Pressemeldung

L(i)ebenswertes Hamburg.

Familienfreundlichkeit als Standortfaktor: Hamburg holt auf.

  • Wohnen für Familien in Hamburg trotz steigender Mieten noch relativ günstig
  • Viele Erholungsflächen schaffen hohen Freizeitwert
  • Ganztagsbetreuungsangebote für Kinder bis 14 Jahren werden weiter ausgebaut
  • Bildungsbereich bleibt trotz Fortschritten ein zentrales Handlungsfeld –  Umland schneidet insbesondere beim Schulischen Lernen besser ab
  • Hohe Kriminalitätsraten und mangelnde Sicherheit im Straßenverkehr

Hamburg, 06. August 2012 – Beim Vergleich der Familienfreundlichkeit in deutschen Metropolen schneidet Hamburg häufig im Mittelfeld ab. Punkten kann Hamburg mit seinen Erholungsflächen. Auch im Bereich Wohnen steht Hamburg trotz steigender Mieten noch vergleichsweise gut dar. Ein zentrales Handlungsfeld bleibt der Bildungsbereich. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "L(i)ebenswertes Hamburg", die das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) im Auftrag der Haspa durchgeführt hat.

"Für eine dauerhafte Attraktivität für jüngere Einwohner und Familien fällt der Stärkung der Familienfreundlichkeit eine wichtige Rolle zu. Dies hat direkten wirtschaftlichen Nutzen für Hamburg als Wirtschaftsstandort. Familien sorgen für höhere Geburtenzahlen und verjüngen das Arbeitskräfteangebot. Zudem können durch einen Ausbau der Kinderbetreuungsangebote Eltern besser für den Arbeitsmarkt aktiviert werden,“ sagt Dr. Silvia Stiller, Forschungsdirektorin am HWWI.

Hamburg hat das Ziel, kinder- und familienfreundlichste Stadt in Deutschland zu werden. Hamburg und seine Unternehmen konkurrieren mit anderen deutschen Städten und Regionen um Einwohner und qualifizierte Mitarbeiter, die zur Sicherung und Stärkung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Hansestadt benötigt werden. Deshalb muss die Hansestadt der Abwanderung entgegenwirken und attraktiv für Zuziehende bleiben. Jährlich ziehen mit rund 100.000 Menschen etwa 12.000 mehr in die Stadt, als abwandern – die Hälfte davon zwischen 18 und 45 Jahren alt.

Ein wichtiger Baustein bei der Beurteilung der Familienfreundlichkeit ist die Qualität und die Verfügbarkeit von Bildungseinrichtungen am Wohnort. "Hamburg hat hier zwar Fortschritte erzielt, jedoch waren andere Bundesländer deutlich dynamischer. Dass die Hansestadt beim Schulischen Lernen im Städtevergleich sogar das Schlusslicht bildet, ist besorgniserregend. Hinzu kommt, dass auch das Umland gegenüber Hamburg punkten kann und somit weitere Abwanderungen drohen“, erläutert Dr. Harald Vogelsang, Vorstandssprecher der Haspa. "Familien sind die Zukunft unserer Stadt. Deshalb muss weiter in Bildungsangebote investiert werden.“

Im Rahmen der HWWI-Studie wurde die Familienfreundlichkeit in Hamburg, Berlin, München, Köln, Frankfurt/Main und Stuttgart untersucht und miteinander verglichen. Betrachtet wurden Aspekte der Kinderbetreuung, der Bildung und des Wohnumfeldes.

Hamburg investiert in die Kinderbetreuung
Bei der Ganztagsbetreuung der unter 3-jährigen Kinder erreicht Hamburg nach Berlin den zweiten Platz im Städtevergleich. Das Schlusslicht bildet die Hansestadt hingegen bei den 3- bis unter 6-jährigen Kindern. Aber: Bei der Betreuung der unter 6-jährigen wurden in den vergangenen Jahren insgesamt erfreuliche Fortschritte erzielt. Neben Köln setzt Hamburg bei der Betreuung der unter 6-jährigen stärker als die anderen Städte auf die Tagespflege, die für die öffentliche Hand nur 40 % der Kosten einer Betreuung in einer Tageseinrichtung ausmachen.

Weiter erheblicher Handlungsbedarf im Bildungsbereich
Der Anteil der Schulabgänger ohne Schulabschluss konnte in den vergangenen fünf Jahren von 11,5 % auf 7,6 % verbessert werden. Dennoch gibt es im Bereich Bildung nach wie vor einen hohen Nachholbedarf. In Hamburg zeigt sich dieser, ähnlich wie in Berlin, vor allem bei der mangelnden Qualität des Schulischen Lernens.

Für Hamburg besteht das Risiko, dass Familien dauerhaft ihren Wohnsitz von der Großstadt ins Umland verlagern, da sie dort bessere Bildungsangebote vorfinden. Bewertungen der Lernbedingungen vor Ort können auf Basis des Lernatlasses vorgenommen werden. In ihm erzielen alle umliegenden Landkreise bei dem für Familien besonders relevanten Schulischen Lernen positivere Beurteilungen als die Hansestadt. Bis auf die weiter entfernt liegenden Landkreise Lüneburg und Stade punktet das Umland auch beim Beruflichen Lernen. Im Vergleich zu Hamburg erzielen die Landkreise Stormarn und Bad Segeberg besonders hohe Werte in beiden Kategorien.

Sorgen bereiten die Kriminalität und die Verkehrssicherheit
Nur Köln verzeichnet mehr Kriminalitätsdelikte als Hamburg, während die beiden süddeutschen Metropolen hier glänzend da stehen. Auch im Bereich der Verkehrssicherheit erreicht die Hansestadt nur einen vierten Platz.

Pluspunkte für Hamburg: Erholungsflächen, Freizeitmöglichkeiten, Wohnen
Hamburg bietet nach Köln die meiste Erholungsfläche pro Kopf. Auch im Bereich der Verfügbarkeit und bei den Kosten für Eigenheime gestaltet sich die Situation für Familien in der Hansestadt positiv. Der Anteil der Wohnungen mit vier oder mehr Räumen ist hoch. Dafür müssen sich die Hamburger im Städtevergleich mit der geringsten Wohnfläche pro Einwohner zufrieden geben. Noch lässt es sich in Hamburg im Durchschnitt günstiger als beispielsweise in Frankfurt und München leben. Steigende Mieten können die Lebenshaltungskosten für Familien aber in die Höhe treiben und den Vorsprung bald abbauen.

Die Studie steht hier zum Download bereit.