Pressemeldung

Kapitalmarktausblick 2014.

Hamburg, 13.12.2013 - Kapitalmarktausblick 2014: "Kontrollierte Offensive“.

Weltwirtschaft schaltet einen Gang hoch: Zunehmende konjunkturelle Dynamik
Der internationale Währungsfonds (IWF) erwartet für 2014 eine Wachstumsrate des globalen Bruttoinlandprodukts von 3,6 Prozent. Damit würde die Weltwirtschaft in den Normalmodus der Jahre 1995 bis 2004 zurückkehren. Die stärksten Veränderungen werden die Industrieländer verzeichnen (+2,0 Prozent nach 1,2 Prozent), während den Schwellenländern lediglich eine Steigerung ihrer Wirtschaftsleistung von 4,5 auf 5,1 Prozent zugetraut wird.

Euro-Zone: Rückkehr auf moderaten Wachstumspfad
Eine Richtungsänderung erfolgt in der Euro-Zone. Sie hat im Frühjahr 2013 die Rezession beendet und erwartet im neuen Jahr wieder eine klar positive Wachstumsrate. Das BIP dürfte im Währungsraum um knapp 1,0 Prozent zulegen. Mit Ausnahme von Zypern und Slowenien zeichnen sich in allen Ländern der Euro-Zone zumindest leicht positive Wachstumsraten ab.

Deutschland bleibt Motor des europäischen Wachstums
Die stabile Verfassung des Arbeitsmarktes stärkt den privaten Verbrauch, der mit rund 57 Prozent die bedeutendste Komponente des BIP darstellt. Neben den privaten Konsumausgaben dürfte sich nach Ansicht der Haspa Analysten die Investitionstätigkeit zur zweiten Säule des Wachstums entwickeln. Die Wachstumsrate des BIP wird 2014 nach Einschätzung der Haspa Experten zwischen 1,0 und 1,5 Prozent liegen.

USA: Voraussetzungen für kräftigen Aufschwung liegen vor
Stabile Energiepreise, moderate Löhne, niedrige Zinsen und die begonnene Re- Industrialisierung sollten der Konjunktur auf die Überholspur helfen. Die Zuwachsrate des BIP in 2014 wird nach Ansicht der Haspa Analysten stark davon abhängen, ob es der US-Politik gelingt, einen mehrheitsfähigen Kompromiss im Haushaltsstreit zu erreichen. In diesem Fall könnte das BIP um 2,0 Prozent bis 2,5 Prozent wachsen.

China: Umstrukturierung kostet Wachstum
Die Umstrukturierung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt durch die neue politische Führung wird nach Einschätzung der Haspa Analysten die chinesische Volkswirtschaft langfristig auf ein solides Fundament stellen. Sie bringt jedoch auch eine Abkehr von den früher üblichen zweistelligen prozentualen Wachstumsraten mit sich. Das BIP dürfte 2014 um 7,5 bis 8,0 Prozent zulegen. In den nächsten Jahren dürften die Zuwachsraten voraussichtlich kaum über die Marke von 7 Prozent hinausgehen.

Die Deflationsängste verflüchtigen sich
Der Anstieg der Verbraucherpreise hat sich in den vergangenen Monaten weiter verlangsamt. Die Europäische Zentralbank hält eine Teuerungsrate von „nahe, aber unter 2 Prozent“ für ideal. Die Notenbanken in den USA, Japan und Großbritannien sehen Preisstabilität bei einer Inflationsrate von 2 Prozent gewährleistet. In der Annahme, dass sich die konjunkturelle Erholung in den Ländern der Euro-Zone fortsetzt, sollte die mehrjährige Phase sinkender Löhne auslaufen. Die Inflationsraten in Deutschland und der Euro-Zone 2014 werden auf jeweils 1,5 Prozent geschätzt.

US-Notenbank beginnt mit Eingrenzung ihrer Anleihenkäufe („Tapering“)
Als wahrscheinlichster Termin für das Tapering erscheint die Notenbanksitzung Mitte März. Bis dahin ist der Wechsel an der Notenbankspitze (1. Februar: Yellen für Bernanke) vollzogen und auch die US-Politik dürfte einen Haushaltskompromiss gefunden haben. Sollte allerdings die kritische Grenze, also der Wert der Arbeitslosenquote, bei der die Eingrenzung beginnen kann, von 7,0 auf 6,0 Prozent oder darunter gesenkt werden, dürfte das Taperung erst in der zweiten Jahreshälfte oder noch später beginnen.

Europäische Zentralbank stellt zusätzliche Liquidität bereit
Die EZB hat Anfang November den Hauptrefinanzierungssatz auf 0,25 Prozent reduziert. Zugleich versprach sie, ihn für längere Zeit auf diesem Niveau oder darunter zu belassen. Selbst ein Nullzins ist damit nicht ausgeschlossen, wenngleich wenig wahrscheinlich. Die EZB hat darüber hinaus beschlossen, dem Bankensystem noch mindestens bis Mitte 2015 soviel Liquidität zur Verfügung zu stellen, wie gewünscht wird. Die Signale sind eindeutig: Die Geldmarktsätze werden von der EZB für längere Zeit auf dem Niveau nahe Null verankert. Gleichzeitig soll ein übermäßiger Anstieg der Renditen langfristiger Staatsanleihen verhindert werden. Bei den Bundesanleihen ist daher im neuen Jahr nach Einschätzung der Haspa Analysten lediglich ein begrenzter Renditeanstieg realistisch. Bei den südeuropäischen Staatsanleihen dürfte der Renditetrend weiter leicht abwärts gerichtet bleiben.

Das Hauptproblem der EZB besteht weiterhin darin, dass ihre sehr expansive Geldpolitik nicht zu einer verstärkten Kreditvergabe in den südeuropäischen Ländern führt. Dies dürfte erst der Fall sein, wenn die betreffenden Banken ihre Eigenkapitalausstattung nennenswert verbessert haben und sie die Gewissheit haben, das niedrige Zinsniveau werde noch längere Zeit bestehen bleiben. Um dies zu fördern, könnte die EZB der jüngsten Leitzinssenkung bald ein weiteres mehrjähriges Liquiditätsgeschäft folgen lassen. Die Einführung eines negativen Einlagenzinses dagegen halten die Experten der Haspa für wenig wahrscheinlich.

Währungen: Der US-Dollar wird sich deutlich erholen, Euro am Jahresende bei 1,30 USD
Der US-Dollar besitzt nach Einschätzung der Haspa Analysten Aufwertungspotenzial. Der Euro sollte sich daher im Laufe des Jahres 2014 wieder in den Bereich von 1,30 USD oder darunter begeben.

Rohstoffe: Ölpreis leicht abwärts, Metallpreise seitwärts, Gold leicht aufwärts
Der Ölpreis bleibt leicht abwärts gerichtet zwischen 90 und 120 USD pro Barrel. Die Industriemetallpreise bewegen sich auf ermäßigtem Niveau seitwärts. Die Perspektiven für den Goldpreis sind gemischt. Auf Jahressicht sind Stände um 1.300 USD pro Unze erreichbar.

Anleihenmarkt: Positive Realverzinsung möglich
Länger laufende Anleihen werfen eine höhere Rendite ab als kurz laufende Papiere. Dieser Effekt dürfte sich im Laufe des Jahres 2014 eher noch verstärken. Der Zinsstruktureneffekt ermöglicht auch bei leicht steigenden Renditen einen positiven Ertrag im mittleren Laufzeitensegment. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sollte 2014 zwischen 2,00 Prozent und 2,50 Prozent pendeln und am Jahresende bei etwa 2,40 Prozent stehen.

Europäische Staatsanleihen
Nach der Ankündigung der EZB im Sommer 2012, unter bestimmten Voraussetzungen Staatsanleihen von Euro-Staaten in unbegrenzter Höhe anzukaufen, haben sich die Renditeaufschläge der bonitätsschwächeren Länder deutlich eingeengt.

Mittlerweile sind die Aufschläge auf einem niedrigen Niveau angelangt, aber immer noch attraktiv, wenn man unterstellt, dass es nicht zu Ausfällen kommt. Wichtig ist, dass die Reformen erfolgreich fortgesetzt werden und der europäische Einigungsprozess nicht umgekehrt, sondern eher vertieft wird. Wegen der recht unterschiedlichen Situation in den einzelnen Ländern eignen sich diese Anleihen partiell als Beimischung. Interessant erscheinen uns mit den verbesserten Rahmendaten Irland und (mit Abstrichen) Spanien sowie wegen der immer noch hohen substanziellen Kraft (geringe Privatverschuldung, Primärüberschuss im Staatshaushalt, Rentensystem) auch Italien.

Unternehmensanleihen
Ein wichtiges Segment bleiben Anleihen, sowohl von Industrieunternehmen als auch von Banken. Bei Anleihen von Industrieunternehmen sind die Zinsaufschläge deutlich zurückgegangen. Seit Sommer 2012 und speziell seit Frühjahr 2013 gilt dies auch für Unternehmen mit Hauptsitz in Südeuropa. Im Bereich mindestens befriedigender Bonitäten reichen die Risikoaufschläge jedoch noch aus, um die möglichen geringen Ausfälle zu kompensieren.

Die starken Spread-Bewegungen im Jahr 2013 haben allerdings gezeigt, dass ein temporäres Investment in diesem Bereich auch in einem scheinbar ausgereiften Umfeld sehr attraktiv sein kann. Schon aus Diversifikationsgründen bleibt das Segment eine Beimischung. Bei Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern halten wir das Chance-Risiko-Verhältnis derzeit für unattraktiv.

Aktienmarkt: DAX-Potenzial bis um 10.000 Punkte
Der Deutsche Aktienindex (DAX) hat 2013 neue historische Höchststände markiert. Ein Teil dieser fulminanten Wertentwicklung ging dabei auf das Konto der Notenbanken, die mit ihrer ultra-lockeren Geldpolitik die Rallye beflügelt haben. Die Haspa Analysten prognostizieren eine Zunahme der Gewinne des DAX und der Euro Stoxx 50 Unternehmen um jeweils rund 10 Prozent. Das Potenzial des DAX reicht nach Einschätzung der Experten der Haspa bis etwa 10.000 Punkte, das des Euro Stoxx 50 Index bis in den mittleren 3.000er Bereich.

Anlagestrategie: Kontrollierte Offensive durch Diversifikation und aktive Gewinnabsicherung
Auf der einen Seite bereitet das fundamentale Umfeld mit dem Ausblick auf eine freundliche globale Konjunkturentwicklung sowie einem weiteren Anstieg der Unternehmensgewinne in 2014 den Nährboden für eine steigende Zuversicht und ist Rechtfertigung für eine offensivere Gangart. Auf der anderen Seite bleiben alte Herausforderungen bestehen und neue zeichnen sich ab. So plagen westliche Industriestaaten unvermindert hohe Staatsschulden. Die Politik ist bemüht, aber bislang unverzichtbar auf die Unterstützung der Notenbanken angewiesen. Letztere geben weiterhin Richtung und Taktzahl an den Märkten vor. Für die Anlagestrategie heißt das im Ergebnis, dass 2014, insbesondere bei festverzinslichen Wertpapieren, noch anspruchsvoller wird, und zwar mit Blick auf den Ertrag und das Risikomanagement. „Anlage muss sich unter Einbeziehung der Inflation lohnen“ - diesem Anspruch kann nach Ansicht der Haspa Analysten nur mit Mut und konsequenter Kontrolle der Portfoliorisiken begegnet werden.