Pressemeldung

Vermögensbarometer 2017 für Hamburg.

Hamburger sind am zufriedensten mit ihren Finanzen. Höchstes verfügbares Einkommen bundesweit - konjunkturell hinterm Bund.

Finanzen Bundesländervergleich 2017

Beim Thema Finanzen sind die Hamburger die zufriedensten Deutschen. Denn zwei Drittel von ihnen beurteilen ihre eigene finanzielle Situation als gut bis sehr gut. Dies geht aus dem aktuellen "Vermögensbarometer 2017" des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) hervor, das heute vorgestellt wird. Die Hamburger Sparkasse (Haspa) hat die Ergebnisse analysiert und mit Wirtschaftszahlen unterlegt.

Mit 67 Prozent liegt Hamburg  bei der Zufriedenheit bundesweit an der Spitze, deutlich vor Bremen und Hessen.  Der Bundesdurchschnittswert liegt bei 59 Prozent. Was macht die Hamburger so zufrieden? "Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von knapp 111 Milliarden Euro belegte die Freie und Hansestadt Hamburg im vergangenen Jahr zwar nur den neunten Platz unter allen Bundesländern, aber umgerechnet auf die rund 1,8 Millionen Einwohner bleibt Hamburg einsame Spitze. Mit einem BIP je Einwohner von rund 61.000 Euro wurde der bundesdeutsche Durchschnittswert um mehr als 64 Prozent übertroffen. Das zweithöchste Pro-Kopf-BIP hat Bremen, gefolgt von Bayern, Hessen und Baden-Württemberg", rechnet Jochen Intelmann, Chef-Volkswirt der Haspa, vor.

Spitzenplatz bei Bruttolöhnen

Mit dieser weit überdurchschnittlichen Wirtschaftskraft pro Einwohner lässt sich auch der Hamburger Spitzenplatz bei den jährlichen Lohnkosten rechtfertigen: Das Arbeitnehmerentgelt – also die Bruttolöhne und -gehälter vor Abzug von Steuern und Sozialversicherung pro Beschäftigtem – lag im vergangenen Jahr mit 48.000 Euro wieder weit über dem deutschen Durchschnittswert von 41.000 Euro. "Entsprechend hoch fällt auch das verfügbare Einkommen in Hamburg aus: Es lag 2015 mit knapp 24.000 je Einwohner um mehr als zehn Prozent über dem Bundesdurchschnitt und war das höchste im Ländervergleich", stellt Intelmann fest.

Konjunktur: Bund vor Hamburg
Konjunkturell gesehen geht es in Hamburg seit einigen Jahren langsamer voran als im Bundesgebiet. So blieb die reale Wachstumsrate des BIP in Hamburg im vergangenen Jahr mit 1,3 Prozent deutlich hinter dem Wert für ganz Deutschland von 1,9 Prozent zurück. "Dies ist allerdings nicht ungewöhnlich", beruhigt der Chef-Volkswirt. Er sieht den Hamburger Hafen als eine der Ursachen. Der sei vielfältigen Einflüssen ausgesetzt ist, die häufig weder nationalen noch lokalen Ursprungs sind. "So entfalten die Sanktionen gegen Russland – immerhin Hamburgs zweitwichtigster Handelspartner im seeseitigen Containerverkehr – seit Jahren eine Bremswirkung. Dämpfend wirkt auch die noch nicht erfolgte Elbvertiefung. Denn solange die nicht erfolgt ist, können die immer größeren Containerschiffe nicht voll beladen nach Hamburg fahren", erläutert Intelmann. Vor diesem Hintergrund trete der Containerumschlag seit Jahren bei rund 9 Millionen Standardcontainern pro Jahr auf der Stelle, während die Konkurrenz in Rotterdam und Antwerpen Zuwächse verzeichne.

Absicherung im Alter auf hohem Niveau

Der großen Mehrheit der Hamburger geht es finanziell überdurchschnittlich gut – und das soll auch so bleiben. Deshalb haben drei Viertel der Hamburger bereits Maßnahmen zur Absicherung ihrer finanziellen Zukunft ergriffen. Dies ist hinter Bayern (82 %) und Niedersachsen (78 %) der dritthöchste Wert in Deutschland.
Trotz der aktuellen Niedrigzinsphase sind 58 Prozent der Hamburger überzeugt, die gewünschte finanzielle Absicherung im Alter zu erreichen. Das ist bundesweit Platz 4, aber deutlich über dem Durchschnitt von 52 Prozent.

Bei den Hamburgern, die vorsorgen, spielt die Rentenversicherung (51 %) die größte Rolle, gefolgt von Rücklagen auf dem Sparbuch (47 %), selbst genutzten Immobilien (42 %) und Lebensversicherung (41 %). Während diese Werte im Bundesvergleich eher unterdurchschnittlich sind, belegen Hamburger bei Aktien (37 %) und Edelmetallen wie Gold (20 %) Spitzenplätze.

Unter den Hamburgern, die an der Altersabsicherung zweifeln, befürchten 17 Prozent Armut im Alter. Das ist Platz 6 in der von Schleswig-Holstein (22 %) angeführten Liste. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 12 Prozent. "Insgesamt hat ein Viertel aller Hamburger noch keine Vorsorge für das Alter getroffen. Etwa die Hälfte von ihnen ist in der Planungsphase oder hat sich noch nicht damit beschäftigt. Hier gilt es anzusetzen, um eine spätere Armut im Alter zu verhindern", betont Intelmann. Allerdings fehle vielen Betroffenen nach eigenen Angaben das nötige Geld.

Konsumverhalten bisher unverändert
Drei Viertel der Hamburger haben in den vergangenen zwölf Monaten ihr Konsumverhalten nicht verändert. 18 Prozent haben sich eingeschränkt, lediglich sieben Prozent weiteten es aus. In Zukunft könnte sich dies leicht negativ verändern: Denn einschränken wollen sich künftig 22 Prozent, mehr ausgeben nur noch fünf Prozent. Immerhin 72 Prozent der befragten Hamburger sehen keinen Grund für Veränderungen beim Konsum.

Aufbau Vermögen: sicher und flexibel

Beim Vermögensaufbau sind Sicherheit, Flexibilität und Verfügbarkeit bundesweit die wichtigsten Kriterien. Sie sind bei Hamburgern aber weniger stark ausgeprägt als im Bundesdurchschnitt. Überdurchschnittliche Beachtung finden in der Hansestadt die Lebens- und Familienplanung sowie ökologische Aspekte (Erhalt der ökologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ressourcen).

Auf die Frage, welche Produkte sich für Vermögensplanung/-aufbau am besten eignen, antworten Hamburger am häufigsten selbst genutzte Immobilie (55 %), fremd genutzte Immobilie (30 %), Lebensversicherung (28 %) und Rentenversicherung (25 %). Während diese Zahlen nicht weit vom Bundesdurchschnitt entfernt sind, belegen die Hamburger mit der Antwort Edelmetalle wie Gold (23 %) den Spitzenplatz. Auch Aktien (18 %) liegen über dem Durchschnitt.

Arbeitnehmern empfiehlt Intelmann, die vermögenswirksamen Leistungen zu nutzen, die die meisten Arbeitgeber anbieten. Das Geld kann zum Beispiel in Fonds-, Bank- und Bausparverträge oder Riester-Verträge investiert werden. Auch der Aufbau einer Altersvorsorge ist möglich. Geregelt sind die Leistungen in den Tarif- oder Arbeitsverträgen. Bei Geringverdienern sind meist staatliche Zuschüsse möglich. Bisher werden die vermögenswirksamen Leistungen lediglich von 21 Prozent der Hamburger genutzt, was deutlich unter dem Bundesdurchschnitt ist.