweiten Ansatz verfolgen die Experten der Haspa in Bezug auf dividendenstarke Titel. Im Speziellen erscheint auf europäischer Ebene eine Investition in kleinere Unternehmen (Small Caps) aussichtsreich, ferner auch hoch kapitalisierte US-Werte in Form einer breit diversifizierten Fondslösung, die ergänzend dazu gewählt werden kann - immer mit Blick auf das jeweilige, individuelle Risikoprofil.
  • Alternative Investments:
    Den Schwerpunkt bilden Engagements in physisch hinterlegten Goldinstrumenten. Das gelbe Edelmetall profitiert direkt von der extremen Expansion der Geldpolitik der Notenbanken.
  • Anleihen:
    Im Umfeld einer Finanzrepression steht die Anlageklasse Anleihen vor besonderen Herausforderungen: In vielen Segmenten liegen die Nominalrenditen weit unter den Inflationsraten, so dass ein reiner Kapitalerhalt auch vor Steuern nicht mehr möglich ist. Hauptaufgabe des Anleiheanteils ist derzeit nicht die Renditemaximierung, sondern die Depotstabilisierung.
    Gerade in Zeiten, in denen andere schwankungsanfälligere Anlageklassen wie Aktien die Sicherstellung des realen Kapitalerhalts übernehmen müssen. Eine wichtige Funktion besitzen hierbei die Fremdwährungsanleihen, also Anleihen guter und sehr guter Bonität in Währungen von Staaten mit einem positiven Leistungsbilanzsaldo sowie Wirtschaftswachstum wie Norwegen, Schweden, Kanada, Australien, Neuseeland, China und Singapur.
    Den größten Anteil der 2013er Aufstellung im Rentenbereich lassen die Haspa Analysten den Unternehmensanleihen zukommen. Während Staatsanleihen weniger interessant werden, genießen Anleihen von Unternehmen verschiedenster Segmente eine zunehmende Akzeptanz bei den Investoren. Als besondere Form empfehlen die Haspa Analysten hier die Beimischung von Unternehmensanleihen aus den Emerging Markets.