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Hamburgs Abhängigkeit von China wächst.

Hamburg, 4. Juni 2012 - Hamburgs Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Entwicklung Chinas wird immer gravierender.

Damit erhöht sich das Risiko, dass konjunkturelle Krisen im Reich der Mitte auf die Metropolregion durchschlagen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Chinas Zukunft - Hamburgs Schicksal“, die das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) im Auftrag der Hamburger Sparkasse durchgeführt hat. China wird zwar auch in den kommenden Jahren der Motor der Weltwirtschaft bleiben. Die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten sind aber vorerst vorbei. "Ohne starkes Wachstum droht der Lebensstandard der chinesischen Bevölkerung im internationalen Vergleich weiter zurückzufallen“, kommentiert HWWI-Direktor Prof. Dr. Thomas Straubhaar die Ergebnisse. "Die Folge wären soziale Spannungen, die das gesamte Land destabilisieren könnten - mit unmittelbaren  Auswirkungen insbesondere für Hamburg als einem der wichtigsten Handelspartner Chinas in Europa.“

Das HWWI rechnet damit, dass die chinesische Handelsbilanz in den Jahren bis 2020 nahezu ausgeglichen sein wird.  Insgesamt wird sich das Wachstum der chinesischen Ex- und Importe in den kommenden Jahren verlangsamen und im einstelligen Prozentbereich bleiben. Die Importe werden dabei sogar leicht über den Exporten liegen.

Hamburg muss sich somit auf deutlich veränderte Handelsströme einstellen. Die Metropolregion wird das verlangsamte Wachstum allerdings durch die steigende Nachfrage nach hochwertigen deutschen Industrieprodukten kompensieren können. Und auch importseitig werden die Wachstumsraten weiter deutlich über den anderer Herkunftsländer liegen.

Mit der veränderten Exportstruktur nimmt die Abhängigkeit der hamburgischen Außenhandels-wirtschaft von den konjunkturellen Entwicklungen in China weiter zu. „Wirtschaftskrisen oder auch ein Wechsel in der der chinesischen Wirtschaftspolitik hätten somit gravierende negative Folgen für die hiesigen Entwicklungen“, so das Fazit des HWWI. So könne beispielsweise das Platzen einer Spekulationsblase auf dem chinesischen Immobilenmarkt das Wachstum leicht auf ein niedriges einstelliges Niveau senken und sich unmittelbar auswirken.

Die veränderten Rahmenbedingen registriert auch die Hamburger Sparkasse, die traditionell einen großen Anteil ihres Auslandsgeschäftes mit China abwickelt. „Trotz der vielen gewachsenen Geschäftsbeziehungen in unserem Kundenstamm und zu unseren chinesischen Korrespondenzbanken sind langfristige Handelsfinanzierungen nach wie vor eine große Herausforderung“, unterstreicht Andreas Mansfeld, Bereichsleiter Unternehmenskunden der Hamburger Sparkasse. „Die Bedeutung Chinas für den Handelsplatz Hamburg ist nicht zu unterschätzen, in Punkto Vertragstreue,  Qualität und Planungssicherheit ist China aber noch lange nicht auf westlichem Standard angekommen. Kreditabsicherungen und stabile Interbankenkontakte bleiben daher zentrale Faktoren, um künftige Turbulenzen zu bestehen.“

Im Jahr 2011 entfielen allein 8,6 % aller Hamburger Exporte auf China. Die Volksrepublik war somit nicht nur der wichtigste asiatische Handelspartner, sondern hatte auch einen etwas größeren Anteil an den Exporten der Hansestadt als Nord- und Südamerika zusammen. Exportseitig dominieren die Erzeugnisse der Luftfahrtindustrie, gefolgt von Metallerzeugnissen (insb. Kupfer) und Chemie (ins. Düngemittel). Der Import ist geprägt von Bekleidung, Schiffen und Elektronik.

Schon heute sind in den für Hamburg relevanten Gütergruppen zum Teil große Schwankungen feststellbar. Hamburgs wichtigstes Exportprodukt, Flugzeuge und Flugzeugteile, wird aber im laufenden Jahrzehnt – trotz wachsender chinesischer Konkurrenz – als stabile Basis erhalten bleiben.

Auch der  Bedarf an Investitionsgütern und hochwertigen Konsumgütern (insb. Automobile, Medizintechnik) wird durch die wachsende Mittelschicht steigen. Die Rolle als Billiglohnland geht hingegen zurück. Entsprechend kann der Bedarf an bestimmten Rohstoffen und Vorprodukten sinken.

Die vollständige Studie finden Sie hier