Pressemeldung

Bildungsstudie für Hamburg und Schleswig-Holstein.

Haspa stellt Bildungsstudie für Hamburg und Schleswig-Holstein vor: Empfehlungen für mehr länderübergreifende Kooperationen.

  • Zahlreiche Ansatzpunkte für eine bessere Zusammenarbeit der beiden Länder in den Bereichen Schulen, berufliche Bildung und Hochschulen
  • Mehr Spezialisierung macht Hochschulen wettbewerbsfähiger
  • Integration von niedrig qualifizierten Schulabgängern verbessern, hier liegt Schleswig-Holstein deutlich vor Hamburg

Hamburg, 1. November 2012 - Die Hamburger Sparkasse hat eine Studie zum Bildungsraum Hamburg und Schleswig-Holstein in Auftrag gegeben. Darin zeigen Wissenschaftler des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) und des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel Chancen auf, mit denen sich das Bildungssystem in den beiden Bundesländern zukunftsfähig aufstellen kann. Es gebe erhebliche Potenziale für Kooperationen. Zudem sei - insbesondere im Bereich der Hochschulen - eine Spezialisierung sinnvoll.

Hamburg und Schleswig-Holstein stehen vor großen Herausforderungen: Der demografische Wandel und Veränderungen in der Wirtschafts- und Berufsstruktur werden es erforderlich machen, die Bildungssysteme für einen klugen Einsatz vorhandener Ressourcen zu rüsten und über attraktive Bildungsgänge weitere qualifizierte Arbeitskräfte an den norddeutschen Raum zu binden. Die Analyse von HWWI und IfW macht deutlich, dass eine länderübergreifende Zusammenarbeit im Bildungsbereich auf zahlreichen Feldern gewinnbringend sein kann. Sowohl in der beruflichen Bildung als bei den Hochschulen bestehen zahlreiche Ansatzpunkte für Kooperationen, um den norddeutschen Raum noch zukunftsorientierter und wettbewerbsfähiger aufzustellen.

Mit guter Bildung den Grundstein für die Zukunft legen
"Gute Bildung sichert Arbeit und Wohlstand", sagte Haspa-Vorstandssprecher Dr. Harald Vogelsang. "Mit einer fundierten Ausbildung legen wir den Grundstein für die Zukunft - wir als Gesellschaft, aber auch jeder Einzelne für sich." Hamburg und Schleswig-Holstein arbeiten bereits auf zahlreichen Ebenen zusammen: Es gibt zum Beispiel gemeinsame Behörden wie das Statistikamt Nord oder eine gemeinsame Vertretung in Brüssel. Das Potenzial für weitere und stärkere Kooperationen sei aber größer. Die zur Verfügung stehenden Mittel könnten in Zukunft durch eine weitere Zusammenarbeit und gemeinsame Angebote gezielter eingesetzt werden. "Mit der Studie möchten wir die beiden Länder bei ihren Kooperationsbestrebungen und der Verbesserung des Bildungssystems unterstützen", unterstrich Vogelsang.

"Auf den Arbeitsmärkten wird sich die sektorale Verschiebung hin zu den Dienstleistungen weiter fortsetzen, zugleich werden wissensintensive, hoch spezialisierte Tätigkeiten zulasten einfacher Tätigkeiten stärker nachgefragt werden", sagte Dr. Christina Boll, Senior Economist und Leiterin des Themenfeldes "Erwerbstätigkeit und Familie" am HWWI. Die Wettbewerbsfähigkeit der norddeutschen Wirtschaft hänge künftig stärker von einem funktionsfähigen und an den Markterfordernissen orientierten beruflichen Bildungssystem ab.

Während in Schleswig-Holstein derzeit in den meisten Berufsbereichen Stellenknappheit herrsche und nur Rohstoffgewinnungs- und Fertigungsberufe sowie Berufe im Bereich Logistik/Verkehr eine ausreichende Nachfragedeckung aufwiesen, gebe es in Hamburg in den Bereichen Naturwissenschaft/Informatik, Unternehmensorganisation/Verwaltung sowie Verkehr/Logistik deutliche Stellenüberhänge: Auf einen Bewerber kommen hier bis zu zwei Stellen.

Schleswig-Holstein integriert Niedrigqualifizierte besser, muss aber mit erheblichem Rückgang der Schülerzahlen insgesamt rechnen
"Hamburgs Auszubildende verfügen über ein höheres durchschnittliches Bildungsniveau als Auszubildende in Schleswig-Holstein", stellte die Wissenschaftlerin fest. "Allerdings gelingt es den Unternehmen in Schleswig-Holstein besser als in Hamburg, Hauptschüler und Schüler ohne Abschluss in die Berufsausbildung zu integrieren." In Hamburg befinde sich ein größerer Teil dieser Schüler in Bildungsgängen des Übergangssystems, die keinen voll qualifizierenden beruflichen Abschluss bieten. Gemeinsamkeiten gebe es bei der unzureichenden Integration junger Menschen mit ausländischer Nationalität in die berufliche Bildung: Der Ausländeranteil liege hier in beiden Ländern weit unterhalb der Bevölkerungsanteile.

Hamburg gehöre zu den wenigen Bundesländern, die bis 2025 mit einem Zuwachs der Schülerzahl an den allgemeinbildenden Schulen rechnen könnten. Bis 2025 werden in Hamburg rund 9.000 Schüler hinzukommen, während die Zahl in Schleswig-Holstein voraussichtlich um rund 73.000 Schüler sinke. An den beruflichen Schulen werde die Schülerzahl in beiden Bundesländern bis 2025 zurückgehen.

Mehr Studienberechtigte
"Der Hochschulsektor profitiert von der steigenden Studienberechtigtenquote. Andererseits bemühen sich auch berufliche Schulen und Ausbildungsbetriebe um qualifizierte Schulabgänger", stellte Prof. Dr. Henning Klodt, Leiter des Zentrums Wirtschaftspolitik am Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW), fest. Hinzu komme der Wettbewerb der Hochschulen untereinander. In Bezug auf Attraktivität belegten die schleswig-holsteinischen Hochschulen in den Augen der Studierenden einen mittleren, die Hamburger einen hinteren Listenplatz. Innerhalb der Länder sei das Bild heterogen: "Es gibt keinen fachübergreifenden Spitzenreiter, eher zeichnen sich relative Stärken und Schwächen in einzelnen Fachgebieten ab", sagte Klodt. So sei in Mathematik und Naturwissenschaften die HAW Hamburg leicht führend, während für Wirtschaftswissenschaften die FH Flensburg die Rangliste beginne. Bei den Juristen liegt die Bucerius Law School klar vorn, während Mediziner die Uni Lübeck schätzen und Ingenieure die Nordakademie Elmshorn. "Grundsätzlich bewerten Studierende ihre Hochschule umso besser, je kleiner die Hochschule ist, je höher ihre fachliche Spezialisierung ist und je günstiger sich das Betreuungsverhältnis darstellt", sagte Klodt. "Es kommt für die Hochschulen darauf an, ihre Stärken zu stärken und sich aus Bereichen, in denen sie Schwächen aufweisen, eher zurückzuziehen." Mit der Strategie "Klasse statt Masse" könne im Wettbewerb mit anderen Hochschulen Boden gewonnen werden. Eine Kooperation auf diesem Gebiet solle nicht größere Einheiten schaffen, sondern einer vertieften fachlichen Spezialisierung dienen.

Effizienzreserven durch Arbeitsteilung und Spezialisierung heben
Insgesamt legt die Studie den Schluss nahe, dass eine länderübergreifende Kooperation im Bildungsbereich gewinnbringend sein könnte. Sowohl unter den Auszubildenden als auch unter den Studienanfängern in Hamburg und Schleswig-Holstein gibt es eine starke Affinität zum norddeutschen Raum. Diese sollten die beiden Länder nutzen, um mit den heutigen qualifizierten Schulabgängern die Fachkräfte von morgen frühzeitig zu binden. Ein wettbewerbsfähiger norddeutscher Arbeitsmarkt wird durch einen gemeinsamen Bildungsmarkt mit gebündelten Kräften gestärkt.

Die vollständige Studie finden Sie hier