Pressemeldung

L(i)ebenswertes Hamburg.

Hamburg entwickelt weiter steigende Pendlerströme.

  • Wege zur Arbeit werden immer länger und zeitintensiver
  • Anteil der Berufspendler nimmt konsequent zu
  • Auto und ÖPNV dominieren, Radfahrer und Fußgänger unterrepräsentiert

Hamburg, 12. Dezember 2013 – Die Pendlerströme in Hamburg nehmen immer weiter zu. Im vergangenen Jahr wurden 321.000 Einpendler und 102.000 Auspendler gezählt, die täglich berufsbedingt die Stadtgrenze überqueren.

Dieser Trend wird sich in den kommenden Jahren fortsetzen und die Verkehrsinfrastruktur stark belasten, prognostiziert die aktuelle Haspa-Studie "Berufspendler in der Metropolregion“, die das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut im Auftrag der Hamburger Sparkasse erstellt hat. Kapazitätserweiterungen werden kaum zu Entlastungen führen. Gefragt sind intelligente Verkehrskonzepte, die die Pendelgewohnheiten dauerhaft verändern.

Wohnen im Umland, Arbeiten in der Stadt – diese Formel liegt in Hamburg weiter im Trend. 321.000 Berufstätige pendelten 2012 täglich in die Hansestadt - 35,5 Prozent mehr als 1989. Damit wohnt heute schon mehr als jeder dritte Hamburger Beschäftigte (37,6 Prozent) vor den Toren der Stadt. Doch auch in der Gegenrichtung wird es immer enger. Die Gruppe der „antizyklischen Pendler“, die tagsüber die Stadt verlassen, verdoppelte sich im gleichen Zeitraum auf 102.000 Personen. Auch bei ihnen ist weiterhin mit einem Anstieg zu rechnen, weil nicht nur der Wohnraum innerhalb Hamburgs knapper wird, sondern auch die Gewerbeflächen. Betriebe siedeln sich daher zunehmend in der Peripherie an und ziehen Arbeitskräfte nach.

Neben verstopften Ein- und Ausfallstraßen wirkt sich dieser Trend unmittelbar auf die Wegstrecken und Wegezeiten in Hamburg aus. Fast jeder zweite Hamburger Erwerbstätige (43,1 Prozent) benötigt heute über 30 Minuten, um zur Arbeitsstelle zu gelangen - 4,7 Prozent mehr als 2008. 42,2 Prozent müssen mehr als zehn Kilometer pro Strecke fahren. In Deutschland waren nur die Berliner länger unterwegs. Entsprechend klein ist die Gruppe der Kurzsteckenpendler mit Arbeitswegen unter 5 km (28,3 Prozent), Fußgänger (6,5 Prozent) und Radfahrer (9 Prozent), die in Hamburg im Bundesvergleich jeweils stark unterdurchschnittlich repräsentiert sind.

„Die Zahlen zeigen, wie wichtig integrierte Verkehrskonzepte für Hamburg sind, die es dem Berufstätigen ermöglichen, auch längere Strecken in der Stadt mit intelligent vernetzten Verkehrsmitteln zurückzulegen“, unterstreicht Dr. Harald Vogelsang, Vorstandssprecher der Hamburger Sparkasse. „Als Bank für die Bürger der Metropolregion und einer der größten Arbeitgeber Hamburgs wissen wir, wie wichtig eine gute Infrastruktur für die Attraktivität der Stadt und seine Unternehmen ist.“ Aktuell engagiert sich die Haspa unter anderem als Finanzierungspartner der Aktion „1.000 E-Mobile für das Hamburger Handwerk“ und stellt eines der größten Teams bei der Kampagne „Mit dem Rad zur Arbeit“.

Hamburg fährt Bus und Bahn
Während 43 Prozent aller Hamburger mit dem Auto zur Arbeit fahren, sind die öffentlichen Verkehrsmittel weiter auf dem Vormarsch. 2012 nutzten 41,2 Prozent der Berufspendler den ÖPNV - ein Plus von 2 Prozent gegenüber 2008 und 4,4 Prozent über dem Bundesschnitt. Im Metropolenvergleich fällt dabei die intensive Busnutzung (13,2 Prozent) auf, die auf den Straßen zu Engpässen mit entsprechendem Handlungsbedarf (z. B. Busbeschleunigungsprogramm) führt. Auf Bahn, U- und S-Bahn entfallen 18,6 Prozent. Flaschenhals ist hier der Hamburger Hauptbahnhof. Ein Großteil der Umlandpendler trifft auf den weiterhin steigenden Güterverkehr und viele Fernpendler. Allein aus der Stadt Norderstedt kommen täglich über 15.000 Pendler nach Hamburg - über die Hälfte der dort gemeldeten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.

Klasse statt Masse
Das HWWI prognostiziert, dass der Berufsverkehr in der Metropolregion spätestens im Jahr 2020 einen Scheitelpunkt erreicht. Dann beginnen die geburtenstarken Jahrgänge in Rente zu gehen, und der Anteil der Beschäftigten sinkt. „Das Modell reiner Schlafstädte im Umland wird es dann aus verschieden Gründen nicht mehr geben“, erklärt HWWI-Direktor Prof. Dr. Thomas Straubhaar. „Die Energiepreise werden zu hoch sein. Der Anteil berufstätiger Frauen steigt und erfordert eine engere Verzahnung von Familie und Beruf. Zudem sinkt die Zahl der Personen pro Haushalt, sodass das klassische Einfamilienhaus am Stadtrand seine Anziehungskraft verliert.“

Das HWWI empfiehlt, den Investitionsschwerpunkt auf den ÖPNV und die Fahrradinfrastruktur zu legen - nicht zuletzt, weil das Automobil bei kommenden Generationen Bedeutung einbüßt. Zudem solle verstärkt in den Erhalt der bestehenden Infrastrukturen investiert werden. Mit Kapazitätserweiterungen werden sich die gewünschten Effekte nicht erzielen lassen. Erfolgversprechender sind Steuerungs- und Vernetzungsmaßnahmen, die die Pendlergewohnheiten langfristig verändern und flexibel auf neue Siedlungsstrukturen und Arbeitserfordernisse reagieren können. Ausgangspunkt aller Überlegungen sollten nicht Transportmittel, sondern Personen mit ihren individuellen Transporterfordernissen sein.

„Maut, Pendlerpauschale, kostenpflichtige Park & Ride-Parkplätze - derzeit sind eine Menge Maßnahmen im Gespräch, die sich kurzfristig auf die Verkehrsströme auswirken würden“, so Straubhaar. „Umso wichtiger ist es, dass Angebote wie Car-Sharing- und Stadtrad-Systeme bereit stehen, die Alternativen bieten.“

Haspa Hamburg-Studie V
Hamburg entwickelt weiter steigende Pendlerströme – Die Pendlerströme in Hamburg nehmen immer weiter zu.

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